Erfüllte Geschlechterklischees

+
Edith Knaus und Cornelia Mauermann vom Second-Hand-Laden „Anziehpunkt“ sortieren die gespendete Kleidung. Danach bringen sie die Preisschilder an.

Babenhausen ‐ Es gibt ihn noch nicht einmal ein Jahr, und doch ist er aus dem Alltag vieler Babenhäuser nicht mehr wegzudenken: der Second-Hand-Laden „Anziehpunkt“ in der Bummelgasse. Von Veronika Szeherova

Seit das Deutsche Rote Kreuz ihn im April vergangenen Jahres eröffnete, hat sich die Adresse gut etabliert. „Wir haben Stammkunden, die uns oft besuchen, um ein Schnäppchen zu finden“, sagt Cornelia Mauermann, die von Anfang an ehrenamtlich im Laden arbeitet. „Querbeet“ sei die Kundschaft zusammengesetzt: „Hartz-IV-Empfänger, Ausländer, alle möglichen Gesellschaftsschichten. Manche suchen auch günstige Sachen gezielt für ganz bestimmte Anlässe.“

Der Unterschied zur Kleiderkammer, wie es sie beispielsweise in Dieburg gibt, ist, dass der Laden für alle offen steht, auch ohne Bezugsschein wegen Bedürftigkeit. „Das machen wir hier in Babenhausen ganz bewusst so, und freuen uns, dass es so gut ankommt“, sagt Jens Schwarz, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Dieburg.

Was die Spender der Kleidung betrifft, werden im „Anziehpunkt“ scheinbar gängige Geschlechterklischees erfüllt. „Die neueste und hochwertigste Kleidung bringen meist junge Damen, weil sie öfter mal ihren Kleiderschrank komplett auffrischen“, erzählt Cornelia Mauermann. „Die älteste Kleidung kommt tatsächlich meist von älteren Männern, die länger an ihren Sachen hängen“, fügt sie lächelnd hinzu.

„Das meiste wird verkauft wie gebracht“

Es habe gar nicht lange gedauert, bis der Laden nach seiner Eröffnung reichlich bestückt war. „Einige Sachen brachten wir aus Dieburg, um ein Grundsortiment zu haben, aber sehr schnell kamen die ersten Spenden aus Babenhausen“, erinnert sich Schwarz. Für viele Menschen sei es ein Anreiz, die Kleider im Laden abzugeben, weil diese dann noch „weiterleben“ können, vermutet er. Es fühle sich dagegen wie „Wegwerfen“ an, die oft liebgewonnenen Sachen im Altkleidercontainer zu entsorgen.

„Das meiste wird verkauft wie gebracht“, weiß Cornelia Mauermann. „Manchmal bügeln wir die Sachen, hin und wieder nehmen wir sie auch zum Waschen mit nach Hause, aber meist können sie direkt in den Verkauf gehen.“ Die Kleiderspender seien in der Regel sehr ordentlich. Dennoch: „Manchen Sachen sieht man an, dass sie 40 Jahre auf dem Speicher lagen – sie sind einfach schon zu alt und abgetragen, eignen sich deshalb nicht mehr für den Verkauf. Diese leiten wir dann an die Altkleidersammlung weiter.“

Auch Schuhe, Handtaschen Schmuck und Bettwäsche aus zweiter Hand gibt es im „Anziehpunkt“. Es gibt Zeiten, an denen die Sachen sogar „säckeweise“ kommen – meist am Saisonende. So haben die Stammbesetzung und die zehn ehrenamtlichen Helferinnen derzeit besonders viel zu tun, denn viele Menschen sortieren jetzt ihre Winterkleidung aus.

Im zweiten Stock des Ladens landen die gespendeten Kleider auf einem großen Tisch. Dort werden sie sortiert und mit Preisen versehen. „Es gibt eine Liste, nach der man sich richtet“, sagt Edith Knaus, die seit fast neun Monaten regelmäßig am Sortiertisch steht. „Nach etwa vier Wochen bekommt man ein Gefühl dafür, was wieviel kostet.“

Bei Interesse kann man sich direkt im Laden melden oder beim DRK Kreisverband Dieburg, Jens Schwarz: Tel. 06071 9637 0, E-Mail: jens. schwarz@kv-dieburg.drk.de

Weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen sucht derzeit das DRK für den Babenhäuser Laden. „Ohne sie wäre der Anziehpunkt nicht denkbar. Sie kommen einmal die Woche an einem Vormittag oder Nachmittag zu uns, um uns beim Auspacken, Sortieren, Dekorieren, und Verkaufen der Kleidung zu unterstützen“, so Schwarz. Mit etwa fünf neuen Mitarbeiterinnen, die ihre Arbeitszeiten flexibel einteilen können, werde es möglich sein, die Öffnungszeiten zu erweitern, so hofft er. „Montags und mittwochs haben wir bisher geschlossen, das Ziel ist es, auch an diesen Tagen öffnen zu können.“ Zwei „Zeitspenderinnen“ sind pro 3,5-Stunden-Schicht im Laden.

Viele neue soziale Kontakte seien geknüpft, viele gute Gespräche geführt und vor allen Dingen sei viel gelacht und gern zusammengearbeitet worden, wirbt Schwarz für den Job. „Eine wertschätzende Tätigkeit, die Spaß macht und dem Allgemeinwohl dient.“ Als kleine Gegenleistung bekommen die freiwilligen Helferinnen Kurse beim DRK gratis. Übrigens: „Natürlich können auch Männer ehrenamtlich hier mitarbeiten“, sagt Schwarz. „Es wäre eine echte Überraschung, wenn sich welche melden würden.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare