Gemeinsame Ortsbeiratssitzung

Hallenschließungen: Erster Lichtblick für Vereine

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Rund 150 Bürger waren am Donnerstagabend in die Aula der Bachwiesenschule gekommen, um der gemeinsamen Ortsbeiratssitzung für Hergershausen und Sickenhofen beizuwohnen.

Hergershausen - Wie geht es mit den beiden wegen Brandschutzmängeln geschlossenen Mehrzweckhallen – dem Bürgerhaus in Hergershausen und der Friedel-Wiesinger-Halle in Sickenhofen – weiter? Von Petra Grimm

Antworten darauf erhofften sich rund 150 Bürger bei der gemeinsamen Ortsbeiratssitzung für Hergershausen und Sickenhofen. Das Thema treibt die Hergershäuser und Sickenhöfer um, seit die Stadtverordnetenversammlung einem Antrag der Freien Wähler mehrheitlich gefolgt war und die beiden Hallen nach einem Magistratsbeschluss am 22. Februar ohne Vorankündigung geschlossen wurden. Dass dadurch das kulturelle Leben der Bürger und die Existenzgrundlage der Vereine in den beiden Dörfern bedroht ist, hatten verschiedene Vereinsvorsitzende bereits durch Offene Briefe deutlich gemacht.

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Die Nerven liegen bei einigen Stadtteilbewohnern blank. Trotzdem gelang am Donnerstagabend in der Aula der Bachwiesenschule ein zweistündiger, sachlicher Austausch von Informationen und Meinungen. Dazu trug auch ein Appell des Hergershäuser Ortsvorstehers Horst Grimm (CDU) bei, der die Sitzung leitete und gleich zu Beginn darum bat, „die Emotionen zu zügeln, nach vorne zu blicken und gemeinsam schnelle Lösungen zu finden.“

Daran ist auch Bürgermeister Joachim Knoke (SPD) gelegen. Er erläuterte die Möglichkeiten, die Hallen in absehbarer Zeit zumindest für kleinere Nutzergruppen bis 50 Personen wieder zu öffnen. Das wäre wenigstens für den Sportunterricht der Grundschule und für Gruppen der betroffenen Turnvereine in beiden Stadtteilen ein Lichtblick. Eine große Lösung, also eine Wiederöffnung für Großveranstaltungen mit mehreren hundert Gästen, liegt jedoch in weiter Ferne. Das machte Knoke unmissverständlich deutlich. Um die beiden Hallen dafür zu ertüchtigen, müsste richtig viel Geld in die Hand genommen werden.

Ein Knackpunkt sei die Versammlungsstättenverordnung mit ihren strengen Brandschutzbestimmungen, die ab 200 Personen in der Halle greift. „Aus dem engen Korsett dieser Verordnung müssen wir rauskommen“, so Knoke. Denn nach der Begehung mit dem Kreisbrandinspektor sei klar, dass an eine Freigabe für mehr als 199 Personen nicht zu denken sei. Mit ersten Maßnahmen sei eine Öffnung für kleinere Gruppen aber vorstellbar. Voraussetzung dafür ist, dass das Stadtparlament am 23. März den Weg dafür frei mache. Knoke werde den Magistrat bitten, einen Vorratsbeschluss zu formulieren. Wenn die Stadtverordneten dafür mehrheitlich grünes Licht geben, könnten die Hallen am 24. März in dem beschlossenen Umfang wieder frei gegeben werden. „Sobald die Beschlusslage da ist, wird der Magistrat den Spiel- und Sportbetrieb für 50 ortskundige Personen wieder erlauben. Erst wenn wir die Hallen dafür frei haben, können wir in einem nächsten Schritt in Richtung der 199 Personen gehen“, so Knoke.

Auf dem Podium saßen unter anderem die beiden Ortsvorsteher Friedel Sahm (mit Mikrofon) und Horst Grimm.

Die zeitnahen ersten Maßnahmen zur Ertüchtigung der beiden Hallen, für die die beiden Ortsvorsteher Horst Grimm und Friedel Sahm (CDU) bereits die Einstellung von 80.000 Euro in den Haushalt beantragt haben, könnten aber nur ein Provisorium sein, sagte Knoke. Beim weiteren Vorgehen müsste wegen der umfangreichen Sanierung, die vor allem die Elektrik, den Bereich Wasser und Abwasser und die Heizungen betreffen, abgewogen werden, ob ein Neubau oder die Sanierung der vorhandenen Hallen sinnvoller sei. Dem widersprach Horst Grimm: „Wir als Ortsbeiräte wollen eigentlich keine neuen Hallen, die Hergershäuser und Sickenhöfer wollen ihre Hallen, wo sie sind. Über die Jahre sind Sportgelände und anderes um die Halle herum gewachsen. Wir haben lange dafür gekämpft eine Schule direkt neben der Halle zu bekommen. Jetzt werden wir die Halle nicht wieder von der Schule wegbringen.“

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Kritik hagelte es sowohl vom Podium als auch aus dem Saal heraus wegen der schlechten Informationspolitik der Stadt. „Die Bürger müssen beim weiteren Vorgehen einbezogen werden“, forderte unter anderen die Sickenhöfer Ortsbeirätin Tina Klug. Die „unverzügliche Schließung“ traf die Vereine völlig unvorbereitet. Beispielsweise den SV Kickers Hergershausen, der seinen bereits vorbereiteten und vorfinanzierten Kindermaskenball von jetzt auf gleich abblasen musste.

Ein existenzielles Problem der Vereine sprach das Sickenhöfer Ortsbeiratsmitglied Bettina Mathes (Grüne) an: „Für die meisten Vereine, die zu ihrer Finanzierung auf Großveranstaltungen in den Hallen angewiesen sind, sind 200 Gäste einfach zu wenig. Das ist dann ein Minusgeschäft. Ihnen wird die wirtschaftliche Grundlage genommen.“ Der mitgliedestarke Hergershäuser Gesangverein Liederkranz ist nicht nur durch den Ausfall von Großveranstaltungen bedroht. Denn seine Singstunden finden im kleinen Saal über der Gastwirtschaft statt. Und die Rettungswege aus diesem Raum führen nach unten, also im Falle eines Brandes im Erdgeschoss durch den Rauch. Da konnte Knoke den Sängern keine großen Hoffnungen machen. Bevor keine sicheren Fluchtwege aus diesem Raum führen, dürfe er nicht genutzt werden.

Viele Bürger hatten sich im Vorfeld einige Gedanken gemacht, ein Hergershäuser sogar das komplette Gutachten gelesen, um auf Widersprüche in der Debatte hinzuweisen und um weitere Vorschläge zu machen. „Wir brauchen keinen Prunkbau und keine Superhalle, sondern einfach nur eine funktionstüchtige“, sagte ein Sickenhöfer Feuerwehrmann und sprach damit wohl vielen aus der Seele.

Quelle: op-online.de

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