Carnevalverein jagt profane Obrigkeit aus dem Rathaus

Gardetanz lässt Knoke kapitulieren

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Die Kindertollitäten Lena Laureen I. und Tom III. verteilten die Schokoladentaler aus der erbeuteten Stadtkasse.

Babenhausen - Die närrische Revolution ist geglückt. Bis Aschermittwoch werden die Uhren in der Stadt anders gehen, denn die Tollitäten des Carnevalvereins Babenhausen (CVB), Prinzessin Ilka I. (Dietz) und Prinz Ralf I. (Fischer), sowie das Kinderprinzenpaar Lena Laureen I. (Danel) und Tom I. (Fischer), haben die Macht an sich gerissen und Bürgermeister Joachim Knoke aus der Amtsstube gejagt. Von Petra Grimm 

Die Übergabe von Stadtschlüssel und -kasse durch Bürgermeister Joachim Knoke an das CVB-Prinzenpaar Ilka I. und Ralf I. wurde vom zahlreich erschienenen Publikum johlend begrüßt.

„Der Elferrat wird die Geschäfte des Magistrats übernehmen und der Gruß in der Stadt heißt ab sofort Helau“, kündigten die neuen Regenten unter dem Jubel des schunkelnden Volkes an. Blut floss bei der Revolte auf dem Marktplatz am Samstagvormittag nicht, dafür das eine oder andere Tröpfchen Sekt. Schließlich beginnt für die Babenhäuser Fastnachter mit dem traditionellen Rathaussturm die heiße Phase der Kampagne, die in diesem Jahr recht kurz sein wird. Denn Mitte Februar ist schon wieder alles vorbei. Also heißt es jetzt, richtig durchstarten und beim Feiern keine Zeit verschwenden.
Einen Vorgeschmack auf die kommenden Wochen lieferte der CVB mit seinem Vorsitzenden Klaus Fengel, der in diesem Jahr auch wieder als Sitzungspräsident für fröhliche Unruhe auf der Stadthallenbühne sorgen wird. Das Komitee, mehrere Tanzgarden und die beiden Prinzenpaare erstürmten gut gelaunt und mit viel Helau den Marktplatz, wo das feierfreudige Volk sie bereits erwartete.

Die tanzende Prinzengarde zog alle Blicke auf sich.

Anders als im Vorjahr beim Rathaussturm herrschten keine Minusgrade, sodass sich niemand beim Singen und Schunkeln Frostbeulen holte. Auch andere Blessuren blieben aus, denn Bürgermeister Joachim Knoke leistete nur wenig Widerstand, als die Aufständischen ihn lautstark aufforderten, seinen Schreibtisch zu räumen und den Rathausschlüssel und die Stadtkasse abzuliefern. Der humorvolle, verbale Schlagabtausch zwischen den Kombattanten stammte wie immer aus der Feder von Hofmarschall und CVB-Redenschreiber Roland Keil.
„Schon mehrmals haben wir an diese Tür gepocht und die ganze Mannschaft eingelocht. Doch sind sie wieder an der Macht, wird alles wie zuvor gemacht. Dann brüten sie in diesem Haus wieder ganz gemeine Sachen aus. Dann wird dem Bürger mit Steuern und Abgaben ungelogen, das Fell über beide Ohren gezogen“, rief Prinz Ralf I. und Knoke hielt dagegen: „Ihr schießt doch eh nur mit Platzpatronen, geht lieber heim und tut euch schonen. Ich pfeif auf eure Fassenacht, denn ich bin gewählt und hab die Macht.“

Als „unsere schärfste Waffe“ ließ der Prinz die CVB-Prinzengarde aufmarschieren, die gekonnt ihre Beine warf. Einen überraschenden Beitrag lieferten die Tollitäten mit einem von der Prinzessin geschriebenen Lied. Nach der Melodie von „Theo, wir fahr’n nach Lodz“ sangen sie gemeinsam mit ihrem Hofstaat und dem Elferrat des TSV Langstadt lautstark „Achim – mach endlisch uff!“ Da bröckelte das letzte bisschen Gegenwehr des Bürgermeisters. Er übergab den Tollitäten den Schlüssel, die mit Schokotalern gefüllte Stadtkasse und sogar noch Geschenke in Form von Bier, Sekt und Süßigkeiten.

Bilder vom Rathaussturm in Babenhausen

Unterstützt wurden die Revolutionäre des CVB wieder von Fastnachtern aus den Stadtteilen, wobei in diesem Jahr die Lengschder deutlich in der Überzahl waren. Denn sowohl die Kinderprinzen als auch das große Prinzenpaar mit seiner Hofdame Victoria (Fischer) kommen aus Langstadt, wo in diesem Jahr ein närrisches Jubiläum – sechs mal elf Jahre Karnevalsabteilung beim TSV-Langstadt – gefeiert wird. Grund genug, dass die Tollitäten aus ihren Reihen kommen und für alle Bürger den Bajazz schwingen und die Krone tragen.

Quelle: op-online.de

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