Fachkräfte werden knapp

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Im Pflegeheim Münster fand die Pflegekonferenz für die Gemeinden Eppertshausen, Münster, Messel, Dieburg, Groß-Zimmern und Roßdorf statt.

Münster (bea) ‐ Für einige Diskussionen unter den Besuchern der Pflegekonferenz, die im Pflegeheim Münster stattfand und die Seniorenvertreter Günther Christ leitete, sorgte Dieter Stuckert von der Altenpflegeschule in Groß-Umstadt: So ist der dreijährige Kurs zum Altenpfleger in diesem Jahr mit 25 Schülern voll belegt - dennoch sah er die Gefahr des Pflegenotstands.

Zum einen bildeten viele Einrichtungen nicht aus (die Altenpflegeausbildung besteht aus einem schulischen und einem praktischen Teil, der in einem Pflegeheim geleistet werden muss), zum zweiten brächten die teilweise miserablen Arbeitsbedingungen in den Pflegeheimen, die Mitarbeiter dazu, ihren Beruf bald wieder aufzugeben. „Das Burnout-Syndrom ist hoch und mit den Mitarbeitern wird oft nicht pfleglich umgegangen“, so Stuckert. Oft werde auf Probleme der Pflegekräfte nicht angemessen reagiert und der Druck sei hoch. Sätze, wie: Wenn du das nicht schaffst, dann bist du falsch im Beruf, seien kontraproduktiv.

Zahl der Ausbildungsplätze ist gedeckelt

Schwierig sei auch die Finanzierung der Ausbildung, zudem sei kurioserweise die Zahl der Ausbildungsplätze in Hessen auf 3.500 gedeckelt. „Die 3.500 Plätze schließen die Ausbildungsplätze zum Altenpflegehelfer, der eine einjährige Ausbildung absolviert, mit ein“, erklärte Stuckert. „Das Platzkontingent kann den Bedarf an ausgebildeten Kräften bei weitem nicht decken.“ Zwar habe der hessische Minister für Arbeit, Familie und Gesundheit, Jürgen Banzer, im September 2009 eine Erhöhung der Ausbildungsplätze auf 4.500 für angemessen und notwendig erachtet, jedoch nichts zur Finanzierung der Ausbildungsplätze gesagt. Auch bei Förderungen von Umschülern durch die Agentur für Arbeit gebe es Ungereimtheiten. Beispielsweise werde die dreijährige Ausbildung nur zwei Jahre gefördert.

Die Diskussion der Teilnehmer der Pflegekonferenz drehte sich um die Frage, wie man Einrichtungen, die selbst nicht ausbilden, aber die frisch ausgebildeten Kräfte oft abwürben, zur Verantwortung ziehen könne, wenigstens finanziell. So schlug Jürgen Wendelin, Seniorenbeirat aus Dieburg, vor, dass Einrichtungen, die nicht ausbildeten, eine Ablösesumme an ausbildende Häuser zahlten. Stuckert sah dazu kaum Möglichkeiten, bezweifelte auch, ob das etwas bringe.

Auch Verkürzung der Wehrpflicht hat Folgen

Eine weitere Verschlechterung der Personalsituation in Pflegeheimen befürchteten die Teilnehmer der Konferenz aufgrund der aktuellen Diskussion um die Verkürzung der Wehrpflicht, die ja auch den Zivildienst betrifft. Ina Herda-Götze, Leiterin des Pflegeheims Münster, berichtete, dass man früher zwar gute Erfahrungen mit Zivildienstleistenden gemacht habe, zurzeit aber keinen beschäftige. „Wie viel Zeit bleibt für uns letztendlich übrig, wenn ein Zivildienstleistender erst noch ausgebildet werden muss?“, fragte Herda-Götze. „Bevor wir wieder einen Zivildienstleistenden beschäftigen, hätte ich gerne Sicherheit über das Handling.“ Auch Dieter Hüllmandel von der Gemeinde Eppertshausen teilte die Einschätzung der Münsterer Pflegeheimleiterin: „Mit der Verkürzung auf sechs Monate ist der Einsatz von Zivildienstleistenden uninteressant geworden.

Quelle: op-online.de

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