Enklave in Sachen Sicherheit

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Etwa 200 Unterschriften hat die Babenhäuser FDP bei ihrer Aktion am Samstag zusammenbekommen, bis Ende des Monats wollen die Liberalen weitersammeln – auch im Internet – und damit für mehr Polizeipräsenz kämpfen. Seit den jüngsten Banküberfällen auf die Volksbank in der Kernstadt fühlen sich viele Bürger nicht mehr sicher.

Babenhausen ‐ Das Leben in Babenhausen war schon mal ruhiger. Zwei Banküberfälle innerhalb einer Woche, ein ungeklärter Mord sowie Einbrüche in regelmäßiger Folge sorgen unter den Bürgern für Angst. Die FDP hat nun daraus ihre Konsequenzen gezogen: Mit einer Unterschriftenaktion forderte sie am Samstagmorgen in der Bummelgass‘ mehr Polizeipräsenz für die Stadt im Ostkreis. Von Michael Just und Christina Schäfer

Das scheint hier ein Selbstbedienungsladen geworden zu sein, jeder holt sich Geld, wo er will. Das darf nicht sein, dass im Ostkreis keiner so richtig hinguckt“, sagte Dr. Heinrich Kolb. Der Babenhäuser und stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion in Berlin unterstützte nicht nur mit warmen Tee seine Kollegen vor Ort. Die Partei rannte mit ihrem Anliegen bei den Bürgern offene Türen ein: 200 Unterschriften stehen schon auf der Liste.

Laut dem FDP-Ortsvorsitzenden Hans Torsten Kind ist die Polizeistation in Dieburg mit zwölf Kilometern einfach zu weit weg. Dazu sei der Stadtpolizist, der für Babenhausen abgestellt ist und ein Zimmer im Rathaus besitzt, seit längerem krank. „Derzeit ist unsere Stadt eine Enklave was die Sicherheit angeht. Es gibt ältere Frauen, die sich schon gar nicht mehr zur Volksbank trauen“, so Kind. Mit Wehmut denkt Stadtrat Manfred Willand an den 2006 pensionierten Beamten Wolfgang Hartnagel zurück: „Der ist damals noch mit dem Rad Streife durch die Fußgängerzone gefahren. Das war gut, auch wenn man ihn dafür oft belächelt hat.“ Ob ein Schutzmann alter Machart für die heutige Zeit noch ausreicht, will Willand dahingestellt lassen: „Zwei Leute vor Ort mit Polizeiauto wären natürlich besser.“

Als ersten Schritt plädieren die Liberalen für die sofortige Rückkehr eines Stadtpolizisten und damit grundsätzlich für mehr Polizei-Präsenz. „Wir haben zwar städtische Hilfspolizisten, die sind aber nur für Parkvergehen zuständig“, sagt Willand. Das Anliegen seiner Partei sieht er als umsetzbar: „Wenn von der Polizeistation Dieburg jemand abgezogen wird und fortan in Babenhausen sitzt, dürfte das finanziell kein Problem sein.“ Für das Magistratsmitglied ist derzeit der Unmut in der Bevölkerung spürbar: „Viele sehen die überdimensionale Polizeistation in Dieburg, die aber für uns keinen Nutzen bringt. Nach den Vorfällen betrachtet man ihre Lage nicht mehr als zentral und findet, dass kleinere Polizeivertretungen sinnvoller wären.

Stadtpolizist ist seit längerem krank

Bis zum Monatsende will die FDP die Aktion mit weiteren Ständen und im Internet fortführen. Wie Hans Torsten Kind ergänzt, hätten auch Vertreter anderer Parteien unterschrieben. Manfred Willand sieht die Sache ohnehin parteiübergreifend: „Wir wollen für die Bevölkerung etwas tun, für parteipolitische Standpunkte gibt es in der Stadt andere Themen.“

Der Kontaktbeamte in Babenhausen ist über längere Zeit krankheitsbedingt ausgefallen. Wir haben deshalb im vergangenen Jahr mit Bürgersprechstunden versucht, die Nöte der Menschen zu erfahren und aufzufangen. Die Sprechstunden stießen aber auf keine Resonanz“, so Polizeidirektor Helmut Biegi. Wenn der Stadtpolizist gesundet ist, werde er seinen Dienst wieder aufnehmen. Wegen der Häufung von Überfällen sei man in den vergangenen Wochen nicht nur öfter mit Funkstreifen in Babenhausen unterwegs, sondern auch verdeckt in zivil, so Biegi. „Das Personal ist nicht unbegrenzt vermehrbar. Wir nehmen die Sorgen der Babenhäuser Bürger ernst und reagieren auf die Situation.“ Ob eine verstärkte Polizeipräsenz anschlägt, und weitere Straftaten dadurch verhindert werden können, müsse man laut Kind abwarten. Fakt sei jedoch, dass sich die Bevölkerung bedroht fühlt. Kind: „Das Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung ist derzeit nicht mehr vorhanden.“

Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung nicht vorhanden

 „Das wäre natürlich schön, wenn wir in Babenhausen eine eigene Polizeistation hätten“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Friedel Sahm. Zudem setze man damit ein wichtiges Zeichen von Präsenz, die derzeit laut dem Politiker so nicht gegeben ist. „Meines Erachtens muss überlegt werden, wie man die Sache besser organisieren kann“, so der Sickenhöfer. Natürlich sei damit eine Kostenfrage verbunden. Wenn sich Babenhausen aber verstärkt engagiere und die eigenen Belange in den Vordergrund rücke, komme man zusammen. Dass die Stadt ein polizeifreier Raum sei, unterschreibt Sahm nicht: „Die Polizei ist da und fährt auch Streife.“ Für die Zukunft habe es sich die CDU-Fraktion zum Ziel gesetzt, dass die Bürger das Gefühl bekommen, bei der Sicherheit gut versorgt zu sein. „Das Gefühl ist bei mir und der Bevölkerung aber momentan nicht da“, sagt Sahm.

SPD-Fraktionsvorsitzender Wulf Heintzenberg sieht vor allem ein Manko darin, dass der Stadtpolizist im Rathaus fehlt. Ob eine ausreichende Polizeipräsenz in der Stadt derzeit gegeben ist, wagt er persönlich zu bezweifeln: „Das Gefühl ist bei vielen Bürgern nach den Vorfällen der letzten Wochen sicherlich untergegangen.“ Sinnvoll sei es seiner Meinung nach, wenn die Stadt in Zukunft wieder einen präsenten Ansprechpartner der Polizei hat.

Wie die SPD, wollen auch Babenhausens Grüne das Thema Sicherheit auf die Tagesordnung ihrer Fraktionssitzung in dieser Woche bringen. „Nachdem sich die FDP dem Thema angenommen hat, werden auch wir darüber beratschlagen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen Frank-Ludwig Diehl. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass die Polizeipräsenz zwar gewährleistet sei, aber eben „schlecht aufgestellt“, seitdem der Stadtpolizist krank ist.

Diese Aktion findet meine volle Unterstützung“, so der FWB-Fraktionsvorsitzende Kurt Lambert. Einst hat er während seiner Zeit als Bürgermeister das Modell des „Schutzmanns an der Ecke“ nach Babenhausen gebracht. Doch der Fraktionsvorsitzende sieht es realistisch: „Eine eigene Polizeistation für Babenhausen halte ich nicht für wahrscheinlich“, so Lambert. Dabei ist sich der Politiker sicher, dass es in seiner Fraktion niemanden gibt, der gegen die FDP-Aktion ist.

Quelle: op-online.de

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