Auf dem Exert rollte erster Ball

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Die Meistermannschaft der Saison 1967/68 kam bei der akademischen Feier zu Ehren.

Babenhausen - Vor 100 Jahren war Fußball in unserem Land noch eher unbekannt und der aus England kommenden Sport hatte beinahe etwas Anrüchiges. Von Petra Grimm

Das hielt einige junge Babenhäuser, die schon eine Weile zusammen kickten, jedoch nicht davon ab, im Jahre 1912 einen Fußballverein zu gründen. Nach einigen Vorbesprechungen ging die Gründungsversammlung in der Gastwirtschaft der Familie Höflich, dem heutigen Hanauer Tor, über die Bühne. Der SV Germania war geboren.

Zum Start in sein Jubiläumsjahr lud der Babenhäuser Traditionsverein am Sonntag in die Stadthalle zur akademischen Feier ein. Dabei stand weniger die Geschichte des 340 Mitglieder zählenden Vereins im Mittelpunkt als vielmehr die Menschen, die ihn in der Vergangenheit geprägt haben und in der Gegenwart aktiv sind. Auf einen daten- und detailreichen Rückblick auf die vergangenen 100 Jahre habe man bewusst verzichtet, sagte der Vorsitzende Normann Pachl: „Wenn aber die gern gewählte Formulierung von einem Verein, der alle Höhen und Tiefen durchlaufen hat, für einen Verein zutrifft, dann ist es die Germania.“ Die noch vor Jahren vorhandene Skepsis sei einer Aufbruchstimmung gewichen und dokumentiere sich in einem festen ehrenamtlichen Helferkreis, sagte Pachl.

Das aktuell erstellte Gutachten über den Sportstättenbedarf habe mit der Ausweisung einer zentralen Sportanlage im Bereich der Schule auch für die „Germania“ Wege aufgezeigt, wie der Fußball- und Schulsport dauerhaft gesichert werden kann. „Es wäre für uns eine Jubiläumsgabe besonderer Art, wenn im Jahr des 100-jährigen Bestehens Weichen stellende Beschlüsse der städtischen Gremien für die Realisierung dieses Vorhabens gefasst würden“, appellierte der Vorsitzende an die politisch Verantwortlichen.

Hälfte der Vereinsmitglieder ist unter 26

Bereichert wurde das Programm, das Rolf Kreisel gekonnt moderierte, durch Lieder des Gesangvereins Eintracht Babenhausen und einen Tanz der TVB-Gruppe Akzeptanz.

Unter den zahlreichen Gratulanten waren die Bundestagsabgeordnete Patricia Lips und der Landtagsabgeordnete Manfred Pentz. Landrat Klaus Peter Schellhaas überreichte die Silberne Ehrenplakette des hessischen Ministerpräsidenten an den Vorsitzenden Normann Pachl und den Geschäftsführer Hans-Jürgen Hennigs, der zudem für seine besonderen Verdienste um den Verein mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet wurde (Bericht folgt in unserer morgigen Ausgabe).

Es sei keine Selbstverständlichkeit, dass ein „Ein-Sparten-Verein“, in dem „nur“ Fußball gespielt wird, sich nach 100 Jahren so aktiv und jung präsentieren könne, sagte der Landrat. Über 50 Prozent der Mitglieder seien unter 26 Jahren. Dabei sei nicht nur der Gesundheitsaspekt bedeutsam, sondern auch das ehrenamtliche Engagement für die Gesellschaft. Das Lernen von Spielregeln, sich in eine Mannschaft einzuordnen und im Team auf ein Ziel hinzuarbeiten, helfe den Kindern und Jugendlichen, sich zu entwickeln.

Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg blickte kurz auf die Geschichte des Vereins, der sein erstes Sportfeld auf dem Exert, dem Exerzierplatz hinter der Kaserne, hatte. Er überreichte als symbolisches Geschenk ein Glas mit Erde vom Exert, „wo alles anfing“, und Grassamen, „die aufgehen sollen“. Mit Blick in die Zukunft sagte er, dass die Arbeit am Sportentwicklungsplan der Stadt weitergehen muss. Bürgermeisterin Gabi Coutandin betonte, dass es beim Sport auf das Miteinander und nicht die soziale Herkunft oder Eloquenz ankomme. Im Team spielen können und verlässlich sein lasse sich aufs ganze Leben übertragen. Sie hob auch die Bedeutung der Sponsoren und des rührigen Fördervereins, an der Spitze Vorsitzender Kurt Lambert, hervor. Er wurde vom Verein für dieses Engagement im Verlauf der Feier auch geehrt.

Ehrengabe vom Landessportbund

Jubilare wurden von Normann Pachl und dem zweiten Vorsitzenden Ralf Macht für ihre langjährige Treue ausgezeichnet. Seit 25 Jahren ist Dirk Herz dabei, seit 40 Jahren Adolf Totter und Norbert Geißler, seit 50 Jahren Erwin Blickhan und Alfred Appel und seit 60 Jahren Helmut Schildbach. Auch die Meistermannschaft der Saison 1967/68 kam zu Ehren.

Der Germania-Vorsitzende Normann Pachl (ganz links) und sein Stellvertreter Ralf Macht (ganz rechts) ehrten Helmut Schildbach, Norbert Geißler, Dirk Herz und Adolf Totter (von links) für ihre langjährige Vereinstreue.

Heinz Zulauf, der Sportkreisvorsitzende und Kreisfußballwart, hatte beide Arme voll, als er zur Gratulation auf die Bühne ging. Er überreichte zum Jubiläum eine Urkunde und eine Ehrengabe vom Landessportbund, die Ehrenplakette des Hessischen Fußballverbandes, vom Sportkreis einen Scheck für die Jugendarbeit und einen Ball im Namen des Kreisfußballausschusses. Für die gute Jugendarbeit bei der „Germania“, bei der zwölf Jugendmannschaften spielen, dankte er dem Jugendleiter Klaus Ankenbrand.

Im Namen des Vereinsgremiums gratulierte Helmut Fendt. Und Rainer Strohfuß von der Michelsbräu überreichte nicht nur einen Ehrenteller der Brauerei, sondern versprach auch noch 100 Liter Bier, die der Verein bei den weiteren Feiern im Jubiläumsjahr sicher gut gebrauchen kann. So steht im Juni eine Sportwerbewoche auf dem Plan und im August richtet der Sportverein gleich an zwei Tagen das traditionelle Waldfest aus.

Quelle: op-online.de

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