Erwünscht ist ein besseres Image

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Babenhäuser Unternehmer monierten den Mangel an neuen Gewerbegebieten. „Hinter der Altdörfer Kirche“ gibt es aber Abhilfe: Noch dieses Jahr sollen die ersten Parzellen verkauft werden.

Babenhausen - „Wir waren schon in größeren Städten mit deutlich weniger Zuhörern. Die Resonanz ist ein Indikator, dass hier großes Interesse an der Sache besteht“, sagt Ute Kerber, Geschäftsführerin der Mainzer LQM Marktforschung, während sie auf den gut gefüllten Sitzungssaal des Rathauses blickt. Von Michael Just

Am Dienstagabend stellte sie dort für alle Interessierten die Ergebnisse einer Umfrage vor, die die Wirtschaftsförderung der Stadt Babenhausen vor geraumer Zeit in Auftrag gegeben hatte. In der galt es herauszufinden, inwieweit die lokalen Gewerbetreibenden mit dem Standort zufrieden sind.

„Man hat ein Bauchgefühl, dazu hört man viele Meinungen. Sind das nun Einzelansichten oder sind sie repräsentativ?“, fragte Bürgermeisterin Gabi Coutandin hinsichtlich der Notwendigkeit einer solchen Studie, die laut der Verwaltungschefin nur kleines Geld kostete, aber wichtige Ergebnisse für die Zukunft gebracht habe. Übergeordnetes Ziel sei es gewesen, Näheres über die Unternehmen und deren Bedürfnisse zu erfahren, um damit die Leistungen der Stadt zu verbessern. Dadurch sichere man bestehende Einkommen und schaffe neue Erwerbsmöglichkeiten.

Erhebung in 53 Betrieben

Die Erhebung mit den Führungskräften fand telefonisch von Mitte August bis Ende September bei 53 Betrieben statt. Insgesamt wurden 31 Fragen gestellt. Die Ergebnisse des sogenannten Gewerbemonitorings präsentierten sich als höchst unterschiedlich.

So wurde die Verkehrsanbindung, die Nähe zu den Kunden, der Gewerbesteuerhebesatz oder die Lebensqualität in Babenhausen als unbefriedigend moniert. Auffallend: Trotz eines als schön angesehenen Stadtbildes betrachtet man den Freizeitwert als niedrig. Für die Stadt wünschen sich die Wirtschaftsakteure ein besseres Image.

Einen Mittelwert erreichten die Frage nach dem Angebot an qualifizierten Arbeitskräften sowie die Immobilienpreise. Die deutlichste Kritik gab es für den Mangel an neuen Gewerbegebieten und damit die Erweiterungsmöglichkeit für bestehende Betriebe. Dieser Umstand führte auch bei einer Reihe weiterer Punkte zu einer negativen Beurteilung.

Laut Bürgermeisterin Gabi Coutandin werde der Ruf nach neuen Gewerbeflächen bereits umgesetzt. So stehe der Verkauf der ersten Areale im Gebiet „Hinter der Altdörfer Kirche“ noch in diesem Jahr an. Dazu treibe man die Ausweisung eines neuen Gebietes mit 45 000 Quadratmetern an der Aschaffenburger Straße voran. Die Errichtung neuer Gewerbegebiete bezeichnete Coutandin als nicht einfach: So gebe es zwar eine ganze Reihe brachliegender Flächen, deren Nutzung erweise sich aber als problematisch, da sie sich in privaten Händen befinden. Eine Reihe von Erbengemeinschaften erschwere hier eine Entwicklung. „Als Konsequenz müssen wir selbst Flächen schaffen und anbieten“, bilanzierte die Bürgermeisterin, die heraushob, dass diese mittlerweile in jeder Größe gebraucht werden. So mehrten sich die Anfragen nach sehr großen Quadratmeterzahlen.

Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, Kompetenz

Ein großes Plus gab es bei der Umfrage für die Stadtverwaltung und deren Ämter in punkto Erreichbarkeit, Öffnungszeiten, Kompetenz der Ansprechpartner sowie die neue Außendarstellung der Stadt. Hier zeigte sich die lokale Wirtschaft als äußerst zufrieden. Ein Mittelwert resultierte bei der Beurteilung der Wirtschaftsförderung. „Sylvia Kloetzel und ihr Engagement sind zwar bekannt, trotzdem wird ihr Name nicht immer mit der Wirtschaftsförderung in Verbindung gebracht“, informierte Kerber. Das würde auch daran liegen, dass sie neben der Wirtschaftsförderung mit den Bereichen Tourismus, Stadtmarketing, Kunst und Kultur noch für viele weitere Aufgaben zuständig ist.

Dass die Wirtschaftsförderung nur ein Mittelwert erhielt, sieht Kerber nicht zuletzt als Versäumnis der Wirtschaftstreibenden selbst: So werde von dieser Seite eine mangelnde Kommunikation angeprangert, im Gegenzug aber würden Angebote der Wirtschaftsförderung nicht wahrgenommen. Man erhebe zwar Forderungen, lasse es aber vermissen, sich selbst einzubringen. Nur allzu oft betrachte man die Stadt fälschlicherweise als eine Art Dienstleister. „Für den Erfolg ist gleichermaßen eine Hol- und Bringschuld notwendig“, machte die Marktforscherin klar.

Das Gesamtfazit für Babenhausen lässt sich aber trotzdem in einem positiven Bereich einordnen: So sehen die Gewerbetreibenden zwar einige Schwachpunkte, trotzdem haben sie sich gut in der Stadt positioniert und geben ein klares Standortbekenntnis ab. 65 Prozent fühlen sich mit Babenhausen als eng verbunden und halten einen Umzug oder Wechsel in eine andere Kommune für äußerst unwahrscheinlich.

Quelle: op-online.de

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