„Einiges muss klargestellt sein“

+
Der Feuerwehrvereinsvorsitzende Ulrich Hartmann will diverse Formulierungen bei der Auflösung der Wehr nicht so stehen lassen. 

Harreshausen - Dass eine Stadtteilfeuerwehr, wie jetzt in Harreshausen, geschlossen wird, hat es in Babenhausen noch nie gegeben. Als Hauptursache führt die Stadt den fehlenden Wehrführer an sowie dass 14 Aktive bei möglichen Ausfällen im Ernstfall zu wenig sind. Von Michael Just

Außer der mangelnden Übungsteilnahme gab es noch weitere Begründungen, die laut Stadtbrandinspektor Mario Wörner den Aussagen des ehemaligen Harreshäuser Wehrführers entliehen worden seien. Auch wenn man laut Wörner einige Sätze bei der Auflösungsbegründung anders hätte formulieren können und Aussagen falsch verstanden worden seien, ist es der Wunsch der Harreshäuser Feuerwehrmitglieder, einiges klarzustellen. Unser Mitarbeiter Michael Just hat sich deshalb zu einem Interview mit dem Feuerwehrvereinsvorsitzenden Ulrich Hartmann getroffen:.

Sie wehren sich derzeit gegen einige Formulierungen von offizieller Seite bei der Auflösungsbegründung.

Lesen Sie hierzu auch:

Harreshäuser Feuerwehr gibt auf

Ich fand die Darstellungen sehr einseitig, so als wären wir immer nur zwei Leute bei den Übungen gewesen und hätten generell nichts machen wollen. Wir waren 14 Aktive, da kommen ganz schnell mal zehn Personen zusammen, die etwas anderes vorhaben. Wenn ich 40 Aktive habe, fallen zehn Abwesende deutlich weniger ins Gewicht als in unserem Fall. Mir ist wichtig, dass es nicht so rüberkommt, als sei die Schließung eine logische Konsequenz aus unserer Faulheit. So war es definitiv nicht, weshalb einige Beschreibungen wirklich geschmerzt haben.

Auch der Begriff der „mangelnden Einsatzbereitschaft“ gefällt ihnen nicht.

Ich höre und lese derzeit überall, dass es keine Einsatzbereitschaft gab. Diese Formulierung bedeutet für mich, dass man keinen Dienst machen will und dass es an der Einstellung und der Willensfähigkeit mangelt. Das klang sehr negativ und ist zudem falsch. Natürlich haben die 16 Austritte in den letzten Jahren nicht zur Motivierung der Kollegen beigetragen. Die 14 verbliebenen Aktiven hätten auch aufhören können, sind aber geblieben, weil sie unbedingt weiter machen wollten. Von denen kommen alle aus der Harreshäuser Jugendwehr, dementsprechend lag sowohl Wille als auch Einsatzbereitschaft vor.

Nochmal Klartext, an wem lag das Ende der Harreshäuser Wehr?

In diesem Fall gibt es nichts schön zu reden und zwei Dinge klarzustellen: Es lag eindeutig an uns und nicht an der Stadt. Im Gegenteil, alle Gremien haben ihr Möglichstes versucht. Zum Zweiten lag es nicht an unserer Unlust, sondern einzig daran, dass wir für den verantwortungsvollen Posten des Wehrführers keinen Ersatz gefunden haben.

Finden Sie, dass das Ende zu schnell besiegelt wurde?

Nein. Die Zeit war nicht das Problem. Wir hatten seit Oktober die Chance, einen Wehrführer zu finden. Es gibt klare gesetzliche Vorgaben, dass eine Wehr ohne Wehrführer nicht arbeitsfähig ist. Unser Manko war, dass die Kandidaten für dieses Amt bei uns von vornherein auf wenige Personen begrenzt waren. Diese Auswahl wäre auch nicht mit mehr Zeit gewachsen. Wir haben die Kandidaten mehrfach versucht zu überzeugen. Das hat nicht funktioniert. Zu einem Wehrführer gehört mehr als nur einsatztaktisch gut geschult zu sein. Menschenführung oder Durchsetzungsvermögen sind nur zwei weitere Punkte. Wenn sich jemand das nicht zutraut, kann man ihm dafür nicht böse sein. Es hilft nicht, dass einer nur den Job macht, um zu verhindern, dass die Feuerwehr zugemacht wird. Das wäre fahrlässig.

Hofft man, dass es eines Tages wieder eine eigene Wehr in Harreshausen gibt?

Das hängt wesentlich davon ab, inwieweit die Stadtfeuerwehr jetzt mehr belastet wird. Wir wollen aber nicht verschweigen, dass es bei uns 2010 nur fünf Einsätze gab. In den letzten Jahren ging es meist um Hochwasser oder Personensuche. Da sind weniger Feuerwehr-Technik als Helfer gefragt. Falls sich das Thema in Zukunft wirklich nochmal stellt, wird das Abwägen des finanziellen Aufwandes im Mittelpunkt stehen und wie sinnvoll es ist, die dann vielleicht anderweitig genutzten Räume wieder zurückzuführen. Wir sollten aber erstmal eine schlagfertige Truppe von über 20 Mann haben, nur dann ist es gerechtfertigt, über eine solches Thema in Ansätzen nachzudenken.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare