Friedliches Zeichen des Lachens

Mit Trauerflor Solidarität beim 65. Fastnachtsumzug bekundet

Endspurt für die Tanzmädchen: Die Mittlere Garde des Carnevalverein Babenhausens versprühte am Fastnachtsdienstag beste Feierlaune.
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Endspurt für die Tanzmädchen: Die Mittlere Garde des Carnevalverein Babenhausens versprühte am Fastnachtsdienstag beste Feierlaune.

Die Straßenfastnacht war auf dem Zenit: Zum Babenhäuser Fastnachtsumzug säumten am Fastnachtsdienstag bunt kostümierte, feiernde Menschenmassen die Straßenränder entlang der Zugstrecke.

Babenhausen – Einmal mehr erklärte das Gremium der Babenhäuser Vereine, das bereits seinen 65. Umzug organisierte, das Straßenpflaster zur Feiermeile. Trotz zweier Gewalttaten im Hessenlande in den vergangenen Tagen, startete der Narrenzug in Babenhausen pünktlich. „Der Umzug findet statt!“, hatte Zugmarschall Helmut Fendt bereits tags zuvor die Parole ausgegeben – als bei einem Attentat in Volkmarsen mehr als 30 Menschen verletzt und einige Rosenmontagsumzüge abgebrochen wurden.

Aus Trauer und Solidarität mit Opfern und Angehörigen hatte Fendt seinen Wagen an der Spitze des Narrentross mit einem Trauerflor dekoriert – an ein Aufkündigen des in der Gersprenzstadt und seinen Ortsteilen gepflegten Kulturguts Fastnacht war nicht zu denken. Und solidarisch setzten Umzugsteilnehmer und Publikum am Dienstag ein friedliches Zeichen des Lachens und Feierns. Eine bunte Stadtbevölkerung, die eine gemeinsame Mission verband: Den Endspurt der fünften Jahreszeit zu feiern.

Ein Fest der Farben: Die Ehrengarde der SKV Sickenhofen setzte das Thema „Regenbogen“ mit viel Aufwand um. Fotos: zah

46 Nummer bot der diesjährige Narrenwurm auf, der knapp drei Stunden durch die Straßen wogte. Und dass bei Prachtwetter, denn just zum Höhepunkt der Straßenfastnacht verschwanden Sturmböen und Regenwolken. Vier Kapellen, ein Dutzend Vereine, die Freiwillige Feuerwehr Babenhausens und acht Fastnachtsgruppen formierten sich zum närrischen Lindwurm, der Wurfmaterial und beste Stimmung freisetzte. „Bawwehause Helau!“, wogte es von den Straßenrändern zurück.

Mit großem Aufwand und viel Fantasie waren Gruppenkostüme geschneidert, Wagen dekoriert und Requisiten angefertigt worden. Ein munterer närrischer Wettstreit, wenngleich die Prämierung der teilnehmenden Zugnummer seit einigen Jahren aus dem Protokoll gestrichen wurde.

Die Politik wurde zwar nicht explizit aufs Korn genommen. Doch als „Väterchen Frost“ prangerte die Gruppe „Reservekanister“ den Klimawandel an. „Koan Schnee – nit schee“ beklagten auch die Gersprenzratten, die als Schneemänner gingen. Und „Die Wilde 13“ empfahl den Stadtvätern „Mit Steampunk wäre Bawwehause besser druff, denn Dampf, da geht es steil Bersch uff.“ „No Farmer – No Food – No Future“, auf den Zugfahrzeugen war die existenzielle Not hiesiger Landwirte prägnant auf den Punkt gebracht.

Querbeet auf dem Kriegsfuß? Von wegen. Die Fußgruppe im Indianeroutfit hatte zur Straßenfastnacht sogar die Stammesälteste mobilisiert. Die sportlichen TVB-Girls rollten auf Einrädern mit.

Dass die Stadt aufgrund ihrer vorläufigen Haushaltssituation keinen Cent für die Narretei locker machen konnte, bereitete Zugmarschall Fendt große Sorgen, der gar die Bevölkerung zum Spenden aufgerufen hatte, um den Narrenwurm zu finanzieren. Zum Spendenstand aus der Bürgerschaft konnte der Vorsitzende des Gremiums der Vereine noch nichts sagen, bezifferte aber die Zuwendungen der hiesigen Unternehmen als gut. Neben den üblichen Kosten muss der Verein den Wegfall städtischer Zuschüsse kompensieren, Straßensperrung, Reinigung und Beschallung selbst stemmen, was gut 5 300 Euro ausmacht.

Höher war auch der Sicherheitsaufwand. Nach der Gewalttat in Volksmarsen waren Abstimmungsgespräche zwischen Polizei und Veranstaltern gelaufen und die Präsenz von Sicherheitskräften „der aktuellen Lage angepasst worden“, so Andrea Löb, die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen. Auch die Feuerwehr hatte personell aufgestockt, zudem war das DRK mit Rettungswagen vor Ort. Zu Zwischenfällen kam es nicht. Löb: „In Babenhausen lief alles völlig problemlos, ruhig und friedlich.“  

zah

Quelle: op-online.de

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