Für ein farbenfrohes Fronleichnamsfest

Traditionelles Blütenzupfen

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Babenhausen - Die einen trennen die Blütenblätter von den Stängeln, andere legen sie zu bunten Blumenteppichen aus. Ein Blick hinter die Kulissen des Fronleichnamfestes. Von Michael Just 

Müsste Claudia Czernek eine detaillierte Beschreibung ihrer Arbeit als Gemeindereferentin bei St. Josef abgeben, würde darin auch das „Blütenzupfen“ auftauchen. Diese Tätigkeit ist allerdings nur einmal im Jahr und auf den Nachmittag vor Fronleichnam beschränkt. Dann werden von unzähligen Gerberas, Margeriten, Begonien, Chrysanthemen, Bartnelken, Lilien, Dreimasterblumen und verschiedenen Rosensorten die Blütenblätter abgezupft und in großen Kartons gesammelt. Gebraucht wird die bunte Palette für die Fronleichnamsprozession.

Auf ihrem Zug durch die Innenstadt hält die Monstranz an drei aufgebauten Altären zum Gebet. Vor diesen breitet sich jeweils ein bunter, mehrere Quadratmeter großer Blumenteppich mit christlichen Motiven aus. Über viereinhalb Stunden waren die fast zehn Gemeindemitglieder damit beschäftigt, mehrere Kilo Blütenblätter von ihren Stil zu trennen. Dass es dabei im Gemeindezentrum aussah wie in einem Blumenfachbetrieb, ist den Babenhäuser Gärtnereien Pilger und Winkler zu verdanken, die rund 90 Prozent der benötigten Blumen beisteuerten. Der Rest kam aus Privatgärten, darunter von Elke Kukla: „Liegt Fronleichnam sehr spät, sind wir ein wenig traurig, da die Hauptblütezeit schon vorbei ist. Dann müssen wir uns aus der Sommerblüte bedienen“, erklärt die 78-Jährige. Für die religiöse Kunst hat sie ihren Garten nicht komplett ausgeräumt: „Ein paar bunte Stellen gibt es noch“, sagt sie schmunzelnd. Rosen werden am liebsten zerzupft: „Sie lassen sich leicht ausnehmen und ergeben eine dankbare Fülle“, weiß Maria Tempel. Dabei ist Vorsicht mit den Stacheln geboten, wie ein Zeigefinger belegte: Er musste mit einem Pflaster verarztet werden.

Bilder vom Kirchenfest in Babenhausen

Das Schmücken des Prozessionsweges zu Pfingsten hat in Deutschland und Österreich eine lange Tradition. Einige Städte und Gemeinden, vor allem im Schwarzwald, brachten es durch Größe und detailgenaue Gestaltung ihrer Blumenteppiche bereits zu bundesweitem Ruhm. Dem steht man bei St. Josef gar nicht soweit nach: So zählen alle drei Teppiche stets 16 stolze Quadratmeter. Den drei Gruppen gehörten gestern rund 20 junge und ältere Gemeindemitglieder, darunter Firmlinge und Ministranten, an. Seit Jahren sind die Familien Quast und Michalski an der Ecke Bruchweg/Ostring mit einem komplett in Eigenregie gestalteten Teppich vertreten. „Sämtliche Motive wechseln Jahr für Jahr“, erläutert Gemeindereferentin Claudia Czernek. An den Inhalt von Fronleichnam angelehnt, kommen die Symbole Christi, darunter Brot und Kelch oder Taube und Fisch, zum Tragen. Um die Werke noch abwechslungsreicher und größer zu gestalten, werden zusätzlich Blumenerde, Sägemehl, Gras oder bunt gefärbte Steinchen verwendet.

Sämtliche Streuer begannen mit Sonnenaufgang um sechs Uhr ihre Arbeit, dass bis zum Gottesdienst um 9 Uhr und der anschließenden Prozession alles vollendet ist. Das wurde schon eine Stunde vorher erreicht, was auch daran lag, dass sich um acht Uhr die Gemeinde mit einem großen Helferfrühstück bedankte.

Quelle: op-online.de

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