Eröffnung in mehreren Etappen

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Die neue Psychiatrie in Groß-Umstadt sieht noch sehr nach Baustelle aus. Im August soll sie eröffnet werden.

Darmstadt-Dieburg/Groß-Umstadt - Reichlich nach Baustelle sieht das neue Zentrum für seelische Gesundheit in Groß-Umstadt noch aus. Von Ulrike Bernauer

Die Fassade wird gerade hergestellt, grüne Glasplatten bilden die Außenhaut des neuen Gebäudes, und im künftigen Eingangsbereich arbeitet ein Bagger. Die Vorarbeiten für die Außenanlagen werden in Angriff genommen. Drinnen ist das Bild nicht anders, überall Handwerker, Türen sind übereinander gestapelt, schon fertig gestellte Fußböden abgedeckt.

Am 1. August: Einräumen des Gebäudes und Einarbeitung 

 Mitarbeiter Dennoch ist Betriebsleiter Christian Keller zuversichtlich, dass die Bauarbeiter am 1. August das Gebäude verlassen haben werden. „Eine Woche vor Eröffnung des Herzkatheterzentrums sah es dort noch genauso aus und wir haben noch vier Wochen Zeit“, erklärt Keller und lacht: „Ich kann auf jeden Fall wieder gut schlafen.“

Ehrgeizig sei der Zeitplan gestrickt gewesen, aber man werde das selbst gesteckte Ziel schaffen und am 1. August mit dem Einräumen des Gebäudes und der Einarbeitung der Mitarbeiter beginnen. Die ersten Patienten sollen etwa zwei bis drei Wochen später folgen, mit der Belegung von einer Station mit 23 Patienten wird man beginnen. Die zweite Station soll voraussichtlich im September eröffnet werden, ab Oktober wird das Haus dann für 69 Patienten bereit sein.

Nach und nach Klinken eröffnet

„Es ist durchaus üblich, eine neue psychiatrische Klinik nach und nach zu eröffnen“, sagt die leitende Pflegekraft Psychiatrie, Gernot Walter, „schließlich sind alle Mitarbeiter neu und es müssen, vor allem im Sinne der künftigen Patienten, Teams gebildet werden.“ In Hanau, wo Walter vorher elf Jahre arbeitete, wurden die Stationen innerhalb eines halben Jahres nach und nach eröffnet.

Der größte Teil der rund 100 Mitarbeiter ist bereits eingestellt, das betrifft sowohl das ärztliche Team, als auch das Pflegepersonal. Letzteres kommt hauptsächlich aus der Region. „Dabei sind Pflegekräfte, die sich von einer Arbeit in der Psychiatrie wieder mehr Zeit für die Patienten versprechen“, sagt Walter, der schon seit 15. Mai für das Groß-Umstädter Zentrum für seelische Gesundheit arbeitet und bei einem Großteil der Einstellungsgespräche mit dabei war.

Ärztlicher Leiter ist Privatdozent Dr. Thomas Wobrock, ihm werden bis Ende des Jahres vier Oberärzte und acht Assistenz- und Fachärzte zur Seite stehen, die ebenfalls schon alle unter Vertrag stehen. Therapeuten, Psychologen, aber auch Servicekräfte in der Verwaltung vervollständigen das Personal. „Auch wenn wir bereits gut ausgestattet sind, über die Bewerbung von ein, zwei Assistenzärzten würden wir uns freuen“, sagt Keller, „und die eine oder andere Pflegekraft könnten wir bis Oktober auch noch brauchen.“

Eine psychiatrische Vollversorgung wird die neue Psychiatrie in Groß-Umstadt bieten. Das bedeutet, Menschen mit sämtlichen psychischen Erkrankungen, die einer stationären Behandlung bedürfen, werden aufgenommen.

Manches Patientenzimmer ist schon fast fertig gestellt

Einzige Ausnahme, Menschen, die im Zusammenhang mit ihrer Krankheit Straftaten begangen haben, bleiben außen vor. „Wir gewährleisten die wohnortnahe Versorgung eines Großteils des Landkreises“, erklärt Keller, wobei der Betriebsleiter darauf hinweist, dass die Zuständigkeit hauptsächlich für Menschen aus dem Ostkreis besteht. Für die Bewohner des Westkreises sind auch künftig das Elisabethenstift oder die Psychiatrie in Heppenheim die zuständigen Standorte.

In Umstadt wird mit dem ganzen Spektrum an Behandlungsmethoden gearbeitet. Dazu gehört die Behandlung mit Medikamenten, andere biologische Verfahren, wie die Magnetstimulation, die Lichttherapie, aber auch sämtliche Formen der Psychotherapie oder der Verhaltenstherapie. Im neuen Haus wird es Schwerpunktstationen gegeben, das heißt, die Stationen werden mit Patienten mit ähnlicher Störung, beispielsweise Depressionen, Suchterkrankungen oder Menschen mit altersbedingten Störungen, wie Demenz, belegt. Falls die 69 Betten für die Versorgung der Bevölkerung nicht ausreichen, ist von der Architektur her vorgesorgt.

 „Da die psychischen Erkrankungen genauso wie kardiologische stark zunehmen, könnten wir das Gebäude aufstocken. Die Statik ist darauf ausgelegt, dass noch Stationen zugebaut werden können“, erklärt Keller. Letztendlich beschließen müsste das aber das Land Hessen, das für die psychiatrische Versorgung der Bevölkerung zuständig ist.

Angestrebte Baukosten von 13,8 Millionen

Im Neubau wird unterdessen kräftig gearbeitet. Manches Patientenzimmer ist schon fast fertig gestellt, selbst der Schrank ist schon eingebaut. Auf die hochwertige Ausstattung verweist Keller, man habe auch auf ökologische Bauweise Wert gelegt, die Fußböden seien beispielsweise PVC-frei. Was ins Auge fällt, das ist die Helligkeit in den Räumen des 4 500-Quadratmeter-Baus. Und von dem Blick auf Umstadt, den etliche Zimmer erlauben, kann man nur träumen.

Positiv auch, die avisierten Baukosten von 13,8 Millionen Euro werden nach Kellers Einschätzung nicht überschritten. „Wir haben natürlich noch nicht schlussgerechnet“, sagt Keller, „aber soweit wir das überblicken, haben wir keine deutliche Kostenabweichung nach oben.“

Quelle: op-online.de

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