Erinnerungen und Blick nach vorne

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70 Franzosen aus der elsässischen Partnerstadt Bouxwiller waren zum Altstadtfest gekommen, um mit den Babenhäusern das Verschwisterungs-Jubiläum zu feiern. Ihnen wurde ein festlicher Empfang bereitet.

Babenhausen - Sichtlich zufrieden, mit einem Glas Bier in der Hand, schaute Patrick Michel am frühen Samstagabend dem Treiben auf dem Marktplatz zu, wo der TV Babenhausen gerade die Sieger des Altstadtfestlaufs auszeichnete. Von Petra Grimm

Ein abwechslungsreicher Tag lag hinter dem 44-jährigen Bürgermeister von Imbsheim, einer 600 Einwohner zählenden Gemeinde bei Bouxwiller.

Die Zeit in Babenhausen habe ihm gut gefallen, sagte er in beinahe akzentfreiem Deutsch. Es war nicht sein erster Besuch.

Rund 70 Franzosen waren zum Altstadtfest gekommen, um mit den Babenhäusern die Verschwisterung der beiden Städte vor 25 Jahren zu feiern. Vom Blasorchester musikalisch auf dem Stadthallenparkplatz empfangen, ging die offizielle Begrüßung der Gäste, an der Spitze Bürgermeisterin Danielle Buchi, durch Bürgermeisterin Gabi Coutandin auf dem Marktplatz über die Bühne. Ute Wittenberger übersetzte.

In ihren Ansprachen erinnerten die beiden Bürgermeisterinnen an die Unterzeichnung der Verschwisterungsurkunden im Jahre 1984 durch die beiden Bürgermeister Dr. Ernest Luft aus Bouxwiller und Norbert Schäfer aus Babenhausen. Viele Kontakte und Begegnungen von Vereinen, Gruppen und Einzelpersonen hätten das Band seither verstärkt. Ebenso erinnerten beide an die eigentlich schon bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Verbindung der beiden Städte.

Die gemeinsame Geschichte fing 1458 an

Bereits im Jahr 1458 wurde das Band durch die Hochzeit des Grafen Philipp von Hanau-Babenhausen und der Elsässerin Anna von Lichtenberg geknüpft. „So fing die gemeinsame Geschichte an. Dazwischen lagen viele Kriege, Fanatismus und Nationalismus“, sagte Bürgermeisterin Buchi, die von ihrer Babenhäuser Amtskollegin ein Gemälde der Harreshäuser Künstlerin Ine Reichart erhielt. Auf diesem ist ein Motiv aus einer Wandmalerei des Sommersaals im Schloss abgebildet.

Danielle Buchi erwiderte das Geschenk mit dem Bouxwiller Stadtwappen aus rotem Vogesenstein gemeißelt und bedankte sich bei jenen Babenhäusern, die sich um die Verschwisterung besonders verdient gemacht hätten. Sie überreichte Willy Willand, den beiden ehemaligen Bürgermeistern Kurt Lambert und Reinhard Rupprecht, dem früheren Kulturamtsleiter Rolf Kreisel sowie Dr. Klaus Lötzsch und Georg Wittenberger vom Heimat- und Geschichtsverein ein Geschenk.

Zum weiteren Jubiläums-Programm gehörten ein ökumenischer Gottesdienst in der Stadtkirche, den die beiden Pfarrer Ferdinand Winter und Dr. Frank Fuchs durchgehend zweisprachig abhielten, eine Kirchenführung durch Dr. Klaus Lötzsch und ein Stadtrundgang.

Die offiziellen Repräsentanten aus Bouxwiller trafen sich zudem im Rathaus mit einigen Babenhäusern, um im Rahmen einer Ideenbörse Vorschläge zu sammeln, wie die Kontakte zwischen den Partnerstädten in Zukunft noch verbessert werden könnten.

Jugendaustausch soll weiter gefördert werden

Dazu wurden die Arbeitsgruppen Jugend, Verwaltung/Kommunales und Kultur gebildet. Um das gegenseitige Kennenlernen der Jugendlichen voranzubringen, bieten sich der Austausch von Schülern oder auch mehrtägige von der Stadt organisierte Jugendfreizeiten an. „Wir haben bei diesem Thema auch das Problem der Finanzierung gegenseitiger Besuche besprochen“, sagte Michael Spiehl von der städtischen Jugendförderung. „Da die Verwaltung in Frankreich völlig anders strukturiert ist, wäre es sinnvoll, dass wir uns untereinander darüber informieren, wie es beim anderen läuft, wie Politik funktioniert. Beispielsweise sind die Bürgermeister dort 100 Prozent ehrenamtlich“, sagte Sylvia Kloetzel von der städtischen Wirtschaftsförderung.

Auch über einen gemeinsamen Betriebsausflug der beiden Stadtverwaltungen habe man nachgedacht. Im Bereich des kulturellen Austauschs hat der Babenhäuser Heimat- und Geschichtsverein – eigentlich auch der inoffizielle Partnerschaftsverein – über die Jahre schon viel geleistet. Auch hier wollen beide Partnerstädte den Austausch verbessern. „So ist beispielsweise über gegenseitige Gottesdienstbesuche, den Austausch von Chören und Vereinen gesprochen worden“, sagte Georg Wittenberger.

Damit dieses aber nicht im Sande verlaufe, sei es besser die Vorsitzenden nehmen direkt zu einander Kontakt auf. „Da müssen auf beiden Seiten einfach mal Adressen gesammelt und dann ausgetauscht werden“, so Wittenberger.

Am Samstagabend kletterten die Bouxwiller nach einem ereignisreichen Tag in ihrer Partnerstadt dann wieder in den Bus, an dem sie von vielen mit Taschentüchern winkenden Babenhäusern verabschiedet wurden – à bientôt!

Quelle: op-online.de

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