Erst Südumgehung, dann Pferde?

Babenhausen (st) - CDU und SPD begrüßen die geplante Ansiedlung von Wildpferden im FFH-Gebiet (Flora-Fauna-Habitat) südöstlich von Babenhausen. Während für die Union aber der Bau der Südumgehung Vorrang hat, sieht die SPD die Straße durch die Ansiedlung der Przewalskis nicht gefährdet.

Bei einer Sitzung des Ausschusses für Bau, Umwelt und Verkehr hatte Dr. Christoph Göbel vom Bundesforst, einer Sparte der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), den Fortbestand des rund 50 Hektar umfassenden Geländes mit seinem Pflanzen- und Kleintierbestand als einen Gewinn für Babenhausen in den Mittelpunkt gestellt. Zugleich verwies er auf die Bedeutung des geplanten Auswilderungsprojektes von sechs Przewalski-Pferden, einer vom Aussterben bedrohten Wildpferde-Art. Mit deren Ansiedlung solle der vorhandene Lebensraum des Sand- und Magerrasens für die nächsten drei Jahrzehnte erhalten werden, denn so lange solle das Projekt andauern. Die Kosten sollen vom Bundesforst getragen werden, die Finanzierung mit der Generierung und dem Verkauf von Ökopunkten erfolgen.

Zweifellos ergäbe sich für die Stadt ein zusätzlicher Freizeit- und Erlebniswert, ist sich CDU-Fraktionschef Friedel Sahm sicher. Abgesehen aber von den Kosten, die auf die Stadt zukämen, wie etwa ein Weg um das umzäunte Gelände zu erstellen oder ein Informationsgebäude für Besucher, das sich der Bundesforst erhofft: Gravierender sei, dass die gewünschte Südumgehung möglicherweise mit den Interessen des Projekts kollidiere. Göbel habe bestätigt, dass es noch keine Verhandlungen und Zusagen des ASV (Amt für Straßenverkehrswesen) gebe. Die Südumgehung müsse in der Tat besondere Anforderungen erfüllen, um das Ansiedlungs-Projekt umsetzen zu können.

„Hier muss jetzt mit Bedacht weitergeplant werden. Die Forderung der Bürgermeisterin nach einer schnellen Zustimmung zum Pferdeprojekt sieht zunächst mehr nach blindem Aktionismus aus. Zuerst muss der Bau der Südumgehung von allen Seiten gesichert sein, dann kann das Ansiedlungsprojekt in Angriff genommen werden“, warnt Sahm vor Schnellschüssen. Eile sei ohnehin nicht geboten. „Für den Bundesforst hat der Standort Babenhausen als Wildpferdegehege Priorität. Dort würde man auch noch drei Jahre warten, bis die Ansiedlung umgesetzt wird.“ Dies habe der Sprecher des Bundesforstes deutlich gemacht. Die Südumgehung müsse Vorrang haben.

Die SPD widerspricht: Bedenken wegen nachteiliger Auswirkungen, die der Bau der gewünschten Südumgehung auf die Pferde haben könnte, habe Göbel in der Ausschuss-Sitzung nicht geäußert. Die Straße werde die Wildpferde nicht stören, sei seine Aussage gewesen. Wie bei jedem Straßenbauprojekt müsse das ASV dem Naturschutz Rechnung tragen, unabhängig davon, ob in diesem Natura-2000-Gebiet nun Przewalski-Pferde angesiedelt sind oder nicht. Somit seien durch das Pferdeprojekt keine nachteiligen Auswirkungen auf den Bau der Südumgehung zu erwarten. Eine Aufschiebung der Entscheidung zugunsten des Projektes sei daher nicht notwendig. Vielmehr sei es geboten, die Chancen und Vorteile, die sich auf daraus ergeben, jetzt für die Stadt zu nutzen, da sich solche Gelegenheiten nur einmal böten.

Quelle: op-online.de

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