Nur Spott für Conti und Politiker

Protokollers Abrechnung folgt prachtvolle Geister-Fastnachtssitzung des CVB

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Runa Klein (links) und Xenia Schäfer witzelten in der Bütt humorvoll über ihre „oberpeinlichen Eltern“.

Geisterstunden vom Feinsten: Jede Menge Untote – fesche Drakulas und blasse Schlossgeister in Frack und Abendkleid und Gespenster mit weißen-wallenden Gewändern und staubiger Perücke – feierten auf Einladung des Carnevalvereins Babenhausen (CVB) in der Stadthalle eine ausgelassene Sitzung.

Babenhausen – Auch eine fröhliche Gruppe „Ghostbuster“ passte zum Motto „Geister im Schloss hausen – Narren regieren Babenhausen“. .

Vor allem der zweite Teil des Mottos bot eine Steilvorlage für Protokoller Joachim Heizmann, der sich ja eigentlich jedes Jahr in der Bütt die Narreteien der Kommunalpolitik vornimmt. Am Samstag kam er direkt aus seinem Versteck im Schloss, das als eindrucksvolle Kulisse hinter der Elferratstheke aufgemalt war. Bei den aktuellen Umbauarbeiten sei er aus seinem 500 Jahre andauernden Schlaf gerissen worden, sagte das protokollierende Gespenst, das zwischen seinen scharfzüngigen Versen immer wieder feststellte „früher war alles besser“. Er klagte über die Kompromisslosigkeit der Kommunalpolitiker, die sich nach wie vor in Grabenkämpfen ergingen, statt gemeinsam zum Wohle der Stadt zu arbeiten. Das führe zu Politikverdrossenheit und bereite den Nährboden für Missgunst und Neid („Die Nazis stehen bereit“). Auch die Continental-Chefetage bekam von Heizmann ihr Fett ab. Die Arbeiter, die jetzt entlassen werden sollen, müssten die Ideenlosigkeit und Unfähigkeit des Vorstands ausbaden: „Der Arbeiter rennt, der Vorstand pennt.“ Als Lösung der Verkehrsprobleme in der Stadt empfahl er eine Maut für Aschaffenburger und Offenbacher. Die vor sich hin rostende „Jenny“ im Schwimmbad oder der in der Kaserne entstehende Stadtteil „Kaisergärten“ („die Jüngeren unter uns werden es noch erleben“) waren ebenfalls Ziele seines Spotts.

Eine Augenweide in rot-schwarz: Die spanischen Tänzerinnen der TVB-Akzeptanz. Fotos: Petra Grimm

Auch Sitzungspräsident und CVB-Vorsitzender Klaus Fengel ließ Dampf ab: „Gratulation zur erneuten vorläufigen Haushaltsführung!“ In den Nachbarkommunen, die ebenfalls finanzielle Probleme hätten, müssten die Vereinsförderung und ähnliche Zuschüsse nicht gestrichen werden, sagte er: „Münster erhöht seine Vereinsförderung sogar um 50 Prozent.“ Dass der städtische Bauhof die Straßen nach dem Umzug nicht reinigen dürfe, wodurch das Vereinsgremium 3 500 Euro für eine Fremdfirma zahlen müsse, sei ja wohl auch einmalig in der Region. „Gibt es in Hessen überhaupt eine Stadt, die es nicht schafft, die Straßen nach dem Fastnachtszug zu reinigen? Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal von Babenhausen“, schimpfte Fengel, der die Absage des Kräppelnachmittags für die Senioren „einfach armselig“ findet. Kulturelles Leben und ehrenamtliches Engagement kämen zum Erliegen. Dieses Stadtmarketing sei eine Katastrophe.

Aber noch funktioniert das ehrenamtliche Treiben, sodass die Sitzungsgäste ein unterhaltsames, närrisches Programm genießen konnten. Höhepunkte waren wieder die schmissigen Garde- und farbenfohen Showtänze. Ob als Augenweide in rot-schwarz, wie die spanischen Tänzerinnen der TVB-Akzeptanz, als Waldfeen (CVB-Tanzgruppe), Steinzeittänzerinnen in Fell und mit Keule (Kult Langstadt), als Eisprinzessinnen („Prosecco-Mädscher“) oder „unter dem Meer“ wie das CVB-Lidoballett – die Choreografinnen, Kostümschneiderinnen und Maskenbildnerinnen hatten sich wieder selbst übertroffen. Die Bawwehaiser Bembelbuuwe sorgten in ihrem „verrückten Klassenzimmer“ als Schuljungs in kurzen Hosen und mit Nerd-Brillen tanzend für Furore.

In der Bütt waren als Nachwuchs aus den eigenen Reihen gekonnt Runa Klein und Xenia Schäfer als Teenager mit „oberpeinlichen Eltern“ unterwegs. Seine Premiere in der CVB-Bütt feierte Bernd Kosellek aus Urberach mit gemischten Witzen, vor allem über seine Frau („Frauen sind wie Handgranaten. Ziehst du ihnen den Ring ab, ist das Haus weg“). Claudia Bahnen und Helga Maas-Bender kalauerten als Urlauberinnen am Strand. Da bekamen dann die Männer ihr Fett ab: „Wenn ein Mann früher Honig essen wollte, hat er eine Biene gelutscht.“

Gesungen wurde natürlich auch – und zwar mit dem Publikum. Denn das „singing Komitee“ hatte für sein Alpen-Medley bekannte Hits von jenseits des Weißwurstäquators auf dem Notenständer. Zum Programmabschluss rockte die Guggemusik der „Druff Kapell“ aus Jügesheim den Saal.

Neu in dieser Kampagne ist die Zweitbesetzung sowohl für das Amt des Sitzungspräsidenten durch Leon Bernhardt, der an der Seite von Klaus Fengel die Sitzung moderierte, als auch für Hofmarschall Roland Keil, der den letztjährigen Prinzen Christoph Pöschl gerade „anlernt“. Pöschl stellte das große und das kleine Prinzenpaar vor. Die Tollitäten Meike I und Fabian I und die Kinderregenten Danielle I und Niko I wurden närrisch gefeiert.

VON PETRA GRIMM

Quelle: op-online.de

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