Geisha lässt Narrensonne aufgehen

Kampagne in Harreshausen: kaum eröffnet und schon wieder vorbei

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Ricky Mayfield hatte zur Polonaise animiert und alle im Saal machten mit.

Michael Kattner muss aufpassen, dass er sich nicht die Zunge verschränkt.  Als japanische Geisha tritt er am Freitagabend in der Mehrzweckhalle in Harreshausen vor sein närrisches Volk!

Harreshausen – Getreu dem Motto „In unsle Hall, soll’n se alle komme; wil fahlen nach Japan, ins Land del aufgehenden Sonne“. Bekanntlich haben ja einige asiatische Zeitgenossen Schwierigkeiten mit der Aussprache des Buchstaben R, also kommt die Begrüßung ohne R aus.

Die 41. Fastnachtsfeier des Carnevalclubs Herrnhuter (CCH) eröffnet Sitzungspräsident Kattner und verspricht ein buntes Programm, nicht nur mit Asiaten, sondern auch mit Piraten. Für die Zuschauer hat er auch eine Aufgabe: „Wir feiern und jubeln zusammen“, sowie eine Drohung: „Schenkt den Leuten hier oben Respekt und viel Applaus, wer meint zu schwätze, fliegt dieses Jahr raus.“ Es konnte allerdings den ganzen Abend nicht beobachtet werden, dass jemand des Saales verwiesen wurde. Dagegen kamen die Narren der Aufforderung, viel und heftig zu klatschen, nur zu gerne nach.

Einen schwungvollen Showtanz, verpackt als Mittelalter-Märchen legte „Amaya“ aufs närrische Parkett. Foto:S Agnes Badener

Die früheste Sitzung der Saison, die Harreshäuser fallen mit ihrer Sitzung im November aus dem Rahmen, wurde mit dem Einzug der Garde und des Sitzungspräsidenten – die Herrnhuter haben keinen Elferrat – eröffnet. Die Garde des JSK Rodgau brachte mit ihrem klassischen Gardetanz die Zuschauer in die richtige Stimmung. Das närrische Volk klatschte sich die Finger wund.

Insgesamt lebte die Herrnhuter Sitzung von Tanz und Musik. Büttenreden waren spärlicher gesät. Begeisterung rief Ciro Visone hervor, den Kattner als „Deutschlands dienstältesten Fernsehfastnachter“ ankündigte. Visone hatte sich das Verhältnis zwischen Italienern und Deutschen vorgenommen und wurde dabei auch persönlich. Tränen lachten die Zuschauer als er ausführte, dass die deutsche Schwiegermutter zum Schwiegersohn sagte: „Wenn du mein Mann wärst, dann würde ich dir Gift in den Cappuccino schütten.“ Worauf, dieser erwiderte: „Wenn du meine Frau wärst, würde ich ihn auch trinken.“

Der zweite Büttenredner des Abends, Colin Murmann, Sohn des legendären Lutz Murmann, nahm sich, seinen Vater und die Kirche auf die Schippe. Kattner erlaubte dem sehr jungen Büttenredner statt Limo ein Radler. Und er freute sich, im nächsten Jahr vielleicht ein Duo Murmann begrüßen zu dürfen, dem Vernehmen nach arbeite Vater Lutz an einem Text für ein Duo.

Richtig überzeugt war das Harreshäuser Publikum von den vielen spannenden Tänzen, obwohl man inzwischen fast von Tanzvorführungen reden muss. Oft bringen die Gruppen halbe Geschichten auf die Bühne, die mitunter auch einen mehrfachen Wechsel der Kostüme beinhalten. So auch bei den CC-Dancers Knallkepp Dudenhofen, die als offensichtlich leicht aggressive Halbstarke die Bühne betraten, sich dann in nette tanzfreudige Damen verwandelten und auch noch mit Schwarzlicht nach weiterem Kostümwechsel brillierten.

Atze and Friends eröffneten die zweite Halbzeit der 41. Fastnachtsfeier des CCH. Foto:S Agnes Badener

Die mittlere Garde des SKV hatte James Bond im Schlepptau und tanzte zu den klassischen Filmmusiken. Die Tanzgruppe „Kult“ vom TSV Langstadt schien dem Weltraum entfallen zu sein und hatte Tom Schillings Stück „Völlig losgelöst von der Erde“ im Gepäck. Die Garde aus Froschhausen war zeitlich in die andere Richtung gegangen, sie stellte tänzerisch ein Märchen aus dem Mittelalter dar. „Amaya“ wechselte auch die Tanz- und Kostümrichtungen, sehr düster kamen sie auf die Bühne, um dann ins cremefarbene Röckchen zu steigen.

Die Musik war ein Schwerpunkt der Sitzung. Der absolute Knaller waren die Hinnergassebuwe, die als Höhepunkt ganz zum Schluss spielen durften. Kattner dankte für das Erscheinen, schließlich seien die Buwen in der Fastnachtszeit immer ausgebucht. Der Sitzungspräsident stand mit den Harreshausen Allstars auch selbst singend auf der Bühne. Die bunte Truppe setzt sich aus Mitgliedern der Harreshäuser Vereine zusammen und erschien im eigenen Trikot.

Viel Applaus erhielten auch die „Esser“, drei junge Damen, die durch ihre Kleidung, kariert und geringelt, auffielen und Gassenhauer zum Besten gaben. Atze and Friends bekamen viel Beifall. Comedian Ricky Mansfield brachte mit seinen Liedern den Saal in Bewegung, zu einer Polonaise stiftete er das närrische Volk an.  

zba

Quelle: op-online.de

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