Einsatz gegen Bewuchs auf der Krone

Firma erledigt

Babenhausen - Die Stadtmauer umschließt fast vollständig den alten Teil von Babenhausen. Damit trägt sie wesentlich zum historischen Charme der Gersprenzstadt bei. Nach der Verleihung der Marktrechte entstanden bereits im Jahre 1295 die ersten Befestigungsanlagen. Von Michael Just

1445 wurde die Mauer mit Bruchsteinen verstärkt und erneuert. Das ist lange her, und so nagt der Zahn der Zeit immer wieder an dem Bauwerk. Um dessen Bewahrung auch weiterhin zu garantieren, fallen in regelmäßigen Abständen Sanierungsaufgaben für die Stadt an.

Derzeit wird im Bereich der Wilhelmstraße/Sackgasse die Krone neu befestigt. Am Ende soll ein Rundprofil entstehen, was nicht nur für einen guten Wasserablauf sorgt. Auf vier Wochen sind die Arbeiten angesetzt, die Stadt investiert zum Erhalt für ihr geschichtliches Erbe rund 30 000 Euro.

„Wir nehmen uns jedes Jahr ein Teilstück der Mauer vor. Auf einmal wäre das gar nicht zu bewältigen, auch finanziell nicht“, sagt Heinrich Grimm vom städtischen Fachbereich Stadt- und Bauplanung. Dann würden Ausbesserungen an der Krone oder Verfugungsarbeiten an den Frontpartien gemacht. Nach den Arbeiten im Bereich des alten Feuerwehrgeländes sowie am Burgmannenhaus sei der aktuelle Abschnitt laut dem Verwaltungsmitarbeiter unverhofft in den Blickpunkt gerückt: „Wir sprechen von einer Zwangsmaßnahme, da sich Teile der Mauerscheibe in der Wilhelmstraße abgelöst haben. Da Stücke nach unten gefallen sind, mussten wir sogar sofortige Sicherungsmaßnahmen mit einer Straßensperrung ergreifen.“

Eine Eppertshäuser Baufirma, die auf Restaurationen spezialisiert und vom Denkmalamt anerkannt ist, nimmt sich derzeit dem Schaden an und saniert in einem Bereich von rund 25 Metern die Mauerkrone. Da in luftiger Höhe gearbeitet wird, wurde ein Gerüst gestellt, das zum Teil auch in den Höfen der Anwohner steht. Das lässt sich nicht umgehen, da Privatgrundstücke oft von beiden Seiten die Stadtmauer angrenzen. Nicht selten haben Anwohner in der Vergangenheit die Mauer sogar an einigen Stellen überbaut.

Auf dem derzeit sanierten Abschnitt in der Sackgasse zeigt sich der Bewuchs mit Unkraut und Moos als besonders dicht. Das tut dem einstigen Schutzwall alles andere als gut, da sich als Konsequenz Wurzeln in das Mauerwerk bohren und – neben Klima und Erosion – so die Zersetzung fördern.

Über die Jahre haben sich auf der Mauer sogar schon Erdschichten gebildet, die einen rasenähnlichen Bewuchs ermöglichen. Selbst an bereits restaurierten Stellen lässt es sich nicht verhindern, dass nach einiger Zeit die Pflanzenwelt durch Flugsamen zurückkommt.

Die Spezialfirma aus Eppertshausen entfernt die Pflanzen samt der Erde. Für die Ritzen kommt ein Industriesauger zum Einsatz. Gelöste und lockere Steine werden gesammelt, gereinigt und danach wieder auf die Mauer gesetzt. Dabei wird ein Spezialmörtel verwendet, der sich bei Frost und Minusgraden nicht ausdehnt. Damit wird eine Schädigung des Mauerwerks durch Absprengung von Steinmaterial verhindert.

Laut Grimm gehen die Ausbesserungsarbeiten an der Stadtmauer in den kommenden Jahren nicht aus. Er schätzt, dass gerademal die Hälfte des nicht überbauten Walls saniert ist. Welcher Bereich als nächstes dran ist, kann er noch nicht ankündigen.

Für den Chef des Fachbereichs Bau hat eine Festlegung in der Vergangenheit selten etwas gebracht: „Meist machen spontane Schadensbilder sämtliche Pläne wieder zunichte.“

Quelle: op-online.de

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