In einem Jahr soll der Einzug sein

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Zum Richtfest gehört ein Richtspruch - und zu dem ein Gläschen.

Babenhausen - Nicht in luftiger Höhe, sondern über den Köpfen der Gäste ist der große runde Kranz befestigt. Bunte Bänder schmücken das Grün. Nach dem Richtspruch wird der Kranz schließlich empor gezogen - Zweck erfüllt. Von Stefan Scharkopf

Darmstadt-Dieburgs Schuldezernent Christel Fleischmann lud gestern zum Richtfest für den Neubau der Joachim-Schumann-Schule ein. Das knapp 25 Millionen Euro teure Objekt ist die größte Investition des Kreises in eine Schule. Gefördert wird der Neubau durch das Kommunale Investitionsprogramm des Bundes mit rund 10,3 Millionen Euro. Eigentlich, so Fleischmann, hätte der Bau bereits fertig sein sollen. Für den Geldfluss aus Berlin hat das Bundesbauministerium eine zeitliche Vorgabe gemacht - ein enges Korsett, in das sich niemand hineinzwängen konnte. Erst durch Intervention der hiesigen Bundestagsabgeordneten mit Patricia Lips (CDU) an der Spitze und ihren Kollegen aus dem Landtag wurde die zeitliche Vorgabe gelockert. Auch durch die Suche nach Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg wurden die Arbeiten verzögert. Dennoch, so Fleischmann, liege man in etwa im Zeitplan. Einziehen in ihre neue Heimstatt können die künftigen Nutzer, die Schüler und Lehrer, nicht nach den Sommerferien 2012, sondern wohl erst nach den Herbstferien, dennoch sind die Verantwortlichen damit zufrieden.

„Aufbruch in die Zukunft“

Fleischmann verteidigte den Bau der Immobilie: „Wenn sich die Sanierung bei etwa 80 Prozent der Neubaukosten einpendelt, macht sie keinen Sinn mehr.“ Dass die Gesamtkosten nun bei knapp 25 statt bei ursprünglich mal angedachten 18 Millionen Euro liegen, habe unter anderem mit Auflagen zu tun, besonders beim Brandschutz.

Der neue Schulleiter Rainer Becker verbindet mit der neuen Schule einen „Aufbruch in die Zukunft“.

Die Joachim-Schumann-Schule ist als Schulformbezogene (Kooperative) Gesamtschule, Sekundarstufe I mit besonderer Prägung (offene Schule), organisiert. Der Altbau hat eine Bruttogrundfläche von etwa 15.500 Quadratmetern. Der Neubau fällt kleiner aus, soll aber das pädagogische Profil der Schule fördern.

Merkmal der offenen Schule ist der bleibende Verbund der Jahrgänge von Anfang in der 5. Klasse bis Schulende in der 9. bzw. 10. Klasse. Das bedeutet, dass die Schüler ihre Klassenräume in dieser Zeit behalten. Den einzelnen Jahrgangsbereichen sind kleine Lehrerzimmer, die Teamräume, zugeordnet. Während des Unterrichts können die Klassenraumtüren geöffnet sein. Die Schüler sollen auf den sogenannten Differenzierungsflächen Gruppenarbeit leisten und werden über die geöffneten Türen beaufsichtigt. Dadurch entsteht ein familiärer Charakter der Klassenverbände. Ziel ist ein stärkerer Zusammenhalt mit vermehrter sozialer Kontrolle untereinander - ein wichtiger Aspekt bei einer Schule mit rund 1200 Schülern.

Jahrgangsbereiche mit familiärem Charakter

Im Altbau ist neben der Schule auch die Mensa untergebracht. Gemäß den Vorstellungen des Bauherrn soll im Neubau die Mensa von der Schule getrennt werden. Dadurch wird ihre Funktion als zentrale Mittagsversorgung für die Joachim-Schumann-, die Flanagan-, die Bachgau- und die Schule im Kirchgarten gestärkt.

Es geht gut voran auf der Baustelle. Nach dem Richtfest konnten sich die Gäste den Rohbau anschauen.

Wesentliches Entwurfs-prinzip für die Schule ist die Planung von Jahrgangsbereichen mit familiärem Charakter. Sie sind zweigeschossig, Maisonette-ähnlich, mit einer mittleren Halle, um die sich die Klassenräume anordnen und jeweils direkt über zwei Treppenhäuser erschlossen. Es muss also kein Schüler durch einen anderen Jahrgangsbereich laufen, um seinen eigenen Jahrgangsbereich und damit auch seine Klasse zu erreichen. Jedem Bereich ist eine eigene WC-Anlage mit Putzraum zugeordnet. Durch dieses Konzept wird die gewünschte soziale Kontrolle innerhalb der Schule gefördert.

Die Jahrgangsbereiche werden im ersten und im zweiten Obergeschoss angeordnet, die für alle Schüler nutzbaren Fachklassenräume und die Verwaltung im Erdgeschoss. Die Jahrgangsbereiche sind in zwei Riegeln untergebracht. Sie liegen sich gegenüber und bilden damit einen Innenhof, der gegenüber der großen Schulhoffläche im Norden als ruhigere Zone geplant ist und in der auch Unterrichtseinheiten stattfinden können. Die Freifläche nach Süden ist als Garten konzipiert. Der eingeschossige Verwaltungstrakt grenzt direkt an die Sporthallen an und verdeckt dadurch deren etwas rustikal wirkende Fassaden. Vor dem Verwaltungsbau führt eine Pergola von der Schule zu den Sporthallen.

Parkplatzflächen im Nordwesten sind 2013 an der Reihe

Die Eingangshalle ist der Hauptverteiler der Schule und gleichzeitig zentraler Raum. Er wird belichtet durch eine großzügige Schrägverglasung. Darunter befindet sich eine Vertiefung in der Bodenplatte, eine Versammlungs- und Begegnungsstätte mit Stufen und Sitzgelegenheiten.

Durch die kompakte Bauweise kann die Fläche für die Schule von 14.800 (ohne Mensa) auf 11.600 Quadratmeter reduziert werden. Sie kommt dem Passivhausbau sehr entgegen.

Der weitere Zeitplan: Nach dem Bezug werden die Altbauten (ohne Altbau Mensa) abgerissen, danach wird der nördliche Schulhof hergestellt, die Parkplatzflächen im Nordwesten sind 2013 an der Reihe und der Neubau der Mensa 2013/2014, ebenso wie die neuen Sportflächen.

Quelle: op-online.de

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