Einweihungsfeier von Halle

Bauen bringt beim TV kein Grauen

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Auf die neue Halle: Mit dem Ehrenvorsitzenden Erhard Teuchner (Mitte) erhob der TVB-Vorstand das Glas. - Fotos: Just

Babenhausen - 150 Gäste feierten die Einweihung der TVB-Halle. Das Projekt kostete 1,5 Millionen Euro. Von Michael Just

„Das Turnen ist ein deutsches Ding, darum ich gern vom Turnen sing. Es ist eine Kunst und ein Pläsier, des Menschen Vorzug vor dem Tier. “ Diese Wort gehören zum großen Turnerlied des humoristischen Dichters Ludwig Eichrodt, der 1827 geboren wurde. In 24 Absätzen ließ er sich zum Turnen im Allgemeinen und zahlreichen Übungen im Speziellen aus. Am Freitag, zur großen Eröffnung der frisch sanierten Turnhalle des TV Babenhausen mit rund 150 geladene Gästen, zitierte TVB-Mitglied Uwe Friedrich die Worte Eichrodts. Dabei schlüpfte er in ein Clownskostüm, um die sehr genauen und heiteren Beobachtungen des Dichters besser zu untermalen.

15 Redner hatte der TVB auf einer Liste zusammengeschrieben, so dass einem zu Beginn schon etwas Bange wurde, inwieweit die nun ausholen, um die neue Halle und den TVB ausgiebig zu loben. Doch die Bitte des Vorstands, es bei Grußworten zu belassen, wurde fast durchgehend eingehalten. So brauchte es für die Gästeschar, die aus Politikern, Finanziers, Baubeteiligten, Großspendern oder TVB-Übungsleitern bestand, lediglich ein Sitzfleisch für rund zwei Stunden.

„Es ist geschafft“, sagte Vorstandsmitglied Bert Bernhardt mit einer spürbaren Portion Erleichterung bei seiner Begrüßung. Er müsse sich selbst manchmal die Augen reiben, dass das Gros der Arbeit nun hinter dem TVB liegt. Von den Anwesenden hat laut Bernhardt jeder einen individuellen und essentiellen Beitrag geleistet, für den es Danke zu sagen gelte. So sei das neue Schmuckkästchen das Ergebnis eines erfolgreichen Zusammenspiels vieler Beteiligter.

Bilder von der Einweihung

Hallenbau in Babenhausen

Die Veranstaltung war so aufgezogen, dass Bert Bernhardt und Stefan Kratz in einer Chronologie über die letzten 15 Jahre den Verlauf der Hallensanierung von der Idee, über den Antrag der Fördergelder, bis hin zum heutigen Tag präsentierten. „Wir machen das zu zweit, quasi wie in einer Show“, kündigte Bernhardt an. In die Chronologie betteten die Moderatoren die Grußworte ein, was für Kurzweil sorgte.

Landrat Klaus Peter Schellhaas hob in seinen Worten hervor, dass es am Bau zwar viele Beteiligte gab, die Sache aber ohne die große Gestaltungskraft des TV nicht umsetzbar gewesen wäre. Zudem lobte er die Standortentscheidung, im Herzen von Babenhausen zu bleiben und nicht am Stadtrand neu zu bauen. Als Geschenk hatte Schellhaas ein Paar Pedalos dabei.

Bürgermeisterin Gabi Coutandin erinnerte an die problemlose Sanierungsphase. „Bauen bringt oft Grauen. Das blieb hier aus“, sagte sie. So sei die Stadt stolz auf ihren TV. Architekt Andreas Nasedy führte an, dass man die Halle komplett umgekrempelt habe. Dennoch gebe es immer noch kleine Ecken, die an früher erinnern. Das Ergebnis sieht er als eine „Vollendung des Dagewesenen“ und als eine Übereinstimmung zur Altstadt. Für Nasedy beweise die Peripherie vieler Städte, dass man es heute kaum noch hinbekomme, schöne Bauten zu errichten. Anders bei der TV-Halle: „Das Gebäude trägt zur Stadtreparatur bei und schafft ein Verhältnis zum Schönen.“

„Wir bewegen Babenhausen - noch mehr“

150 geladene Gäste feierten mit dem TVB. Zum Tag der offenen Hallentüren mit Vorführungen herrschte am Samstag großer Andrang.

Prof. Heinz Zielinski, leitender Ministerialrat im hessischen Ministerium des Inneren und für Sport, sagte, dass die öffentliche Hand die unersetzliche Arbeit der Sportvereine eigentlich noch viel stärker finanzieren müsste. „Deren Attraktivität ist die erste Voraussetzung, die Leute in den Verein zu holen und zu halten“, meinte Zielinski. Des Weiteren bräuchte es verstärkt Hauptberufliche in den Vereinen, da das Ehrenamt vieles nicht mehr leisten könne. Der Ministerialrat lobte das dreiköpfige TVB-Vorstandsgespann und die wegweisende Zusammenarbeit mit den Schulen. Weitere Grußworte kamen vom Landessportbund Hessen, der Sparkasse, dem Turngau Odenwald, dem Sportkreis, dem Gremium der Babenhäuser Vereine sowie dem TVB-Ehrenvorsitzenden Erhard Teuchner. Pfarrer Ferdinand Winter von der katholischen Pfarrgemeinde und Christoph Kleinert von der evangelischen Kirchengemeinde segneten die neue Halle.

In Erinnerung dürften die Worte von Ursula Kohl vom Turngau bleiben. „2010 las ich beim TVB das Motto ,Wir bewegen Babenhausen´. Jetzt muss es heißen ,Wir bewegen Babenhausen noch mehr´“, sagte sie. Ziemlich viel Treffendes hatten zudem die Worte von Ludwig Eichrodt aus dem vorletzten Jahrhundert. Die ließen sich zum Teil problemlos auf den TVB übertragen. „Frisch, fröhlich, fromm und frei, so heißt sein Wahlspruch und so ist sein Geist. Drum vivat hoch die Turnerei, der Turner nur lebt sorgenfrei.“

Die Sorgenfreiheit ist nun auch an der Ziegelhüttenstraße eingezogen. Mit dem Domizil zeigt sich der TVB für die Zukunft bestens gerüstet. Zwar gibt es noch auf Jahre finanzielle Verbindlichkeiten, die dürfte der Verein mit seinen derzeit 1 800 Mitgliedern aber genauso schultern wie alle bisherigen Herausforderungen, die er in den 120 Jahren seines Bestehens bewältigte.

Quelle: op-online.de

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