Eisenbahn in Babenhausen

Einst Arbeitgeber für 60 Leute

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So präsentierte sich Babenhausens Bahnhof vor rund 100 Jahren auf einer Postkarte.

Babenhausen -  Es gibt zwar leider keine Zeitzeugen mehr, die berichten könnten, wie es am Babenhäuser Bahnhof Anfang 1918 ausgesehen hat. Doch anhand verschiedener Quellen und alter Unterlagen kann noch nachempfunden werden, wie es um den Bahnhof bestellt war. Von Walter Kutscher 

Babenhausen war bereits seit 1870 ein Eisenbahnknotenpunkt, denn die Linien der Odenwaldbahn und der Rhein-Main-Bahn haben hier ihren Kreuzungspunkt. Die Anordnung der Bahnhofsgleise entsprach damals noch nicht dem heutigen Zustand und auch die große Unterführung war noch nicht gebaut. Erste Bauvorbereitungen dazu hatten bereits begonnen, aber die eigentlichen Arbeiten und die damit zusammenhängende Bahnhofsumgestaltung wurden durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen und erst ab 1925 wieder in Angriff genommen.

Die Hauptverkehrsstraße (heute B 26) querte die Gleisanlagen zweimal: Von Dieburg kommend wurde in Höhe der heutigen „kleinen Unterführung“ die Bahn gekreuzt und verlief weiter über Wilhelm-Leuschner-Straße, Bismarckplatz sowie Hermann-Stotz-Straße und kreuzte danach wieder den Bahnkörper in Richtung Kaserne. Betrachtet man die Linienführung dieser Straßen heute aus der Vogelperspektive, lässt sich der Verlauf der alten Chaussee noch erahnen. Auch besaß der Bahnhof zu dieser Zeit einen Schuppen für Reservelokomotiven mit Drehscheibe und Wasserkran zum Befüllen der Dampflokomotiven.

Die Kaserne diente bis zum Ende des Ersten Weltkrieges als Unterkunft für Artillerie- und Kavallerieeinheiten sowie als Reservelazarett und am Bahnhof starteten oder endeten Transport- und Lazarettzüge.

Beschäftigt waren zu dieser Zeit im gesamten Bahnhofs mehr als 60 Personen in verschiedenen Arbeitsgebieten. Auf den Stellwerken wurden im Mehrschichtbetrieb die Zugfahrten geregelt, im Bahnhofsgebäude Fahrkarten verkauft und Gepäckstücke für den Versand vorbereitet und in der Güterhalle rackerten die Eisenbahner und verluden schwere Güter aller Art in die Waggons.

Bilder: Babenhausen und Stadtteile

In einem Amtsblatt (interne Bahnmitteilung an alle Bahnhöfe der Region) der Königlich Preußischen und Großherzoglich Hessischen Eisenbahndirektion in Mainz vom 16. März 1918 werden die Bediensteten aufgefordert, sich Teile ihres Gehaltes bargeldlos auf eine Sparkasse oder Bank überweisen zu lassen. Ergänzend dazu wird darauf hingewiesen, dass „mit der weiteren Fortdauer des Krieges die Verminderung des Bargeldumlaufs eine immer größere Bedeutung gewinnt.“ Weiter wird ausgeführt, dass „auch ein großer Teil der Beamtenschaft nach wie die vollen Vierteljahresbezüge in bar bezieht und handelt damit dem Wohle des Vaterlandes zuwider.“

In den damals wöchentlich erscheinenden Amtsblättern wurde auch viel über Personalien berichtet. Beförderungen, Versetzungen in den Ruhestand und zu anderen Bahnhöfen oder Belohnungen wegen verschiedener Tätigkeiten waren da beschrieben. „Auszeichnungsschnüre für eine mindestens zehnjährige vorwurfsfreie Dienstzeit“ erhielt neben weiteren Personen im Frühjahr 1918 der Bahnwärter Willand aus Babenhausen. Und heute: Im gesamten Bahnhofsgelände gibt es noch einen Arbeitsplatz im Stellwerk, der im Dreischichtbetrieb besetzt ist, wobei auch dort Änderungen geplant sind, denn die Zugsteuerung auf der Bahnstrecke zwischen Darmstadt und Babenhausen soll bis 2020 auf digitale Basis umgestellt werden.

Quelle: op-online.de

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