Wo das Wollgras wächst

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Der Nabu machte sich auf seiner jüngsten Tour Richtung Kiefernheide auf.

Babenhausen - „Wir bewegen uns in einem spannenden Raum“, kündigt Dirk Alexander Diehl an und verweist auf die feuchten Gersprenzauen, an die sich kontrastreich auf beiden Seiten Trockengebiete mit Sanddünen anschließen. Von Michael Just

Die Umrandung mit Kiefernwäldern in diesen Gebieten sei ein besonderes Merkmal von Babenhausen. Jene Dünenketten Richtung Dudenhofen entstanden bereits in der Eiszeit durch Auswehungen. Als das Klima wieder günstiger wurde, wuchsen die Sandbereiche zu. Erst im Laufe des Mittelalters kamen die Ursprünge durch die intensive Nutzung der Wälder durch den Menschen wieder zum Vorschein. In der Folge wurden Kiefern angepflanzt, die auf den Dünen einen idealen Standort finden.

Heute ist das Gebiet so mager, dass andere Bäume hier Schwierigkeiten haben, sich auszubilden. Trotzdem verfügen die Sandauflagen an einigen Stellen aufgrund von Tonlinsen über feuchte Stellen. Sie sind als kleine Oasen eine wichtige Lebensader. Wer genau hinschaut, entdeckt sattgrüne Senken, in der Torfmoose oder das Wollgras, eine typische Gattung der Niedermoorpflanzen, wachsen.

Exkursion der Nabu-Ortsgruppe

Der Dost wird von Schmetterlingen geliebt. In der Küche schätzt man ihn als Oregano.

Das Fahrrad galt es bei der jüngsten Exkursion der Nabu-Ortsgruppe Langstadt und Babenhausen mitzubringen. Diehl hatte einen Ausflug vorbereitet, der in die Sandkiefernwälder vor den Toren der Stadt führte. Vom Treffpunkt am Geflügelzuchtverein wurde das Naturschutzgebiet am Dudenhöfer Kalksandsteinwerk sowie der Waldbereich am Molkenborn angesteuert. Rund 20 Interessierte nahmen an der Tour teil, zu der es, trotz des regelmäßigen Blätterdaches über den Köpfen, reichlich Sonnenschutz und Trinkwasser bedurfte.

Diehl hielt auf der Tour immer wieder an interessanten Plätzen und Pflanzen an. Dazu gehörte der Dost und damit ein Wiesengewächs, was trockene Böden liebt. Die Würzpflanze ist in der Küche als Oregano bekannt und lässt sich im heimischen Kräutergarten kultivieren. Insekten und vor allem Schmetterlinge sind begeistert von den Blüten, so dass die Ausflügler das Ochsenauge, den braunen Waldvogel, das Landkärtchen oder den Zitronenfalter zu sehen bekamen. Insgesamt zeigte sich die Beobachtung von Tieren als schwer, da diese bei der Hitze ihre Aktivitäten zurücknehmen und sich ebenfalls lieber im Schatten aufhalten als sich in der Sonne braten zu lassen. Der Blick auf einen Baumfalken blieb deshalb verborgen.

Rahmenbedingungen nach dem Abbau

„Das Kalksandsteinwerk ist nur vorhanden, weil es im Kalksandstein auch Sand gibt“, führte Diehl vor den Toren des Dudenhöfer Unternehmens an. Im Zuge des Abbaus entstand wie gewohnt ein See, in dem das seltene Pillenfarn, eine Teichbodenpflanze, gedeiht. Vom Ausguck konnte die Gruppe Zwergtaucher, Reiherenten sowie einen Graureiher ausmachen. Die Frage, wie der Naturschutz Kiesseen bewertet, konnte Diehl nicht in einem Satz beantworten. Wie er sagte, seien verschiedene Interessen betroffen: „Einerseits baggern wir in unserem Trinkwasser herum, andererseits liefern solche Seen Strukturen für die Natur.“ Laut dem Langstädter entstehen durch Baggerseen in der Tat Lebensräume, die einer natürlichen Flussauenlandschaft mit Steilwänden oder abgetrennten Flachwasserzonen sehr nahe kommen.

Entscheidend seien aber die festgelegten Rahmenbedingungen nach dem Abbau. Würden diese stimmen, böten sich durchaus Chancen für den Naturschutz. In diesem Zusammenhang kritisierte Diehl die oft praktizierte Handhabe im Landkreis Offenbach, wo es an Seen parallel Gelegenheit zum Baden aber auch Naturschutz – mit der Sperrung von Uferabschnitten – gibt. Dadurch entstehen für ihn zwangsweise Konflikte, wenn scheue Vögel vom Badebetrieb gestresst werden oder Menschen aus Neugier ins Schilf schwimmen. Für den Biologen ist es besser, eine klare Trennungen zwischen Naturschutz und Freizeitgestaltung vorzunehmen. Das würde sich in und um Babenhausen ohnehin als problemlos erweisen. „Kiesseen haben wir ja mehr als genug“, so Diehl.

Quelle: op-online.de

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