Offener Brief an Politik und Magistrat

Vereine bangen um die Stadthalle in Babenhausen

Der Stadthallen-Komplex mit dem Restaurant „Goldener Engel“ und den Räumen der Kinder- und Jugendförderung unweit des ehemaligen Wasserturms an der Bürgermeister-Rühl-Straße ist dringend sanierungsbedürftig. Am linken Bildrand sind die Gebäude der Schule im Kirchgarten und des Bachgau-Gymnasiums zu sehen.
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Der Stadthallen-Komplex mit dem Restaurant „Goldener Engel“ und den Räumen der Kinder- und Jugendförderung unweit des ehemaligen Wasserturms an der Bürgermeister-Rühl-Straße ist dringend sanierungsbedürftig. Am linken Bildrand sind die Gebäude der Schule im Kirchgarten und des Bachgau-Gymnasiums zu sehen.

Sanierung oder Neubau der Stadthalle? Vor dieser Grundsatzfrage stehen die Kommunalpolitiker und die Stadtverwaltung. Am Montagabend im eigens gegründeten Arbeitskreis „Städtische Hallen“ zeichnete sich eine Tendenz zur Sanierung ab. Zumindest hat dies Bürgermeister Dominik Stadler (unabhängig) so wahrgenommen, wie er auf Nachfrage sagte.

Babenhausen - Er drängt auf eine Entscheidung, um weitere Prozesse initiieren zu können. Die gedankliche Entwicklung hin zu einer Sanierung steht allerdings unter dem Vorbehalt, dass ausstehende Gutachten nicht doch zu einem anderen Handeln zwingen.

Wie Bürgermeister Stadler berichtet, sei gerade erst der Bericht zur Statik des Stadthallendachs im Rathaus eingegangen und noch nicht ausgewertet worden. Denn die Tragfähigkeit des Dachs gehört zu den Knackpunkten. Dort soll die neue Lüftungsanlage montiert werden, die wie die gesamte Heizungsanlage dringend erneuert werden muss.

Der Methode Schritt für Schritt bei der Sanierung vorzugehen, hatte Bau-Fachbereichsleiter Christian Heinemann bereits in der jüngsten Hauptausschuss-Sitzung eine Absage erteilt, da neben Heizung und Lüftung auch die Elektrik und der Brandschutz auf der Agenda stehen. „Da bedingt eines das andere“, so Heinemann. Für eine Instandsetzung und Sanierung der Stadthalle müssten nach einer Grobschätzung etwa zehn Millionen Euro investiert werden. Ein Neubau – inklusive Abriss – ist derzeit mit rund elf Millionen Euro veranschlagt. In Sachen Sanierung hatte Heinemann bereits erläutert, dass eine seriöse Kostenschätzung erst nach dem Ausschreiben von Planungsleistungen möglich sei. Das müssten letztlich die Stadtverordneten beschließen.

Dass sich in der Stadthalle wegen Mängeln bei der Sicherheits- und Fluchtwegebeleuchtung derzeit bei Veranstaltungen nur 180 Menschen – und das auch nur bei Tageslicht – aufhalten dürfen, treibt die kulturtreibenden Vereine und Institutionen der Kernstadt um. In einem offenen Brief an Stadtverordnetenvorsteher Ingo Rohrwasser, die politischen Fraktionen und den Magistrat haben nun der Carnevalverein, das Blasorchester, der Gesangverein Eintracht, das Vereins-Gremium, das DRK und der Kabarett-Ausschuss der evangelischen Kirchengemeinde „auf die nicht zufriedenstellende Situation“ zur Nutzung der Stadthalle und des Bürgerzentrums Stadtmühle hinwiesen und dem Arbeitskreis ihre Unterstützung angeboten.

Da auch in den Stadtteilen so gut wie keine Alternative zur Stadthalle zur Verfügung stehe, plädieren die genannten Vereine und Institutionen dafür, dass die Halle und die Stadtmühle in einzelnen Schritten renoviert werden und eine Nutzung währenddessen möglich ist. „Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist es wohl sinnvoller, ein Gebäude zu erhalten. Grundsätzlich sind bei der Stadthalle viele Vorteile zu sehen, wobei die zentrale Lage, die gute Erreichbarkeit und die gute Akustik hervorzuheben sind“, heißt es in dem Brief. Sollten die Stadthalle und die Stadtmühle ganz geschlossen werden, könnten die ehrenamtlich angebotenen kulturellen Veranstaltungen nicht mehr stattfinden. „Da diese Veranstaltungen praktisch das einzige Angebot in dieser Hinsicht in Babenhausen darstellen, wäre dies das Ende der Kultur in unserer Heimatstadt.“

Für die sowieso durch die Corona-Pandemie und die Hygienemaßnahmen gebeutelten Vereine würde durch das Fehlen der Räume „jegliche Arbeitsgrundlage entzogen“. Außerdem weisen die Unterzeichner darauf hin, dass es bereits Vorschläge gibt, welche baulichen Verbesserungen bei einer Renovierung einbezogen werden könnten. (Norman Körtge)

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