Narrhalla-Marsch im Gotteshaus

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Die Pfarrer Ferdinand Winter und Dr. Frank Fuchs inmitten der Narrenschar.

Babenhausen - Polonäsen schlängelten sich nicht durch die evangelische Stadtkirche. Aber beim Auszug aus dem Gotteshaus spielte der evangelische Posaunenchor Langstadt, der die überwiegend kostümierten Gottesdienstbesucher nach draußen führte, den Narrhalla-Marsch. Von Petra Grimm

Ein durchaus bemerkenswertes Schauspiel, das am Freitagabend den ökumenischen Gottesdienst zum 55-jährigen Bestehen des CVB beendete. Der evangelische Pfarrer Dr. Frank Fuchs und sein katholischer Kollege Pfarrer Ferdinand Winter hatten gemeinsam mit dem Jubiläumsverein ein schönes Programm mit gemeinsamen Liedern und Gebeten zusammengestellt, zu dem nicht nur die musikalische Begleitung der geistlichen Lieder durch den Posaunenchor, sondern auch die schwungvollen Einlagen einer Jazzband gehörten. „Sie dürfen ruhig klatschen“, sagte einer der Pfarrer zur mehrheitlich aus CVB-Mitgliedern und Fastnachtern aus anderen Stadtteilen bestehenden Gottesdienstgemeinde. Beim bekannten Spiritual „When the Saints go marching in“, das die Jazzband mitreißend interpretierte, hielt es dann kaum einen auf den Kirchenbänken. Begeistert wurde mitgeklatscht.

Die beiden Pfarrer, für die dieser Gottesdienst zum Jubiläum eines Karnevalsvereins eine Premiere war, griffen das Thema gekonnt auf. So begrüßte Pfarrer Winter reimend: „Ein frohes Grüß Gott und auch ein Helau den fröhlichen Narren in diesem Bau. 5 mal 11 Jahre der CVB heuer besteht, ja, das ist Grund zum Danken und zum Lobgebet. Auch bitten wir für die nächsten 55 Jahr Gott um seinen Segen für die CVB-Narrenschar: dass auch weiter in unserer Stadt das närrische Treiben von Gott möge allzeit behütet bleiben. Zwar ist Karneval und Fassenacht ein urkatholischer Brauch. Doch inzwischen haben die Evangelischen gelernt, das zu feiern auch“.

Das bewies dann auch Pfarrer Fuchs, der seine Predigt nicht nur gereimt, sondern auch auf Hessisch zum Besten gab. Er sprach über das Hohelied der Liebe (1.Korinther, Kapitel 13) und fragte, wie es heute um „Glaube, Liebe, Hoffnung“ in der Welt bestellt sei. Er verwies auch auf die kommende Fastenzeit, die aber nicht die Lebensfreude nehmen soll: „Man soll auf etwas verzichten lernen, was nicht so gut für einen ist, und das gerne. Denn Gott will keine verzagten Sünder, er will fröhliche Menschen als seine Kinder“.

Das Prinzenpaar Lydia I. und Frank II. aus dem Hause Müller übernahmen die Lesung, und Sitzungspräsident Holger Plischke trug im Wechsel mit Pfarrer Winter die Fürbitten vor. „Wir bitten für alle, die sich in der Fasse-nacht engagieren, um den Menschen Freude im Übermaß zu schenken; dass sie nicht im Stress verbittern und die Freude verlieren. Wir bitten für alle Babenhäuser Fastnachtsvereine, Garden und Gruppen: dass sie die Quelle des Brauchtums nicht vergessen und der Welt den Spiegel vorhalten können.“

Die Anregung für diesen Fastnachtsgottesdienst zum Jubiläum war von CVB-Schriftführer Helmut Bartmann gekommen, der seine närrischen Wurzeln in Mainz, bei den dortigen „Mombacher Bohnebeitel“ hat. „Die haben vor zwei Jahren zu ihrem 155-jährigen Bestehen einen solchen Gottesdienst gefeiert. Daher hatte ich die Idee. Und die beiden Babenhäuser Pfarrer haben gleich zugestimmt“, sagte Elferratsmitglied Helmut Bartmann.

Quelle: op-online.de

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