Wohngebiet Ost komplett geräumt

Evakuierung nach Bombenfund - Geschoss erfolgreich entschärft

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Der Fundort an der Ecke Finken-/Storchenweg im Wohngebiet Ost. Bei Kanalarbeiten waren Bauarbeiter gestern Vormittag auf die Weltkriegsbombe gestoßen. Um 11.24 Uhr wurde von der Rettungsleitstelle in Dieburg Alarm für die Feuerwehr Babenhausen und zahlreiche weitere Feuerwehr- und Rettungsdienstkräfte sowie die Polizei und Bereitschaftspolizei ausgelöst.

Babenhausen - Der Fund einer 50 Kilogramm schweren Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg im Wohngebiet Ost hat gestern zu einem Großeinsatz von Polizei- und Rettungskräften geführt. Im Umkreis von 500 Metern mussten Anwohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Von Norman Körtge 

Betroffen davon waren auch zwei Kindertagesstätten. Die Stadthalle wurde zum Notquartier. Es ist eine bunt gemischte Gemeinschaft, die sich gestern Nachmittag notgedrungen in der Stadthalle zusammenfindet. Da sind die zwei Studenten der Regelungstechnik an der TU Darmstadt, die für eine Klausur in der kommenden Woche lernen. Oder die beiden älteren Herren: Der eine berichtet davon, wie er und seine Familie als Kind in Frankfurt „ausgebombt“ wurden, der andere erzählt von einem Bombentrichter im Dudenhöfer Wald, in dem er als Kind gespielt hat. Und da sitzt der vierjährige Noah vor einem Teller mit Pommes und Ketchup und isst. Daneben steht seine Mutter Sarah. Der Schreck sitzt ihr noch in den Gliedern. Denn als der Anruf aus der Kita kam, hieß es, es sei Bombenalarm und sie befürchtete zunächst, es betreffe direkt die Betreuungseinrichtung. „Ich habe gezittert“, erzählt sie. Die größte Sorge des Sohnes gilt aber momentan seiner Katze „Mickey“.

Die Stadthalle wurde als Notquartier für die Evakuierten mit Tischen und Stühlen bestückt.

Die Stadthalle an der Bürgermeister-Rühl-Straße ist nach dem Bombenfund im Wohngebiet Ost zum Notquartier für etliche Bürger geworden, die aufgrund der Absperrung entweder gar nicht mehr zu ihren Wohnungen und Häusern im Nordosten von Babenhausen gekommen sind, oder ihre vier Wände nach dem Evakuierungsbefehl räumen mussten. 500 Meter rund um die Fundstelle der amerikanischen 50-Kilo-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der Ecke Finken-/Storchenweg müssen geräumt werden, bevor der Kampfmittelräumdienst den mit Kopf- und Bodenzünder versehenen Sprengkörper beginnen kann zu entschärfen. 2 450 Menschen sind in diesem Wohngebiet gemeldet, wie Kreisbrandinspektor Ralph Stühling berichtet, der sich mit der geordneten Evakuierung zufrieden zeigt.

Gegen 15.45 Uhr, knapp zwei Stunden nach Beginn der Evakuierung, sind in der Halle aber bislang nur zirka vier Dutzend Bürger anzutreffen. Es könnten um einiges mehr werden, mutmaßt Bürgermeister Joachim Knoke zu diesem Zeitpunkt, da viele auch noch auf der Arbeit sind.

Die merken spätestens an der abgeriegelten Zufahrt zum Wohngebiet Ost, der Jürgen-Schumann-Straße, dass sie erst einmal woanders unterkommen müssen. Mit Lautsprecherdurchsagen hatte die Polizei zuvor die Bewohner aufgefordert, das Gebiet zu verlassen, in der auch die Kitas Wichtelwald und Danziger Straße liegen. Mit Kleinbussen der Freiwilligen Feuerwehr und der städtischen Kinder- und Jugendförderung werden die Kinder aus der Evakuierungszone und in die Halle des Turnvereins gefahren, wo sie von ihre Eltern abgeholt werden.

Ab 14 Uhr gingen durch das Wohngebiet Polizisten und Feuerwehrleute von Tür zu Tür, um zu kontrollieren, ob die Gebäude wirklich geräumt waren. Indes hält ein Polizeioberkommissar am Kreisel der Seligenstädter Straße, von dem die gesperrte Jürgen-Schumann-Straße abzweigt, die Stellung und vor allem die Ruhe. Immer wieder beantwortet er die Frage nach dem Grund der Sperrung. Eine junge Frau will zur Wohnung ihrer Mutter, die auf jeden Fall zuhause sei, aber wahrscheinlich schlafe. Sie darf, sichert sich aber ab, ob sie für ihr an der Landstraße nach Zellhausen abgestelltes Auto auch keinen Strafzettel bekomme. „Dafür haben wir keine Zeit“, meint ein gerade anwesender städtischer Ordnungsamtsmitarbeiter und schmunzelt.

Eine Seniorin, die bereits an an der Absperrung steht, nachdem sie ihre Wohnung verlassen hat, kann es nicht fassen. „Heute besucht mich mein Neffe aus Treuchtlingen zum ersten Mal seit vier Jahren. Und jetzt kann ich ihn nicht erreichen. Ich warte hier bis er kommt“, sagt sie. Zum Glück gewähre eine Bekannte ihr und der anreisenden Verwandtschaft Unterschlupf.

Um kurz nach 17.30 Uhr hatte ein Polizeihubschrauber noch einmal kontrolliert, ob sich Personen in dem Gebiet aufhalten. Danach begannen die Experten mit der Entschärfung.

Weltkriegsbombe in Babenhausen gefunden: Fotos

Quelle: op-online.de

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