Erster Schritt für langen Weg

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Gestern morgen wurde der „Türkische Frauentreff“ im Sophie-Kehl-Heim eröffnete. Die neue Dozentin, Leyla Özkan (Mitte), will dabei Frauen eine Plattform zum Austausch geben.

Babenhausen ‐ Die Resonanz hätte etwas größer ausfallen können: Als gestern Morgen Vertreter der Stadt und des Integrationsbüros des Landkreises Darmstadt-Dieburg den „Türkischen Frauentreff“ im Sophie-Kehl-Heim eröffneten, war lange Zeit nur eine Migrantin zugegen, die mit ihrer Anwesenheit Interesse an diesem Projekt bekundete. Von Michael Just

Dann folgten doch noch zwei weitere türkische Frauen. Die überschaubare Runde trügte aber nicht die äußerst positive Laune, die sehr viel Aufbruchsstimmung und Erwartung vermittelte: Künftig können türkische Frauen aus Babenhausen und Umgebung montags von 9.30 bis 11.30 Uhr Informationen rund um die Themengebiete Erziehung, Kindergarten, Schule, Gesundheit etc. erhalten.

Austausch ist unverbindlich und kostenfrei

Der Austausch unter der Leitung einer türkisch sprechenden Dozentin ist unverbindlich und kostenfrei. Der Treff ist bereits der zweite Versuch des Integrationsbüros des Landkreises, ein solches Angebot in der Gersprenzstadt zu etablieren. Der erste vor rund zwei Jahren scheiterte daran, dass die damalige Dozentin trotz eines regelmäßigen Stamms von rund zehn Frauen absprang. Mit der neuen Dozentin, Leyla Özkan, hoffen die Verantwortlichen etwas mehr Glück zu haben. Sie erfüllt die Voraussetzungen eines deutsch-türkischen Hintergrunds und weckte am Montag große Hoffnungen. Wie sie sagte, will sie Orientierungshilfe und Ratgeberin sein, dazu könne man Probleme auf sie übertragen. Özkan wuchs in Langstadt auf und studierte dann in der Türkei Lehrerin für Deutschunterricht.

Mit der Stadt Babenhausen hat das Integrationsbüro den erhofft engagierten Partner für das Projekt gefunden, auch deshalb, weil Bürgermeisterin Gabi Coutandin ohnehin anstrebt, im Erloch zukünftig einiges zu bewegen. So stellt die Stadt den Raum im Sophie-Kehl-Heim zur Verfügung, dazu betreuen mit Alf Grimm, Fachbereichsleiter für Sport/Familie/Soziales sowie Jugendpfleger Michael Spiehl gleich zwei Helfer das Projekt. Sie haben den Raum mit einer Spielecke für Kinder sowie einem Schreibtisch eingerichtet, die Dozentin wird vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bezahlt.

Zurückhaltung wegen mangelnder Sprachkenntnis

Wie Henny Jünger vom Integrationsbüro sagt, sehe man die Initiative als eine Art Pilotprojekt. „Wir haben uns bewusst Babenhausen rausgepickt, da es am Rande des Ostkreises oft als unterversorgt gilt.“ Dass die Resonanz am Montag sehr mager ausfiel, überraschte sie dann doch etwas. So habe sie eigentlich schon zehn bis 20 türkischstämmige Frauen erwartet. Laut Jünger trüge aber oft die Hoffnung, dass diese zu einem solchen Angebot stürmen. „Man glaubt, die Frauen würden die Notwendigkeit für ein solches Projekt erkennen. Bis dahin ist es aber oft ein langer Weg.“ So sei es alles andere als leicht, die Zielgruppe aus der vertrauten Umgebung von Heim und Kindern einmal wegzubekommen. Die neue Dozentin sieht die Zurückhaltung auch in der mangelnden Sprachkenntnis. So erlebe sie einen immerwährenden Konflikt bei vielen Migranten, ob deutsch oder türkisch als übergeordnete Sprache gelten soll. „Hier dränge ich immer ganz klar darauf, deutsch zu lernen“, sagt Leyla Özkan. Da mag die Ankündigung von Jünger hilfreich sein, dass künftig mehr Deutschkurse von Dieburg nach Babenhausen wandern sollen.

Quelle: op-online.de

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