Fastnacht wie im Mittelalter

Langstädter Narren schlagen mit historischer Sitzung die Brücke zur 750-Jahr-Feier

Bauchtänzerinnen, Biene Majas und Disco-Queens: Das Männerballett hatte ein „Best of“ seiner Tänze und Kostüme mitgebracht.

Langstadt - „Fastnacht anno 1267“ lautete das Motto der Sitzung, die vom TSV Langstadt am Wochenende in der Markwaldhalle ausgerichtet wurde. Viele Kostüme, Gags und Tanzeinlagen wählten die Akteure passend zum Jubiläum aus, das der Ort in diesem Jahr feiert. Von Petra Grimm 

Hut ab vor dem TSV Langstadt, der sein knapp fünfstündiges Sitzungsprogramm fast ausschließlich mit Bühnenpersonal aus den eigenen Reihen bestücken kann. Von flotten Tanzgruppen, über Büttenreden bis zu Gesangsnummern: Zu 99 Prozent waren hier Lengschder Narren am Werk. Okay, ein Prozent Auswärtige in Form der beiden Büttenredner Ralf Knöpp aus Babenhausen und Ricky Heb aus Semd und die eine oder andere junge Tänzerin aus einem Nachbarort, mischten mit. Die Integration war auf jeden Fall gut gelungen. Denn die Zuschauer genossen bei der ersten von zwei Sitzungen in der Markwaldhalle am Samstagabend ein rundes Programm mit vielen Höhepunkten, das in gewohnter Manier von Sitzungspräsident Frank Ludwig Diehl mit einem Wechselgesang zwischen Elferrat und Publikum eröffnet wurde. Die zweite Strophe des Langstädter Fastnachtsklassikers wurde in diesem Jahr nicht angestimmt. „Sie ist den allgemeinen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen“, erklärte der Sitzungspräsident. Die leere Stadtkasse und die Folgen der vorläufigen Haushaltsführung boten Diehl Stoff für Gags. Dem mitfeiernden Bürgermeister hängte er aus Spargründen auch keinen Orden um, „weil das so ins Geld geht“.

Nachwuchstalente: Lucas Duda als Bauchredner Sascha Grammel und Yannic Koch als seine freche Vogelpuppe.

Da der Ort in diesem Jahr sein 750-jähriges Bestehen feiert – das Sitzungsmotto war dementsprechend „Anno 1267 – Fastnacht im Mittelalter“ – wolle man einen Bogen spannen vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit, sagte Diehl. Wobei sich von Handys und einigen Bauwerken abgesehen, so viel ja gar nicht verändert hätte. Denn Folter, Mord und die Flucht vor Kriegen habe es auch im vorigen Jahr gegeben. Womit Diehl rasch bei Erdogan war, „der die EU am Gängelband führt“ und die oppositionelle Presse einfach verbiete. Von da war der Weg nicht weit zu Putin und dem „Goldschopf namens Donald Trump“. „Seine Vorfahren kamen ja aus der Pfalz, aber wenigstens nicht aus Hessen“, so der Sitzungspräsident, der so zur Kommunalpolitik und Lengschder Themen kam. Ein dreifaches Helau gab es für die sportlichen Asse des Ortsteils und auch – das ist ein Novum – für die Linden am Langstädter Bahnhof. Denn eine von ihnen war im Frühjahr Opfer eines Anschlags geworden.

Einen historischen Exkurs lieferte der in Heimatkunde bewanderte Sitzungspräsident auch, wobei er seine Vermutung äußerte, dass Langstadt viel älter sein muss und irgendeiner die entsprechenden Urkunden verschusselt hat. „Weil, jetzt sieht es ja so aus, als ob Sickenhofen älter wäre.“ Das könne ja wohl nicht sein.

Die TSV-Tanzgruppe hatte ihren Showtanz zum Partyhit „Hulapalu“ von Andreas Gabalier einstudiert.

Dass die TSV-Sitzung fast ohne Legionäre auskommt, liegt auch an der guten Nachwuchsarbeit. Die kleinen Narren werden gefördert und erhalten die Chance, bei der Sitzung vor großem Publikum aufzutreten. „Dadurch werden sie motiviert, bei der Stange zu bleiben“, sagte Programmgestalter Heiko Duda. So kam eine der originellsten Nummern in dieser Nacht von Lucas Duda (12) und Yannic Koch (11), die den Comedian und Bauchredner Sascha Grammel und seine freche Vogelpuppe imitierten und zwar mehr als gelungen. Mit Viktoria Fischer als „Teenie-Girl auf Männerfang“ war noch eine zweite Büttenrede aus der Nachwuchsriege geboten. Als Kontrast dazu sorgte der Vollblutfastnachter und Routinier Ralf Knöpp als Wanderer mit Gewichtsproblemen für Lachtränen. So erklärte er, dass man bei einer Nulldiät ab 0 Uhr nichts mehr essen darf. „Ich habe jede Nacht die Polizei geholt, weil mich der Hunger überfallen hat.“ Als er mit seinen zwei Wanderfreunden in einer Berggondel saß, die für sechs Personen zugelassen war, wurde die Lage ernst: „Denn wir waren zu Dritt ja schon zu Acht.“ In der Bütt waren außerdem Michael Salzner, der den beschwerlichen Weg eines Bauherrn durch den Dschungel von Anträgen, Genehmigungen und Kreditverhandlungen beschrieb. Ricky Heb erinnerte humorig an den Fastnachtsklassiker Ernst Neger.

TSV-Sitzung „Anno 1267“ in Langstadt: Bilder

Garde- und Showtänze sorgten für Schwung auf der Bühne. Die Mittlere und die Große Garde schwangen ihre Beine. Das Tanzmariechen Selina Danel beeindruckte mit seiner akrobatischen Darbietung. Wie die beiden Garden wird auch sie von Uli Metzler trainiert. Die TSV Tanzgruppe begeisterte ebenso wie die tanzenden Vampire der Gruppe Glamourös und die Gruppe Kult als Indianer. Das Männerballett unter der Regie von Katja Krapp und Tanja Kaschta hatte ein „Best of“ seiner Tänze und Kostüme der vergangenen Jahre mitgebracht. Da tanzten Wikinger neben Biene Majas, Disco-Queens, Buschmännern, Bauchtänzerinnen und nackten Frisösen, dass es eine wahre Freude war. Für Stimmungslieder waren die Disharmoniker wieder im Einsatz, Live-Musik und Gesang lieferten Atze & Friends und eine schräge Playback-Parodie mit Tina Turner, Boney M. und Co. durch die Langstädter Comedy-Truppe brachte den Saal ebenfalls zum Toben.

Quelle: op-online.de

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