Narrengott oder Grippevirus?

Fremdensitzung des Carnevalvereins Babenhausen zum Auftakt ohne Männerballett 

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Von eleganten Maiskölbchen in knuspriges Popcorn verwandelten sich die TV-Tänzerinnen von „Akzeptanz“ in ihrer fetzigen Bühnenshow.

Babenhausen - Rund 400 Narren feierten mit dem Carnevalverein Babenhausen eine ausgelassene Fremdensitzung. Von Ursula Friedrich 

Tanz und Witz sorgten für gute Laune, obgleich die Geldprobleme der Stadt sowohl in den Reden als auch in den zur Finanzierung des Fastnachtsumzugs aufgestellten Spardosen stets präsent waren. Mit aller Macht hatte das närrische Geschwader der Gesprenzstadt Bürgermeister Joachim Knoke bereits am 21. Januar entthront. Nun legte das Narrenschiff des Carnevalverein Babenhausen (CVB) zur ausgelassenen Fremdensitzung ab – rund 400 Fans waren an Bord. „Im Dschungel sind die Affen los, nein, es sind die Narren bloß!“ – unter diesem Motto feiert der CVB seine närrische Kampagne.

Das Publikum in der Stadthalle ließ sich zu einer ausgelassenen Fastnachtssitzung mitnehmen, die mit allen närrischen Zutaten einer solchen Veranstaltung gespickt war.

Bereits der Einmarsch der Aktiven war ein Höhepunkt, hatte der Sitzungschef doch das Amt mit dem neuen US-Präsidenten getauscht. Statt des Sitzungspräsidenten nahm Amerikas Regent Platz: „Millionär und Grapscherkönig, Grimassen wie ein Schwein, schwörst ein Demokrat zu sein“, Trump-Mime Holger Plischke nahm kein Blatt vor den Mund.

Bei der ersten Fremdensitzung des CVB wurde die Stadthalle zur Bastion der guten Laune.

„Die blond’ Perück‘, die macht nur blöd!“, befand der Narrenmoderator allerdings und schlüpfte zurück ins eigentlich Amt. Feuer frei für eine tolle Tanzshow hieß es anschließend, als die Prinzengarde mit einer rasanten Choreographie begeisterte. Die Juwelen des CVB, davon zeugte der Abend, finden sich besonders in den Tanzformationen. Drei Garden und zwei Ballettgruppen eroberten die Publikumsgunst sprichwörtlich im Flug. Die kleinsten Tanzmäuschen begeisterten ebenso wie das personifizierte Grauen, die CVB-Tanzgruppe, die einen schaurig-schönen Gruselshowtanz präsentierte.

War’s der Narrengott oder das Grippevirus? Das Männerballett war lahmgelegt und wird hoffentlich bis zur zweiten Fremdensitzung am Samstag, 18. Februar, wieder fit für die Bühne sein. Stattdessen wurde eine Truppe Barbies aus Sickenhofen importiert, die mit ihrem Showtanz über die Bühnenbretter wirbelte.

Das Narrenschiff, gut besetzt, schickte nach dem Kapitän seinen Protokoller in die Bütt, der in seiner Redd’ scharfe Pfeile abschoss. „Wenn man Dschungel und Affen addiert, erhält man was, was keiner kapiert: ein starkes Stück Bawwehäuser Lokalpolitik“, wetterte Joachim Heitzmann. Wehe, dem, der in den Fokus des Protokollers rückt: Vom Rathaus (Ratloshaus) über den Stadtrat (acht Nullen), den Bürgermeister (Oberverwaltungsamtsschimmel-As) ging es in die Fraktionen: „Hobbypolitiker, schwätze viel, wisse nix, als Dankeschön gibt’s Sitzungsgeld!“

Dass die deftige Redd’ aus Narrenmund einen wahren Kern hat, davon zeugten die vielen Spardosen, die Zugmarschall Helmut Fendt im Saal platzierte: Noch fehlt Bares, um den 62. Bawwehäuser Fastnachtsumzug restlich zu finanzieren, „aber er kommt!“, versprach Fendt.

Auch die Tanzmäuschen der Kleinen Garde zeigten: Die Juwelen des CVB finden sich besonders in den Tanzformationen.

Verbiegen musste sich der anwesende Bürgermeister nun tatsächlich, denn es wurde kräftig geschunkelt. Die Sunshine Music Band blies zum Marsch und als der Kolonia Express, erstmals zu Gast, Fastnachtshits abfeuerte, gab es im Saal kein Halten mehr. Es gab ein Wiedersehen mit bekannten Karnevalisten (Monika Schledt) und echten Institutionen. Rote Nase, Schlapphut, Wohlstandsbäuchlein – wenn Ralf Knöpp die Bütt betritt ist Lachen Programm. Nach dem Motto „lieber Wortschfinger als Knoblauchzehe“ brach er eine Lanze für die Lebenslust eines übergewichtigen Wandergesellen. Die Pfündchen zählen muss diese Truppe nicht: Die TV-Tänzerinnen von „Akzeptanz“ verwandelten sich in ihrer Show von eleganten Maiskölbchen in knuspriges Popcorn.

Hinter den Kulissen sorgte die Regie mit Renate Trippel, Petra Plischke, Ben Bachmann, Daniel Stöckel, Tom Luca Hartmann und Lukas Bernhardt für das Gelingen der Fastnachtssitzung. Und Hofmarschall Roland Keil überwacht die Einhaltung des närrischen Protokolls.

Bilder: Sitzung des Carnevalvereins Babenhausen

Gleich zwei närrische Paare führen derzeit das Regiment über Babenhausen. Prinz Carsten I., flankiert von „ihrer Lieblichkeit“ Prinzessin Anna Elena I. und Hofdame Nadine, muss seinen Narrenthron jedoch gewitzt verteidigen. Denn mit dem neuen Kinderprinzenpaar stecken ein paar Vollblutfastnachter in den Startlöchern, denen die Narretei in den Genen steckt. Prinzessin Runa I., Prinz Leon I. und Till René Hussli drohten bereits „wir werden regieren, das wär doch gelacht und zeigen denen im Rathaus, wie man’s wirklich macht!“ Zu fortgeschrittener Stunde wurde die Stadthalle zur Bastion der guten Laune.

Wer die erste Kostümsitzung in der Stadthalle verpasst hat, kann am Samstag, 18. Februar, ab 19.11 Uhr bei der zweiten Sitzung mitfeiern.

Quelle: op-online.de

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