ELB-Schliff zieht nach Aschaffenburg

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Die ELB-Schliff wandert nach Aschaffenburg ab. Die Mitarbeiter sollen am neuen Standort unterkommen.

Babenhausen - Große Pläne hatte die ELB-Schliff, was wird jetzt aus ihnen? Die zur Autania AG (Kelkheim) gehörenden Gesellschaften ELB-Schliff Werkzeugmaschinen GmbH und aba Grinding Technologies GmbH (Aschaffenburg) planen eine weitere Konzentration ihrer Geschäftsaktivitäten. Von Stefan Scharkopf

Das hat Auswirkungen auf Babenhausen. Ende des Jahres sollen die knapp 150 Mitarbeiter von ELB nach Aschaffenburg umziehen und dort weiter beschäftigt werden. Diese überraschende Nachricht traf jetzt im Rathaus ein. .

Wie es in einer Mitteilung der Autania heißt, bleibt der Standort Babenhausen im Eigentum der Gesellschaft. Es sei vorgesehen, das Gelände in anderer Form zu nutzen und das vor rund 18 Monaten begonnene Projekt einer Grundstücksentwicklung in Abstimmung mit den politischen Gremien fortzuführen. Hierbei werde auch eine anderweitige industrielle Nutzung innerhalb des Autania-konzerns geprüft.

Standort bleibt erhalten

Mit der Stadt Babenhausen und deren politischen Gewährsträgern sollen weitere Gespräche geführt werden, „um die erreichten Ergebnisse in der angestrebten, gemischten Gewerbe- und Wohnraumentwicklung in der Edmund-Lang-Straße für die Beteiligten zu sichern“.

Wie Ralf Weber, Vorstand der Autania AG, auf Anfrage unserer Zeitung sagte, bleibe der Standort erhalten. Ein Teil werde noch als Lager dienen. Dort könnten einige Beschäftigte auch weiterarbeiten. Auch Firmen, die Untermieter auf dem Gelände sind, könnten bleiben.

Bedenken gegen die Pläne der ELB

Als Gründe für den Wegzug nannte Weber die Unsicherheit beim Projektablauf in Babenhausen. Wie berichtet, haben viele Stadtparlamentarier Bedenken gegen die Pläne der ELB. Des Weiteren hätten sich die Wachstumserwartungen 2011 nicht erfüllt. Im ersten Halbjahr 2012 habe es ebenfalls eine verhaltene Nachfrage gegeben. „Die Bündelung der Kräfte ist in einem immer stärker werdenden Wettbewerb nötig. Die Effizienzgewinne, zum Beispiel aus Einsparung von Struktur- und Energiekosten, sind substanziell und sollen beiden Gesellschaften die Chance geben, ein nachhaltiges Wachstum in den kommenden Jahren zu realisieren“, so Weber.

Ausschlag gebend sei aber vielmehr ein Zeitproblem gewesen. Die Firmengruppe habe die Räume in Aschaffenburg lediglich gemietet. Der Vermieter wollte das Gelände veräußern. So habe das Unternehmen die Kaufoption gezogen und dieser Tage auch weiteres Gelände dazu erworben. In der Kürze der Zeit hätte man handeln und eine Entscheidung fällen müssen. An den Ausbauplänen in Babenhausen sei bislang nach wie vor gearbeitet worden, Ausschreibungen seien auf dem Weg gewesen. Überschattet worden seien die Aktivitäten durch den plötzlichen Tod des ausführenden Immobilienmanagers.

Gute Absichten werden torpediert

Wie geht es jetzt weiter? Die Stadt will auf den Beschlüssen pochen. Wie der 1. Stadtrat Kurt Lambert, der derzeit Bürgermeisterin Gabi Coutandin vertritt, auf Anfrage sagte, sei er von der Entscheidung „überrascht, enttäuscht und auch verärgert“. Coutandin hatte Lambert am Mittwochabend vom Schreiben der Autania informiert. Das Stadtparlament habe mehrheitlich seinen guten Willen zeigen wollen und sich für die Pläne der ELB-Schliff ausgesprochen. „Jetzt werden unsere guten Absichten torpediert“, so Lambert.

Das Parlament hatte 2010 die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Firmengelände beschlossen und damit den Weg freigemacht, dass das Unternehmen Gespräche mit den Behörden führen konnte. Die Firma, so die Auflage, müsse in zwei Schritten vorgehen: zunächst ihre Produktionshallen neu bauen, den Standort und die Arbeitsplätze sichern – und erst dann die Wohnbebauung angehen. „Wir werden an unserem Beschluss festhalten und keinerlei Entgegenkommen zeigen“, so Lambert, „auch dann nicht, wenn eine Ersatzfirma einziehen sollte.“

15 Millionen Euro sollen investiert werden

Die Ausbaupläne waren umstritten. Während die Befürworter der „Allianz“ die versprochenen 100 neuen Arbeitsplätze ins Feld führten, warnten CDU und Grüne davor, dass die Ausbaupläne mit der Trassenführung der Südumgehung kollidierten. Sie stellten auch die Frage, wie man künftig mit anderen Firmen umgehen wolle, deren Gelände umgewandelt werde und so eine Wertsteigerung erfahre. Gedacht war nicht nur an einen kompletten Firmen-Neubau, sondern auch an Wohneinheiten für mehr als 450 Menschen.

Der Schleifmaschinen-Hersteller wollte mit seinen Plänen „ein ganzheitliches Konzept zur Sicherung der perspektivischen Entwicklung“ umsetzen. Für die neue Fabrik sollten 15 Millionen Euro investiert werden, für das Gesamtkonzept „Arbeit und Wohnen“ wurden 50 bis 70 Millionen anberaumt. So lauteten die Zahlen seinerzeit bei der Vorstellung des Projekts.

Quelle: op-online.de

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