Ex-Junkie berichtet über sein Leben

Drogen-Exzess und Knast-Horror

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Gewährte den Joachim-Schumann-Schülern teilweise erschreckende Einblicke in das Leben eines Junkies: Dominik Forster.

Babenhausen - Stummes zuhören statt Gekicher – Dominik Forster erzählte in der Joachim-Schumann-Schule über die fatale Wirkung von Speed, Koks und Crystal Meth – und den Knast. Von Michael Just

„Drogen lassen dich glauben, dass du alles kannst. Als Rakete fangen sie megageil an, doch dann kommen die große Explosion und das Ende.“ Es waren Worte, die die Schüler der achten und neunten Klassen der Joachim-Schumann-Schule wohl so schnell nicht vergessen werden. Das oft übliche Getuschel und Gekicher bei Vorträgen blieb diesmal nahezu aus, stattdessen nachdenkliche Gesichter über einen Referenten, der mit einem solchen Lebenslauf selten vor jungen Menschen steht. Dominik Forster war Junkie, Dealer, Alkoholiker und Knacki. Mittlerweile ist er dem Teufelskreis aus Drogen und Gewalt entronnen und hat nach dem Absitzen seiner Haftstrafe eine erfolgreiche Karriere als Buchautor und Coach gestartet, die ihn auch schon ins Fernsehen führte.

Mit seiner Story wollte der 33-jährige Nürnberger den Babenhäuser Schülern präventiv verdeutlichen, dass Drogen unweigerlich in die Katastrophe führen. Aus erster Hand schilderte er sein Abgleiten als klassischer Außenseiter ohne Selbstbewusstsein, was durch seine geringe Größe und die Vernachlässigung durch die Eltern bedingt wurde. „Ab jetzt wirst du cool“, nahm er sich als 17-Jähriger vor und entdeckte – von seinem Umfeld als „Spast“ verspottet – die Drogen als Helfer für eine Metamorphose. „Alles ist plötzlich geil und du glaubst, dass du der Allergrößte bist. Dazu lässt sich über Tage ohne Schlaf auskommen“, beschrieb er die Wirkung von Speed, Koks, Heroin oder Crystal Meths. Doch die Sache blieb nur gut, wenn beim Konsum ständig nachgelegt wurde. Wehe wenn nicht: Dann setzten tiefe Ängste und eine folgenschwere Paranoia ein. „Ich sah Käfer auf meiner Haut und wollte die mit dem Messer wegschneiden. Viele Drogenabhängige verstümmeln sich im Wahn“, verdeutlichte der Nürnberger. Neben Gewalt – gegen sich selbst und andere – versagte zunehmend sein Körper. So zog sich Foster Schleimfäden aus dem Rachen, um nicht zu ersticken.

Den ungewöhnlichen Vortrag hatte die Schulsozialarbeit um Marcel Weber, Susanne John und Renate Mertens organisiert. „Wir haben bewusst nach einem solchen Gast gesucht und sind dabei auf Foster gestoßen. Mit seinen zwei Büchern ist er recht bekannt“, weiß John. Laut der Pädagogin verfügt die JSS über ein Präventionskonzept, das feste Angebote und sich wiederholende Informationen für die Jahrgänge bietet. Für Vorträge werden Personen mit direkter Verbindung zum Thema bevorzugt. Unterstützung erhält die Schulsozialarbeit von Präventionslehrkraft Heike Vogel. Auf die Nachfrage, ob Drogenprobleme an der JSS bekannt sind, wollte John nicht eingehen. Mögliche Gefahren sieht sie in Großstädten weitaus größer als an ländlich geprägten Schulen wie die JSS.

Leid und Tod durch Drogen: 187 000 sterben durch Sucht

Mit Foster hatten die Schulsozialarbeit einen Gast eingeladen, der die Organisatoren ein ums andere Mal schlucken ließ. In Jugendsprache und mit jeder Menge Fäkalausdrücken stellte er authentisch seine Vergangenheit dar und ließ keinen Zweifel, dass Drogen am Anfang „mega“ sind. Doch der Konsum sei kein ewig anhaltender, fantastischer Kreislauf, sondern komme relativ schnell an einem Punkt mit fatalem Ende an. „Ich wäre wohl mit 21 gestorben, wenn das Sondereinsatzkommando der Polizei nicht meine Wohnung gestürmt hätte. Der Körper hält das irgendwann nicht mehr aus“, machte Foster klar. Seine Zeit im Knast beschrieb er als Horror und untermalte diese mit schockierenden Vergewaltigungsszenen. ,,Alleine zu diesem Thema müssen wir einiges mit den Schülern nachbesprechen“, führte Marcel Weber über die verstörenden Einblicke des Ex-Häftlings an. Dessen Schilderungen über Zustände im Knast dürfte einigen Schüler alleine gereicht haben, sich von Drogen fernzuhalten.

Nicht weniger abschreckend waren die Erläuterungen über deren irreparable Folgen fürs Gehirn. „Trotz des Entzugs werden mich psychische Störungen bis an mein Lebensende verfolgen“, erklärte er. Seinem Auditorium riet er, die Erfüllung nicht in Crystal Meths und Co. zu suchen. Dieses Glück sei nicht echt. Stattdessen gab er drei andere Leitfäden mit auf den Weg: Dazu zählt ein Beruf, der Freude bereitet, eine erfüllende Liebesbeziehung sowie ein Hobby, dem sich, etwa im Sport, mit Leidenschaft nachgehen lässt.

Quelle: op-online.de

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