Farbenpracht für frohe Botschaft

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Bunt beleuchtetes Gotteshaus: Um die Weihnachtsbotschaft nachdrücklich zu vermitteln, spricht Pfarrer Wolfgang Weinrich in der Christnacht alle Sinne an.

Babenhausen ‐ Eine Nebelmaschine verbindet man üblicherweise mit Disco oder Musikkonzert, aber eben nicht mit einem Gottesdienst. Wenn Pfarrer Wolfgang Weinrich einmal im Jahr zu seiner „entrückten Christnacht“ in die kleine Dorfkirche von Hergershausen einlädt, ist eben alles anders. Von Michael Just

Dann erstrahlt die Kirche innen und außen in bunten Farben, Nebelschwaden ziehen durch das Gotteshaus, dazu erklingt sanft ein Bass oder ein zurückhaltendes Schlagzeug. In diesem Jahr gab es gar ein Jubiläum zu feiern: Seit zwei Jahrzehnten gibt es mittlerweile diesen Gottesdienst in der Nacht der Nächte, der mit vielen Effekten und der „Christnacht-Blues-Band“ ganz anders daherkommt und trotzdem die frohe Botschaft nicht aus den Augen verliert.

Mehr Eindrücke vom Gottesdienst:

Christnacht in der Hergershäuser Dorfkirche

Am Samstagabend zog Weinrich, der in evangelischen Kirche Hessen-Nassau zuständig für Kommunikationsprojekte ist, eine kleine Bilanz. „Bei der allerersten Christnacht haben wir ein Tränentuch zum Ausweinen verteilt“, erinnerte sich der Wahl-Hergershäuser. Damals war Weinrich Berufsschullehrer in Offenbach. Aus Erfahrungen von Tod und Trennung war die Idee geboren, den Heiligabend einmal anders zu gestalten. Mutlos zeigte man sich trotzdem nicht: „Wir haben dennoch gefeiert, um neuen Mut für das Leben und das Sterben zu bekommen.“ Seitdem haben zahlreiche Gäste diesen außergewöhnlichen Gottesdienst besucht und erzählt, wie sie ihr Leben meistern. Darunter waren Lehrer, Psychologen, Piloten, Minister, Schüler, Ehrenamtliche oder Korrespondenten. Sie alle berichteten über Krieg, Hunger, Vertreibung, Überschwemmung, Arbeitslosigkeit, kurz gesagt über Leben und Tod. „Sie nahmen uns mit in ihr Leben und gaben uns dabei Hilfe für unser eigenes“, bilanzierte Weinrich, der die frohe Botschaft in den Köpfen und Herzen seiner Schäfchen verankern will, indem er in der Christnacht alle Sinne anspricht.

So kam zu den optischen Effekten meditativer Blues, mit dem die Erzählung der Weihnachtsgeschichte unterlegt wurde. Nicht minder ungewöhnlich war Manfred Schulzes und Helle Baums Interpretation von „Oh du fröhliche“: Mit Mund- und Ziehharmonika wirkte die Melodie besonders emotional.

Viele Menschen von „gesundem Misstrauen" gepackt

Weinrich gelang es auch diesmal, in seiner Feier ein besonderes Maß an Glaubwürdigkeit zu transportieren. „Niemand von meinen bisherigen Talk-Gästen hat sich so gegeben, als hätte er die Weisheit gepachtet“, erklärte Weinrich. Die wichtigen Fragen der Menschen über ihr Leben seien in all den Jahren gleich geblieben: „Was wird in Zukunft sein? Was ist gut für mich?“ Auch 2009 suchte Weinrich in seiner Christnacht nach Antworten, diesmal zum Thema „Wer‘s glaubt, wird selig“. „Wem glauben sie? Ihrem Arzt, dem Partner, dem Steuerberater, dem Automechaniker, dem Bericht in der Zeitung, dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz oder der alten Geschichte von der Geburt Christi?“, fragte er. Zu viele Menschen seien heute vom „gesunden Misstrauen“ gepackt und würden Enttäuschungen wie Orden an der Brust tragen. Dabei berge gerade Weihnachten Entscheidendes für das Leben: „Ich kann das Vertrauen zu mir selbst, zu anderen und auch zu Gott wieder auffrischen.“

Wie Weinrich sagte, würde er am liebsten die Worte Argwohn, Befürchtung, Misstrauen und Widerwillen zu den Unworten des Jahres erklären, denn eigentlich biete das Leben gar keine andere Wahl als zu vertrauen. „Was bleibt denn ohne Glaube und Vertrauen übrig? Wer zum Glauben kommt, dem wird es gut gehen“, lautete seine von Christus abgeleitete Botschaft, die auch den oft negativ gebrauchten Ausspruch „Wer‘s glaubt, wird selig“ in einen positiven verkehrt. Trotzdem blieben Schmerz und Tod. Aber: „Es lässt sich das aushalten, was manchmal kaum auszuhalten ist“.

Quelle: op-online.de

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