Fast wie beim Schlussverkauf

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Reger Andrang herrschte beim Radbasar in der Sporthalle des TV Babenhausen. Interessenten und verkaufswillige Besitzer feilschten, was das Zeug hielt. Manche Schnäppchenjäger wurden fündig, andere kehrten mit leeren Händen heim.

Babenhausen ‐ Als sich um kurz nach zehn die Tore zur Sporthalle des TV Babenhausen öffnen, fühlt man sich fast an die früheren Schlussverkäufe erinnert: Über 100 Menschen stehen dicht gedrängt schon lange vor dem offiziellen Einlass am Eingang – nur statt Textilien werden Drahtesel als Schnäppchen feilgeboten. Von Michael Just

In der Auslage sind aber nicht nur Räder, sondern auch Helme, Inliner und sonstige Vehikel für den Nachwuchs zu finden. „60 Prozent der rund 300 Artikel wechseln den Besitzer, nachher werden riesige Lücken sein“, kündigt Helfer Helmut Hartl an. Zehn Prozent der Erlöse behält der TV für seine Vermittlung. Mit den drei Kindern Benjamin, Damaris und Rebecca ist auch Familie Altmann aus Schaafheim gekommen. „Die Kinder haben auf dem jüngsten Radbasar in Groß-Zimmern was bekommen, heute ist die Mama dran“, erzählt Mutter Ulrike erwartungsfroh. Mit dem alten Rad ist sie seit 15 Jahren täglich zum Kindergarten und zum Einkaufen unterwegs, jetzt soll es ein „neues“ geben. Sie hofft auf das gleiche Glück wie ihr Gatte. Der konnte beim Basar in Zimmern ein fast neues Rad erwerben: „Das hat jemand beim Auszug einfach stehen gelassen. Sein Nachbar hat es jetzt verkauft“, erzählt das Familienoberhaupt. Heute soll seine Frau ein Rad bekommen, das die Kriterien „möglichst günstig, möglichst gute Qualität“ erfüllt.

Der Preis führt nicht weit weg bei einem Mädchen zu einem langen Gesicht. Auf dem Etikett des ausgesuchten Drahtesels sind 150 Euro veranschlagt, was dem Papa nur ein Kopfschütteln entlockt: „So viel Geld haben wir gar nicht dabei. Wir haben 200 Euro und davon wollen wir für deine Schwester ebenfalls ein Rad kaufen“, fällt der Blick auf Tochter Nummer zwei. „40 oder 60 Euro“ gibt er als Richtwert für die weiteren Kaufwünsche aus.

Zehn Euro würde ein Rentnerpaar für ein feilgebotenes Kinderrad bezahlen. Gesucht wird ein fahrbarer Untersatz, mit dem der Enkel - wenn er zu Besuch ist - im Hof seine Runden drehen kann. Auf die gebetsmühlenartige Forderung „zehn Euro“ der Interessenten lässt sich der Besitzer mit dem Verweis auf den Neupreis von 150 Euro aber nicht ein und sieht die ausgewiesenen 50 Euro als fairen Preis an.

Nicht fündig geworden ist in dem Gewimmel auch Familie Altmann. Das einzige Rad, was gefällt, kostet 110 Euro und ist der Schaafheimerin zu teuer. „Für das Geld krieg ich schon fast ein neues“, sagt sie. Das sieht ein junger Mann, der nebenan ein Damen-Kettler-Rad für fast den gleichen Preis nicht mehr loslässt, anders: „Wir haben uns erkundigt, dieses Rad kostet neu über 500 Euro. Da sind 120 Euro ein echtes Schnäppchen“, führt er mit einem freudigen Gesicht an.

Unangetastet bleibt lange Zeit ein Damenrad für 275 Euro. Das „Epple Komfortmodell Mainau Elegance“ beeindruckt nur wenige. „Das ist ein Fantasiepreis“, winkt ein Rentner ab. Dass das qualitativ äußerst hochwertige Rad beim Neukauf vermutlich im vierstelligen Bereich lag, bewirkt bei ihm nur ein Achselzucken: „Das mag sein. Das hier ist aber eine Art Flohmarkt und die meisten Leute wollen dementsprechende Preise.“ Für Familie Altmann endet der Ausflug nach Babenhausen ohne Schnäppchen. Mutter Ulrike wird erst mal mit ihrem alten Rad weiterfahren. „Wir gucken, bis wir das richtige finden. Der nächste Radbasar kommt bestimmt!“

Quelle: op-online.de

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