112 Einsätze im vergangenen Jahr

Ernste Lage: Notstand bei der Feuerwehr

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Die beförderten Feuerwehrleute mit Wehrführer Florian Sawallich (rechts) und Bürgermeister Joachim Knoke (hinten).

Babenhausen - Es war ein Weckruf und Hilfeschrei, den Wehrführer Florian Sawallich bei der Jahreshauptversammlung der Babenhäuser Feuerwehr am Freitagabend Richtung Kommunalpolitik absetzte. Denn die Lage ist ernst. Von Petra Grimm

Die 61 aktiven Feuerwehrleute der Kernstadt hatten letztes Jahr 112 Einsätze zu bewältigen, elf mehr als im Jahr davor. In Zeitdauer umgerechnet, wird die Dramatik noch deutlicher. „Insgesamt wurden 3895 Einsatzstunden geleistet. Das ist mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr“, sagte Sawallich, der 2016 nur vier Aktive mehr in seinen Reihen hatte als in 2015. Die Belastung für den Einzelnen ist also deutlich gestiegen. Da neben den Einsätzen mehr geleistet wird, Brandsicherheits- und Absperrdienste, Übungen, Schulungen und Küchendienste, waren es insgesamt sogar 7197 ehrenamtliche Stunden, 870 mehr als im Jahr davor.

Kein neues Problem ist die Tagesalarmstärke, das heißt die Anzahl der Einsatzkräfte, die tagsüber ausrücken können, und die Entwicklung der Mitgliederzahlen. „Fakt ist schon jetzt, dass in den nächsten fünf Jahren 14 Kameraden 60 Jahre oder älter sind. Vier davon sind dann bereits 65 Jahre oder älter und scheiden aus dem Einsatzdienst aus. Wenn sie es denn bis zu 65. Lebensjahr schaffen, aktiven Feuerwehrdienst zu leisten. Bis heute hatten wir nur einen, der dies schaffte“, so der Wehrführer. Bei all diesen Zahlen seien noch nicht die berücksichtigt, die wegen eines Wohnortwechsels, Ausbildung und Studium oder durch Mehrbelastung im Arbeitsleben aufhören würden.

Mit Blick auf die Tagesalarmstärke malte er ein ebenso finsteres Bild: „Bei absolut optimalen Bedingungen stehen der Feuerwehr Babenhausen 24 Einsatzleute tagsüber für Einsätze zur Verfügung. Das trifft aber nur zu, wenn alle Schichtarbeiter, Schüler, Studenten oder Kameraden, die im Stadtgebiet arbeiten, zuhause sind oder ihren Arbeitsplatz verlassen können. Wie hoch diese Wahrscheinlichkeit ist, sei einmal dahin gestellt.“

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Dass die Feuerwehr selbst in der Vergangenheit in Sachen Mitgliederwerbung und Öffentlichkeitsarbeit untätig war, kann man ihr nicht vorwerfen. Auch das Team um Jugendwart Thomas Olstinski hat sich vielfältig bemüht, Nachwuchs zu rekrutieren; vergeblich. In der Jugendabteilung gehen die Mitgliederzahlen aktuell richtig in den Keller (Bericht folgt). Jährliche Schauübungen für die Bevölkerung, ein Tag der offenen Tür, Aktionsstände und Vorführungen bei Schul-, dem Sommernachts- oder Altstadtfest haben nicht zum gewünschten Erfolg geführt.

Als Denkanstoß präsentierte Sawallich einen Pressebericht über ein Maßnahmenpaket, mit dem die Stadt Gernsheim ehrenamtlich Aktive der FFW fördern und den Dienst attraktiver machen will. „Wir müssen gemeinsam Ideen finden. Es müssen Anreize geschaffen werden, dass sich Bürger für den Feuerwehrdienst in ihrer Stadt engagieren. Das Thema sollte in den nächsten Jahren Priorität bei der Verwaltung und Politik besitzen. Bei der Feuerwehr ist dies schon lange so“, sagte er.

Stadtverordnetenvorsteher Friedel Sahm zeigte sich betroffen: „Ich habe in der Vergangenheit einige Hauptversammlungen bei der Wehr besucht, aber die heutige berührt mich besonders. Auch der Bericht der Jugendfeuerwehr. Das sind alles Dinge, denen wir nicht tatenlos zusehen können“, sagte er und betonte, dass es in diesem Fall aber nicht nur um Geld gehe, sondern auch um Sicherheit. Trotz schwieriger Haushaltslage solle nichts verschoben oder behindert werden. Er werde gemeinsam mit den Fraktionsvorsitzenden über Lösungsvorschläge sprechen.

Bürgermeister Joachim Knoke lobte „die hohe Qualität und das Engagement“ der Wehr trotz des Personalproblems und beförderte gemeinsam mit dem Wehrführer eine Gruppe Aktiver. Auch hier gab es einen Wermutstropfen, denn zum ersten Mal seit Jahren wechselte in der Kernstadt keiner von der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung. „Wie es im Moment aussieht, wird das auch in den nächsten zwei Jahren so sein“, prognostizierte der Wehrführer.

Zum Hauptlöschmeister wurde der stellvertretende Wehrführer Maximilian Willand befördert, zur Oberlöschmeisterin Pia Flechsenhar, zum Oberlöschmeister Daniel Buhl, zu Löschmeistern Kevin Altwasser und Sören Grundmann und zum Hauptfeuerwehrmann Kevin Wörner. Naima Kresz ist jetzt Feuerwehrfrau und Lukas Schimpf, Emil Schimpf und Dennis Held Feuerwehrmänner. Helmut Geißler wurde offiziell in die Ehren- und Altersabteilung übernommen. Zum umfangreichen Programm der Jahreshauptversammlung gehörten außerdem Neuwahlen und Ehrungen.

Quelle: op-online.de

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