Spendenaktion

Happy End: Frau hat endlich wieder fließend Wasser

Elisabeth Debertshäuser steht glücklich in ihrer Küche, aus dem Hahn kommt wieder Wasser.
+
Große Freude bei Elisabeth Debertshäuser in Babenhausen. Dank Spenden fließt wieder Wasser aus dem Hahn.

Vielfältige Unterstützung hat den Bau einer neuen Wasserleitung zum Bahnwärterhäuschen von Margarete Debertshäuser in Langstadt, einem Stadtteil von Babenhausen, möglich gemacht.

Langstadt – Am Südwestrand von Langstadt. Neben einem kleinen Bagger liest Markus Schimpf mit Sorgfalt die beiseite gelegten Grassoden auf und reicht sie an seine beiden Azubis weiter. Sie verschließen damit ebenso sorgfältig die Narbe, die sie wenige Stunden zuvor in die Erde gegraben haben. Blau ist das aufgerollte Kunststoffrohr, das wenig weiter aus dem Boden zu kriechen scheint. „Noch 60 Meter, von 460“, taxiert der Ausbilder des Zweckverbands Gruppenwasserwerk Dieburg (ZVG) die restliche Strecke bis zum Anschluss. Dann hat Elisabeth Debertshäuser in ihrem Bahnwärterhäuschen an der Odenwaldbahn zwischen Langstadt und Kleestadt wieder fließendes Wasser.

Zwei Tage später ist es soweit. Die 70-jährige Rentnerin, die von der Grundsicherung lebt, dreht alle Wasserhähne auf, um zu prüfen, ob diese auch wirklich wieder funktionieren. „Ich bin überglücklich“, sagt sie, „und einen Sekt habe ich getrunken.“ Dass nun eine Geschichte, die so verfahren war, dass eine Lösung zunächst nicht in Sicht kommen wollte, ein Happy End gefunden hat, ist auch der medialen Berichterstattung zu verdanken – vor allem aber der Unterstützung durch viele engagierte Menschen.

Babenhausen sammelt Spenden für fließendes Wasser

Der ZVG hatte Debertshäuser schon vor einigen Monaten das Wasser abgedreht und nun damit gedroht, demnächst auch die Notversorgung mit 30-Liter-Kanistern-Trinkwasser einzustellen. Der öffentliche Druck und die Bitte des Kreis-Sozialamts reichten, um wenigstens dieses Drohszenario abzuwenden. Wolfram Wittwer, technischer Betriebsleiter des ZVG, hatte es damit begründet, dass statt eines dauerhaften Provisoriums ja irgendwann eine dauerhafte Lösung her müsse. In Form einer neuen Wasserleitung. Für die Debertshäuser Kosten von 15 000 bis 20 000 Euro hätte tragen sollen. Unerschwinglich für die 70-Jährige.

Außerhalb: Die Adresse des ehemaligen Bahnwärterhäuschen (Vordergrund) Elisabeth Debertshäuser bei Langstadt ist bezeichnend.

Das Problem: Die Versorgung von Kunden im Außenbereich gehört nicht zu den Grundaufgaben in der Satzung des ZVG. Jeder Aussiedlerhof muss für die „letzte Meile“ seines Wasseranschlusses selbst aufkommen. Familie Debertshäuser hat das Anwesen vor mehr als 50 Jahren von der Bahn erworben – inklusive der Wasserleitung mit Verbindung nach Langstadt, verlegt direkt neben dem Bahndamm. Ein Leck mit entsprechendem Wasserverlust hatte das ZVG bewogen, den Schieber zu schließen. Die Havarie konnte zwar geortet werden, aber um Reparaturarbeiten durchzuführen, wäre eine Abstimmung mit der Deutschen Bahn AG notwendig gewesen, was sich als äußerst schwierig erwies.

Babenhausen: Pfarrer sammelt Spenden

Blieb nur die Option einer neuen Leitung mit neuer Streckenführung – so wie sie jetzt verlegt worden ist: gute fünf Meter vom Bahndamm abgerückt, am Ostrand eines wenig genutzten Feldwegs. Dazu bedurfte es aber einer Lösung des Kostenproblems. Faktisch jetzt nicht nur einer, sondern vieler kleiner Lösungen, die im Zusammenwirken die Summe tragbar gemacht haben.

In einem ersten Schritt hat die Sozialbehörde des Landkreises einen Förderbetrag zugesagt. Anfangs hatte sie sich mit dem Argument dagegen gewehrt, die Finanzierung einer Wasserversorgungsleitung gehöre ja wohl nicht zu ihren durch die Sozialgesetzgebung vorgegebenen Aufgaben.

Dann war da Pfarrer Ferdinand Winter von der katholischen Kirchengemeinde St. Josef. Dort ist Debertshäuser eine gute Bekannte. „Sie kocht regelmäßig im Team der Tafel für unsere Sozialhilfeempfänger und singt im Kirchenchor“, berichtet der Pfarrer, der eine Spendensammlung angestoßen hat. Über 4 000 Euro sind so zusammengekommen. Im ZVG wurde die Verlegung der Leitung zu einem Azubi-Projekt und auf diese Weise deutlich kostengünstiger umzusetzen. „Die große Spendenbereitschaft vieler, insbesondere der Langstädter Bürger, Verwandter sowie die Bereitschaft unserer Azubis und ihres Ausbilders Markus Schimpf haben eine Lösung ermöglicht, wo es eigentlich keine Lösung gab“, freut sich Wittwer in einer Mail und schließt: „Auch vom Wasserwerk ein großes Dankeschön an alle Spender.“

Es könnten noch ein paar mehr werden. Elisabeth Debertshäuser hatte nämlich einen Eigenanteil von 1700 Euro aufzubringen, den sie sich innerfamiliär geliehen hat und nun in 50-Euro-Raten abstottert. (sr)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare