Narren stürmen das Rathaus

Leerer Stadtkasse zum Trotz

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Der Widerstand von Bürgermeister Joachim Knoke war zwecklos: Er übergab Stadtkasse und -schlüssel an Prinzessin Anna Elena I. und Prinz Carsten I.

Babenhausen - Der Umsturz ist geglückt. Das CVB-Prinzenpaar hat – unterstützt von seinem Hofstaat und dem närrischen Volk – schunkelnd und singend die Macht in der Stadt an sich gerissen. Ohne großen Widerstand rückte Bürgermeister Joachim Knoke den Schlüssel und die mit Schokolade gefüllte Stadtkasse heraus. Von Petra Grimm

Dass in Zeiten vorläufiger Haushaltsführung der Sekt zur Befriedung der Revolutionäre, die Blumen für die Prinzessinnen und die Schokotaler für die Kinder nicht wie sonst von der Stadt, sondern vom Carnevalverein Babenhausen bezahlt wurden, war für Vereinschef Klaus Fengel natürlich Anlass für Scherze: „Trotz der vorläufigen Haushaltsführung gibt es Sekt, Blumen und Schokolade, trotz der vorläufigen Haushaltsführung gibt es die Sitzungen und den Umzug. Dann kehren wir halt selbst. Wir feiern Fastnacht – wegen der vorläufigen Haushaltsführung!“

Die Schatulle des Kämmerers wollte in diesem Jahr eigentlich auch gar keiner haben: „Ab heute werden wir mit den Narren die Stadt verwalten, die leere Stadtkasse könnt ihr von mir aus behalten. Wir werden ab heute hier den Bajazz schwingen, in Eurem Büro werden wir tanzen und närrische Lieder singen“, rief Prinz Carsten I. dem Bürgermeister frech zu, der am Samstagvormittag ganz allein die Stellung halten musste. Weder ein Magistratsmitglied, noch Rathausmitarbeiter oder seine Sekretärin halfen ihm bei der Verteidigung seines Amtssitzes. Ob ihn seine Truppen im Stich ließen, weil er sie nicht bezahlen konnte, blieb ungeklärt. Hilfe suchend wandte er sich vom Fenster im ersten Stock des Rathauses an das feiernde Volk auf dem Marktplatz: „Gibt es denn keine anständigen Leute, die hier verweilen, die einem armen Bürgermeister zu Hilfe eilen?“ Nein, danach sah es nicht aus.

Widerstand war also zwecklos, zumal die närrischen Revolutionäre, angeführt von Prinzessin Anna Elena I. und Prinz Carsten I., zum ersten Mal mit einem Rammbock gegen die schwere Holztür vorgingen. Die begann tatsächlich bedenklich in den Angeln zu wackeln, so ernst nahmen die Prinzen ihre Mission. „Halt, halt, hört auf! Ihr habt´s geschafft, ich bin am Ende meiner Kraft“, gab Knoke auf und übergab den Schlüssel und die Stadtkasse.

Rathaussturm in Babenhausen: Bilder

Da tobte das Volk, unter ihnen auch Fastnachter aus den Stadtteilen. Der Kapitulation vorausgegangen waren ein Zwiegespräch zwischen Bürgermeister und Prinzenpaar, eine Ansprache der Kinderprinzen Leon I. und Runa I., ein flotter Tanz der Mittleren Garde und Schunkelrunden im Volk. Die waren auch nötig, denn bei knackigen sieben Grad minus halfen nur Tanzen und Singen oder eben Alkohol, mit dem der Wirt des Schwartzen Löwen die Aufständischen versorgte. Die Reden waren wieder aus der Feder von Hofmarschall Roland Keil geflossen, der bereits in den Sommermonaten beginnt, an seinen geschmeidigen Reimen zu feilen.

Aber auch am Samstag schrieb das Leben selbst gute Gags. So fiel beim Abschlusslied „Einmal Prinz zu sein“ die Musikanlage für einen Moment aus, was natürlich sofort für Spott und Gelächter im Volk sorgte. „Ist der Strom jetzt abgestellt, weil die Stadt ihre Rechnung nicht bezahlt hat? Haben Sie da eine Art Prepaid-Karte oder was?“, rief der gut gelaunt CVB-Präsident Klaus Fengel dem Bürgermeister zu. Eine Stimme aus der närrischen Masse forderte Fengel auf, doch gemeinsam mit Knoke ein Fahrrad zu besteigen und in die Pedale zu treten, um per Dynamo für Strom zu sorgen.

Quelle: op-online.de

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