Territorialmuseum

Fakten - aber attraktiv verpackt

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Eine von vielen interaktiven Medienstationen im Territorialmuseum: das interaktive Stadtmodell von Babenhausen. Insgesamt hat Architekt Reinhard Munzel 30 Medienstationen entworfen und umgesetzt.

Babenhausen - Das Territorialmuseum bietet nicht nur interessante Ausstellungsstücke und Relikte aus vergangenen Zeiten: Zu den meisten finden sich in der Amtsgasse 32 auch Begebenheiten, die von abenteuerlich über spannend bis unglaublich reichen. Von Fabian Sell 

In einer Serie stellen wir die interessantesten Geschichten vor. Babenhausen - „Im ganzen Haus sind es 30 Medienstation. Ein Museum dieser Größe hat normalerweise fünf, maximal zehn“, sagt Reinhard Munzel und unterstreicht damit die starke mediale Ausrichtung des Territorialmuseums. Munzel ist als Architekt zuständig für die interaktiven Stationen. In die Konzeption des Museums war er von Beginn an eingebunden – gemeinsam mit dem Heimat- und Geschichtsverein Babenhausen (HGV) und Dieter Aumann. Der Bauunternehmer hatte das Gaylingsche Anwesen gekauft und in eine Stiftung zum Zweck eines Museums eingebracht.

„Die Konzeption hat mir auch die Möglichkeit gegeben, die eine oder andere Sache auszuprobieren“, betont Munzel. Im Ergebnis hört sich das beispielsweise so an: „Mein Name ist Johann Reinhard der Dritte: Ich war der letzte Regent aus dem Hause Hanau. Mit mir starb 1736 der letzte männliche Vertreter des Grafenhauses, denn ich hatte keine Söhne.“ Jene Sätze spricht ein professioneller Schauspieler, der in einem Fernseher an der Wand zu sehen ist. Dann folgt die Interaktion: Per Knopfdruck richtet der Besucher unterschiedliche Fragen an den Grafen.

Das sprechende Porträt kommt sehr gut an und entspricht der Zielsetzung: „Wir wollen Fakten an den Mann bringen, aber eben in einer Form verpackt, dass es auch attraktiv ist für den Besucher.“ Für einen erlebbaren Museumsbesuch sorgen auch die in allen Stockwerken verteilten Hörstationen. Wie etwa die Lebensumstände der Bediensteten des Schloss Babenhausens waren, erzählen Sprecher, die in die Rolle eines Jägers, einer Küchenmagd oder des Kochs schlüpfen. Die Texte hierzu lieferte der HGV. Das Museum in der Amtsgasse 32 ist von Reinhard Munzels Wohnort nur einen Katzensprung entfernt: Munzel lebt mit seiner Familie schräg gegenüber in einem der ehemaligen Adelshäuser der Gaylings von Altheim. Das alte Fachwerkhaus zu sanieren hat für den gelernten Zimmermann einen besonderen Reiz. Munzel studierte Architektur in Darmstadt und gründete vor 14 Jahren gemeinsam mit einem Kollegen das Unternehmen „Archimedix“. Seitdem plant und realisiert die Firma interaktive Medien und 3D-Visualisierungen für Museen.

Das Prinzip: „Wir bauen unsere Medientechnik grundsätzlich so auf: Schalter ein, läuft; Schalter aus ist aus.“ Während komplexe Installationen wie Multi-Beamer oder interaktive Touch-Tablets störungsanfällig seien, setzt Munzel im Territorialmuseum auf Flashcard-Player und Stationen mit Stahltasten. Einmal eingebaut kann auch die Software problemlos erweitern werden. Und Munzel nennt bereits neue Ideen, um die Medienstationen noch vielfältiger zu machen. Zum Beispiel im Keller: Dort, wo die Vor- und Frühgeschichte Babenhausens behandelt wird, kann an einer Station ein vorgeschichtlicher Eintopf gekocht werden. Der Clou dabei: Per Knopfdrück wählt der Besucher verschiedene Zutaten aus – einige sind für den Eintopf geeignet, andere nicht. „Wir werden es auch so machen, dass die Rezepte jede Minute wechseln und dann gibt es eben mehrere zur Auswahl“, betont Munzel mit Blick auf geplante Erweiterungen.

Potenzial zur Weiterentwicklung sieht Munzel auch bei dem interaktiven Stadtmodell von Babenhausen. Auf dem Abbild aus Plexiglas leuchten per Knopfdruck gruppenweise verschiedene Gebäude wie zum Beispiel öffentliche Bauten oder Adelshöfe auf. „Man kann hier noch Vertiefungsebenen machen“, so Munzel. So sei es beispielsweise möglich, auch einzelne Gebäude – zum Beispiel das Rathaus – aufleuchten zu lassen. Vor etwa einem halben Jahr wurde das Babenhäuser Territorialmuseum eröffnet – mit Blick auf das Engagement aller Beteiligten dürfte es auch in Zukunft immer wieder Neuerungen geben.

Quelle: op-online.de

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