Was wird aus der Fahrstraße?

Weichenstellung für Bummelgass

+
Seit 38 Jahren gibt es die Bummelgass in Babenhausen. Doch es drängt sich eine Frage auf: Wie kann sie in Zukunft weiter entwickelt werden?

Babenhausen - 38 Jahre ist die Bummelgass alt. Am 13. Dezember 1975 wurde die Fußgängerzone in Babenhausen eröffnet.

Nachdem durch den Bau der Ringstraße am Parkplatz Grünewald und der Umgehungsstraße (heute Bouxwiller Straße) der Verkehr aus der Fahrstraße in der Altstadt ausgeleitet wurde, entstand die Idee einer Bummelgass, wie sie gemeinschaftlich genannt wurde. Viele Geschäftsleute, allen voran Burkhard Ott, machten sich dafür stark.

Am 13. Dezember 1975 war auch der erste Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone. Der damalige Bürgermeister Willand wies darauf hin, wie wichtig eine Fußgängerzone gerade für die Geschäftsleute in der Fahrstraße sei. Und damit stand und steht er nicht allein. „An den Geschäftsleuten liegt es jetzt, die Attraktivität der Bummelgass auch über den Eröffnungstag hinaus zu erhalten und zu verbessern“, sagte Willand.

Einkaufsbummel an leeren Schaufenstern vorbei

Aber wo steht die Stadt heute, 38 Jahre später?

„Inzwischen sind die Bürger mobiler geworden, die Ansprüche gewachsen, die Orte, wo sie arbeiten weit gestreut. Es entstanden die großen Märkte an den Stadträndern, Versandhandel und zuletzt der Internethandel haben sich ausgeweitet. Wir haben es heute mit sehr vielen Leerständen zu tun, die die Frage aufwerfen, ob die damaligen Ideen heute noch richtig sind“, sagt Kurt Schlösser, Vorsitzender des Gewerbevereins: „Bummeln allein macht in der Stadt keinen Sinn. Gemeint war der Einkaufsbummel, natürlich nicht an leeren Schaufenstern vorbei, auch wenn hier und da Werke von Künstlern den Leerstand zu vertuschen suchen.“

Schlösser sieht auch, dass es Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Es hätten sich in der jüngsten Vergangenheit einige Handlungsfelder herausgebildet. Die Stadtverwaltung sehe ihre Aufgabe nach eigenen Aussagen im Wesentlichen in der Bemühung, Leerstände neu zu besetzen und Zuzüge von Niederlassungsinteressenten zu begleiten.

Sie nehme Anfragen entgegen, knüpfe Kontakte, öffne Türen, berate über finanzielle Fördermöglichkeiten und im Bereich der Baurechte, bemühe sich sogar um die „Trostpflästerchen“ der Künstlerausstellungen in den Schaufenstern.

Erste Gespräche für April geplant

Auch bei der Infrastruktur habe es Verbesserungen gegeben: Die Informationen für Touristen wurden optimiert, neue Parkplätze entstehen –nach Meinung des Gewerbevereins nicht immer richtig koordiniert – und Niederlassungen von sogenannten Frequenzbringern für die Innenstadt gefördert.

Frequenzbringer sind alle Einrichtungen, die großen Personenverkehr anziehen, etwa Lebensmittelmärkte, aber auch Sparkassen, das Rathaus, Schulen, Bahnhof und Wohnbereiche mit vielen Einwohnern. „Diese Einrichtungen entstehen natürlich nicht allein durch städtische Planwirtschaft, sondern nur im Zusammenwirken mit Gewerbe und Bevölkerung“, sagt Schlösser.

Besondere Instrumente hierzu stellen die Bauleitplanung und das nun fertig gestellte Einzelhandelsgutachten dar, dass einerseits den Wildwuchs der Großmärkte regeln soll, aber auch den Geschäftsleuten in der Innenstadt Planungssicherheit auf Jahrzehnte geben müsse.

Aufgabe des Gewerbevereins sei es, sich in die Stadtentwicklung einzubringen und Vorstellungen in seinem Sinne vorzutragen. Dies hätte der Gewerbeverein auch bereits getan, indem er beispielsweise wiederholt frühzeitige Mitsprachemöglichkeiten bei der Stadtentwicklung gefordert habe (Kooperatives Stadtmarketing) und konkret, indem er immer wieder die Erstellung eines Einzelhandelskonzeptes forderte.

Wie kommen Kunden, auch ohne Auto, zur Ware?

Aber natürlich gebe es für den Verein auch Einwirkungsverpflichtungen in Richtung Gewerbe. „Unsere Hauptaufgabe wird in der nahen Zukunft sein, Wege zu suchen, wie der Mittelstand, also Handwerk, Handel und Dienstleistungsberufe, konkret in der Innenstadt und den Ortsteilen bestehen können. Welche Maßnahmen können wir selbst dazu ergreifen?“, fragt Schlösser.

Sollen bestehende Geschäfte wesentliche Sortimentsumstellungen vornehmen? Welche Maßnahmen können Geschäftsleute, Hausbesitzer und Mieter gemeinsam oder getrennt zur Verbesserung durchführen. Ist eine Fußgängerzone in der jetzigen Form überhaupt noch sinnvoll?

Wie kommen die Kunden, auch die ohne Auto, zur Ware? All das seien Fragen, die geklärt werden müssten. Für deren Beantwortung müssten Fachleute herangezogen werden, die die heutigen Märkte und Trends kennen und zuverlässigen Rat erteilen können, und alle Betroffenen müssten dabei sein und mitwirken.

Der Gewerbeverein will laut Schlösser noch im April die ersten Gespräche führen um eine Entwicklung einzuleiten, „die uns bei den schweren Weichenstellungen weiter helfen“. 

 st

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare