Heiße Tänze und viel Historie

Lengschder feiern närrisches Jubiläum „6 x 11 Jahre ganz kunterbunt“

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Die TSV-Tanzgruppe (oben) heizte mit ihrem „Tropicana“-Tanz dem Publikum in der Markwaldhalle ein und auch Kirstin Goksch aus Semd als „Putz-Trudchen“ sparte nicht mit Reizen.

Langstadt - Schunkeln, Mitsingen und Applaus im Stehen: Über fünf Stunden sorgte die bunte Show auf der Bühne der Markwaldhalle für fröhliche Unterhaltung. Es galt ein närrisches Jubiläum zu feiern, denn die TSV-Karnevalsabteilung besteht seit 66 Jahren. Von Petra Grimm 

Der Blick ging deshalb auch zurück. Das Motto der Jubiläumssitzung „In Langstadt geht es rund – 6 x 11 Jahre ganz kunterbunt“ setzte der Kreativität der Kostümträger im fast voll besetzten Saal keine Grenzen. Hauptsache bunt. So fand sich jede Menge Narrenvolk zur Show ein, die viel Bewährtes, aber auch Neues bot. Sitzungspräsident Frank Ludwig Diehl verzichtete in diesem Jahr auf sein pointiertes Protokoll der kleinen und großen Politik, was bedauerlich war. Stattdessen warf er einen Blick zurück auf die Geschichte der TSV-Karnevalsabteilung, die im Oktober 1952 aus der Taufe gehoben wurde und seither Fastnachtssitzungen und seit 1978 auch Kindersitzungen auf die Beine stellt. Diehl erinnerte an die Sitzungspräsidenten und Programmhöhepunkte der Vergangenheit. Mit Dieter Schöffel, der von 1983 bis 2014 als „Fritzeschambes“ in der Bütt mit seinem typisch glucksendem Lachen für derbe Witze sorgte, holte er gleich zu Beginn ein Urgestein der Lengschder Fastnacht auf die Bühne, um seine Verdienste zu würdigen. Schöffel, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr aktiv ist, zeigte in einem kurzen Vortrag noch einmal, warum er zu den beliebten Dauerbrennern der TSV-Sitzungen gehörte.

Die werden nach wie vor mit überwiegend heimischen Bühnenakteuren bestritten. Die drei närrischen Legionäre unter den 18 offiziellen Programmpunkten waren in der Bütt zu finden. Vollblutfastnachter Ralf Knöpp aus Babenhausen lieferte als Stammtischbruder Singsang und teilweise hintergründigen Wortwitz, der einige Sekunden brauchte, bis er zündete. Aus Semd waren sowohl Kirstin Goksch als Putz-Trudchen als auch Ricky Heb, der den Trump gab, angereist. Goksch widmete sich den unergründlichen Geheimnissen diverser Kochanweisungen. So scheiterte sie daran, Nudeln abzuschrecken, Soßen (mit einem Faden) zu binden oder auch (trotz fünf Stunden Rad fahren) Mehl zu schwitzen. Ein Loblied auf das Kochen mit dem Thermomix beendete ihren Vortrag.

Farbenfrohe, temperamentvolle Showtänze sorgten, ebenso wie die Gardetänze, für Begeisterung im Saal. Vor allem als die TSV-Tanzgruppe, in deren Reihen auch einige Hergershäuser Frauen ihre Beine schwingen, zu heißen südamerikanischen Klängen, in fliegenden Röcken und sexy Korsagen einen mitreißenden Tanz boten, kochte der Saal. Da hielt es auch CVB-Prinz Ralf I. nicht mehr auf seinem Platz. Er stürmte begeistert auf die Bühne, um die jungen Damen zu küssen. Das aus Langstadt stammende große und kleine Prinzenpaar, Prinz Ralf I. und Prinzessin Ilka I., und die Kinder Tom III. und Lena Laureen I., wurden von CVB-Hofmarschall Roland Keil vorgestellt. Zur Überraschung der Gäste rockten die Kinderprinzen mit einem Tanz zur Musik „Despasito“ den Saal. Die 13-jährige Hofdame Victoria, die Tochter des Prinzenpaares, witzelte in einer gelungenen Rede über ihre schwierige Rolle bei dieser „Seniorenbetreuung“.

Klassische Gardetänze, Showtänze der Gruppe Kult als weibliche Matrosen auf dem Traumschiff und der Mädchen der Garde in pastellfarbenen Kleidchen zum Thema „Lollipop“ erhielten begeisterten Applaus. Die Gruppe „Glamorös“ ließ unter der Überschrift „Rockabilly“ die 50er und 60er Jahre tanzend hoch leben.

Das Männerballett als „Grannys in Action“ sorgte als Omas außer Rand und Band wie gewohnt für ungläubiges Staunen und Begeisterung. Im Gegensatz dazu waren die beiden Tanzmariechen Selina Danel und Emily Fischer auf der Bühne grazil und akrobatisch unterwegs. Emily bewies zudem als Nachwuchs in der Bütt im Zwiegespräch gemeinsam mit Lucas Duda Talent. Als zwei alte Frauen schlugen sich Ines Simon und Lydia Müller mit dem Problem rund um eine Milchtüte herum.

Fotos: Jubiläumssitzung vom TSV Langstadt

Nicht wegzudenken aus der Lengschder Fastnacht sind die Disharmoniker unter der Leitung von Dieter Haag. Mit ihren Stimmungsliedern sind sie seit über drei Jahrzehnten dabei. Ihr Song „Nein, nein, unsere Liebe sollte nicht sein. Sie war in Sickenhofen daheim“ wurde in Saal bereits angestimmt, da hatten die sieben Sänger noch gar nicht Position auf der Bühne bezogen. Sie hatten für einige ihrer Lieder auch Texte auf den Tischen ausgelegt und luden das Publikum zum Mitsingen ein. So stand einem interaktiven Sitzungsteil nichts im Wege.

Rockige Live-Musik hatten „Atze & Friends“ im Gepäck und mit einer humorvollen Playback-Show gastierte die wieder vereinte Kelly-Family auf der Lengschder Fastnachtsbühne. Die originelle Nummer der Langstädter-Comedygruppe „Minis ganz groß“ lebte von dem Gag, dass Kopf und Hände einer Person von zwei verschiedenen Bühnenakteuren übernommen wurden. Einer bewegte die Hände, der andere den Kopf.

- Für die zweite Sitzung am kommenden Samstag, 27. Januar, um 19.11 Uhr gibt es noch einige Restkarten bei Michael Salzner unter Tel.: 06073/89214.

Quelle: op-online.de

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