Endlich Schluss mit Drängeln?

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Bis zu den Sommerferien hat die Dadina jeweils einen Zusatzbus eingesetzt. Ganz ohne Geschubse geht es aber nicht in den Schulbus rein. Ab dem nächsten Schuljahr gibt es einen entzerrten Stundenplan.

Babenhausen - „Noch immer wird gedrängelt“, erzählt die 13-jährige Anika, auch wenn es nicht mehr ganz so schlimm sei wie noch vor ein paar Wochen. Dann rückt das rothaarige Mädchen ihren Rucksack zurecht. Von Kathrin Rosendorff

„Am schlimmsten sind die Neuntklässler, aber ich habe mich schon dran gewöhnt“,erzählt sie. Noch steht sie fast alleine an der Bushaltestelle der Offenen Schule, es ist kurz nach zwölf Uhr an diesem Dienstagmittag. Um 12.15 Uhr kommt der erste Bus und mit ihm eine Menge Schüler, und ein paar schubsen schon ein bisschen, denn jeder will noch einen Sitzplatz und so schnell wie möglich nach Hause.

„Momentan geht das Gedränge“,sagt Udo Jungermann vom gleichnamigen Busfamilienunternehmen. Doch auch hier müssen Schüler stehen. Er fährt den Zusatzbus, der aufgrund des im März publizierten ADAC-Schulbustest eingesetzt wird. Die Busroute zwischen Schlierbach und Babenhausen, die Linie 65, hatte vom ADAC die Note Mangelhaft erhalten. Gründe waren: Überfüllung, unfreundliche Busfahrer und zu schnelles Fahren. Ende März gab es ein Gespräch zwischen Schulabteilung des Landkreises, zuständigem Verkehrsunternehmen Spahn & Roth, sowie der Schulleitung der Offenen Schule, bei dem ein Kompromiss gefunden wurde: Seit Mai gibt es nun dienstags nach der fünften und freitags nach der sechsten Stunde jeweils einen Zusatzbus, denn an diesen beiden Tagen haben die 1 100 Schüler gleichzeitig Schulschluss – bis zu den Sommerferien. Danach soll der Stundenplan entzerrt werden, sagt Schulleiter Burkhard Vollmers zu. „Es ist ja nicht so, dass wir als Schule bislang nicht selbst auf die Idee gekommen wären, unseren Stundenplan zu ändern“,sagt Schulchef. „Der Grund ist, dass wir als offene Schule an diesen Tagen unsere Jahrgangs-Teamsitzungen halten“, erläutert Vollmers. „Aber wir haben uns jetzt auf einen Kompromiss eingelassen, schließlich können die Schüler mit ihrem MobiTick-Fahrschein, sogar bis nach Darmstadt fahren können. Trotzdem wünschte sich der Schulleiter, dass es auch auf Dauer einfach mehr Schulbusse geben würde. „Aber das bleibt wohl eine Illusion, das Geld ist nicht da“, seufzt Vollmers. Er betont auch, dass die Lehrer bereits versuchten, den Schülern nahe zulegen, sich beim Buseinstieg zu disziplinieren.„Aber, ganz ehrlich, auch als Erwachsener würde man nicht gerne 20 Minuten länger auf den nächsten Bus warten und wahrscheinlich auch drängeln“,räumt er ein. Den Stundenplan könnten sie jetzt aber nicht ad hoc ändern. Aber nach den Sommerferien wird das der Fall sein.

Bis dahin zahlt die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation(Dadina) für die beiden Zusatzbusse 2000 Euro. „Das ist aber nur eine Zwischenlösung“,betont Dadina-Geschäftsführer Matthias Altenhein auf Anfrage unserer Zeitung. Alle sechs Monate soll es nun Gespräche zwischen Dadina, Schulleitung und Landkreis geben. Darin soll besprochen werden, ob die gefundene Lösung auch funktioniert oder nicht.

Mittlerweile ist es im Bus von Familie Jungmann eng. Ein Junge klopft an die Fensterscheibe und Udo Jungmann schreitet nach hinten, um für etwas Ordnung zu sorgen. Dann fährt er los. Sven und Tom, beide zwölf Jahre alt, warten indes mit Kopfhörern in den Ohren auf den nächsten Bus, der sie nach Hergershausen bringt. „Es wird immer noch ganz schön gedrängelt, wirklich weniger Stress gibt es nicht“, fällt das Fazit der beiden Jungs aus.

Quelle: op-online.de

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