Ära endet an der Bachwiesenschule

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Schulleiterin Waltraud Pachale inmitten ihrer Schützlinge.

Hergershausen - An der Bachwiesenschule in Hergershausen geht eine Ära zu Ende. Schulleiterin Waltraud Pachale, die über 38 Jahre an der Grundschule als Pädagogin im Einsatz war, geht nach diesem Schuljahr in ihren Ruhestand. Von Petra Grimm

Und zwar mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, wie die gebürtige Dieburgerin sagt.

„Es fällt mir schwer zu gehen, aber ich freue mich auch auf meinen Ruhestand. Denn ich möchte mir und mit meinem Mann auch noch ein paar Pläne verwirklichen, so lange wir noch fit und gesund sind“, sagt die 61-Jährige, die in Frankfurt studiert hat und im Februar 1973 als Referendarin nach Hergershausen kam.

Seit dem Sommer 1974, nach ihrem zweiten Staatsexamen, war sie als Lehrerin an der Dorfschule angestellt. „Am Anfang war ich auch stundenweise nach Sickenhofen abgeordnet“, erzählt sie. Ein Jahr später wurde sie vom Kollegium zur stellvertretenden Schulleiterin gewählt und im Jahr 1999 hat sie dann die Schulleitung übernommen. Jede Menge Verwaltungsaufgaben kamen dadurch hinzu. Da die Schule damals weder eine Sekretärin noch einen Hausmeister hatte, war sie als Schulleiterin eigentlich für alles zuständig, erinnert sie sich.

„Ich musste mich auch darum kümmern, wenn das Klo überlief oder etwas mit den Wasserleitungen nicht in Ordnung war“, erzählt sie schmunzelnd. Wer ihren Platz einnehmen wird, steht noch nicht fest. „Das Besetzungsverfahren läuft noch. Ich gehe aber davon aus, dass wir bis Ende des Schuljahres wissen, wer meine Nachfolge übernimmt.“

Seit ihren Anfangsjahren als Lehrerin hat sich viel geändert. „Eine meiner ersten Klassen hatte 34 Kinder“, erinnert sie sich. Frontalunterricht war üblich und auch an den Samstagen wurde die Schulbank gedrückt. Der Lehrer war für Eltern und Kinder eine Autorität, und in der Klasse machten alle Kinder das Gleiche.

„Gruppentische wurden von den jüngeren Lehrern dann nach und nach eingeführt“, erzählt sie. Der Unterricht habe sich über die Jahre völlig verändert. „Da hat sich viel zum Wohle des Kindes getan. Heute werden die Kinder da abgeholt, wo sie sind. Sie werden innerhalb ihrer Klasse ganz individuell gefördert, indem man den Fähigkeiten entsprechend verschiedene Angebote macht. Dadurch haben auch schwächere Schüler Erfolgserlebnisse, denn nur dadurch machen sie Fortschritte“, sagt die Vollblutpädagogin, Mutter von drei Kindern und stolze zweifache Großmutter, die die Begeisterung für ihren Beruf an ihre zwei Töchter weitergegeben hat. Beide sind ebenfalls Lehrerinnen geworden.

Nicht nur im Bereich der Pädagogik, auch bei den äußeren Rahmenbedingungen hat sich einiges verändert während ihrer Zeit. So wurden die Grundschulen Sickenhofen und Hergershausen, da es in Sickenhofen zeitweise sehr wenige Schüler gab, zusammengelegt. Unterricht der mit Kindern aus beiden Dörfern gemischten Klassen war an beiden Standorten. Die Schule wuchs.

Seit etwa zehn Jahren sind alle Jahrgänge zweizügig. Derzeit besuchen 150 Schüler die Grundschule, die im Herbst 2007 in ihren Neubau umzog, wo jetzt alle unter einem Dach sind. Für diesen Neubau, der in den ersten Plänen so gar nicht den Vorstellungen der Lehrerinnen entsprach, hat sie bis zur totalen Erschöpfung gekämpft.

Die Bachwiesenschule hat sich unter ihrer Leitung auf den Weg zur Ganztagsschule gemacht: Seit diesem Schuljahr gibt es einen Wochentag pro Jahrgang verpflichtenden Nachmittagsunterricht und seit vergangenem Schuljahr ein umfangreiches kostenloses AG-Angebot von Montag- bis Donnerstagnachmittag.

Mit Hergershausen und seinen Bewohnern fühlt Waltraud Pachale sich eng verbunden. Sie sei hier eigentlich mehr zuhause als an ihrem langjährigen Wohnort Groß-Zimmern. „Ich habe hier nie weg gewollt. Inzwischen sind ja schon die Kinder meiner ersten Schüler bei uns durch.“

Beim Schulfest am Samstag, 18. Juni, 14 bis 17 Uhr, möchte die Schulleiterin sich von der Schulgemeinde verabschieden. Um 14 Uhr startet ein Programm mit Vorführungen. „Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn auch viele ehemalige Schüler und Eltern mit uns feiern würden“, sagt sie.

Quelle: op-online.de

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