Adebar soll sich auf Alter Schule wieder wohl fühlen

Einsatz für ein attraktiveres Nest

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Herigar-Vorsitzender Ingo Rohrwasser (vor dem Korb stehend) und seine Mitstreiter, die zweite Vorsitzende Maren Gatzemeier und Jan Belzner, vor ihrem Einsatz am Storchennest auf dem Dach der Alten Schule.

Hergershausen - Hoch hinaus ging es jetzt beim Verein Herigar, denn mit Hilfe eines Hubsteigers brachten die Ehrenamtlichen das seit Jahren verwaiste Storchennest auf dem Dach der Alten Schule auf Vordermann. Von Petra Grimm 

Vielleicht bezieht dann endlich ein Storchenpaar das Domizil im historischen Ortskern, so die Hoffnung. Selten ist der langhalsige Stelzvogel mit dem roten Schnabel wirklich nicht in der Umgebung von Hergershausen. Ganz im Gegenteil. Das an das Dorf angrenzende Naturschutzschutzgebiet in den Hergershäuser Wiesen scheint ein wahres Paradies für Meister Adebar zu sein. Zahllose Exemplare haben sich in den vergangenen Jahren hier angesiedelt und fühlen sich sichtlich wohl. Wer mit dem Fahrrad durch die idyllische Landschaft zwischen Hergershausen und Münster fährt, sieht nicht selten zehn Störche und mehr gleichzeitig am Himmel kreisen oder auf einem Acker entspannt nach Futter suchen.

„Das könnte ein Grund sein, warum das Nest auf dem Dach der Alten Schule nicht mehr angenommen wird. Wir sind hier in der zweiten Futterreihe. In den Wiesen selbst finden die Störche ja ausreichend Nahrung und haben dort in ihrem Fressrevier auch bereits viele Nester“, sagte der Herigar-Vorsitzende Ingo Rohrwasser, der auf Kosten des Vereins bei der Firma Wemo in Groß-Umstadt „zu einem fairen Preis“ einen Hubsteiger ausgeliehen hat, um gemeinsam mit seinen Mitstreitern das verlassene Vogeldomizil durch das Einflechten von Weidenzweigen attraktiver zu machen.

„Wir haben auf dem Dach sogar Kleckse mit weißer Farbe, die wie Vogelkot aussehen, aufgebracht, damit es so wirkt als hätten bereits andere Störche hier gewohnt“, so Rohrwasser, der in die Technik des großen Hubfahrzeugs eingewiesen wurde.

Das Nest vor der Aktion: Vom Hubwagen aus gab es einen schönen Blick in die Umgebung der historischen Schule.

Im Korb am Mast des Hubsteigers fuhren die zweite Vorsitzende Maren Gatzemeier und der Bergsteiger und Feuerwehrmann Jan Belzner auf etwa 17 Meter Höhe. Mit Gurten gesichert, arbeiteten die beiden dann am Nest, das aus einer hölzernen, ovalen Plattform mit etwa 1,30 Meter Durchmesser und metallenen Streben als Umrandung besteht. Mit ihren geschickten Händen und großer Geduld flocht Gatzemeier in luftiger Höhe Runde um Runde einen Nestrand aus den Weidenästen, während Belzner den Korb navigierte.

Das Vogeldomizil existierte bereits vor der Übernahme des historischen Gebäudes durch den Verein im Jahre 2009, hat seither aber nie wirklich zu einer erfolgreichen Brut geführt, wie Vereinsmitglied Mathias Brendle weiß: „Im Jahr 2011 konnte ein Storchenpaar von drei Jungen nur eins groß ziehen, zwei lagen tot auf dem Boden neben der Schule. Warum weiß keiner genau. Im Jahr darauf gab es einen Streit unter Störchen um das Nest. Da lagen dann schließlich die Eier unten und danach zog kurzzeitig ein Paar Nilgänse ein. Ansonsten hat man immer nur einzelne Störche im Nest gesehen, aber nie ein Paar, das gebrütet hat.“

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Vielleicht ändert sich das jetzt. Herigar hat zumindest keine Kosten und Mühen gescheut. Nach etwa vier Stunden, in denen Gatzemeier auch gleich noch die schwer zugänglichen Fenster und die Regenrinne gereinigt hat, endete die Aktion. Der rührige Verein, der das alte Schulgebäude, das der Stadt gehört, als Dorfgemeinschaftshaus verwaltet und regelmäßig mit Veranstaltungen für Leben in den historischen Mauern sorgt, hat kürzlich auch auf eigene Kosten eine Holzschiebetür im ersten Stock einbauen lassen. „Damit werden die oberen Räume vom Treppenhaus getrennt, wodurch wir Heizkosten sparen. Außerdem ist es ein Schallschutz, wenn oben Kinder spielen oder in beiden Etagen gleichzeitig Veranstaltungen stattfinden“, erklärte der Vorsitzende. So fließen die Einnahmen des Vereins regelmäßig wieder ins Haus, das sich in gepflegtem Zustand präsentiert.

Am Freitag, 16. März, wird bei Herigar in der Alten Schule, Rodgaustraße 16, um 19.30 Uhr unter dem Titel „Poesie und Klang“ ein besonderer Kulturgenuss geboten. Uwe Friedrich wird Gedichte rezitieren und Barbara Ding (Harfe) und Renata Ding (Flöte) werden mit musikalischen Beiträgen unterhalten.

Quelle: op-online.de

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