Feier mit Einhorn und einer Sternenkönigin

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Der Auftritt eines Einhorns kündete beim Sternenglanzfest von der wunderbaren Welt der Fantasie.

Harpertshausen ‐ Das Lagerfeuer knistert, die Fackeln erhellen nur mühsam am frühen Abend die sich ankündigende Nacht, die schon um kurz nach halb fünf am Harpertshäuser Wasserhäuschen hereinbricht. Von Michael Just

Fast scheint es, als sollten die Fackeln, die im „MorgenArtPark“ des Künstlers Jan Bürli fest im Schnee stecken, kleine leuchtende Gegenpunkte zu den Sternen am Himmel sein. Beim „Sternenglanzfest“ vor den Toren Harpertshausens ist dieses Jahr nach den vorangegangenen Problemen mit der Stadt aufgrund eines abgelehnten Kaufantrags für das Areal alles ein bisschen kleiner und familiärer als sonst, nur die erwartungsfrohen Kinderaugen sind wie immer gleich. Die Kinder kommen von der Kita in Hergershausen und damit jener Einrichtung, in der der Künstler gerade als Erzieher tätig ist.

Was wäre ein „Sternenglanzfest“ ohne eine kleine Sternenkönigin?

Für sie und ihre Eltern gibt es warme Getränke, Gebackenes und aus den Lautsprechern singen Kinderstimmen Besinnliches zur Adventszeit. Wer möchte, kann eine kleine, geführte Runde auf dem Schimmel von Bürli antreten, der ein goldenes Horn auf der Stirn trägt und als Einhorn auftritt. Doch was wäre ein „Sternenglanzfest“ ohne eine kleine Sternenkönigin? Im Kindergarten hat man das älteste Mädchen, Angelina Krickser, für die Rolle ausgewählt. Ihr weißes Kostüm, das sie von Bürli bekam, zieren viele kleine Sterne und es ist kunstvoll drapiert.

Nachdem die junge Hergershäuserin wusste, dass sie diese Verantwortung übertragen bekommt, zeigte sie sich in den letzten Tagen besonders brav. „Das war alles ganz wichtig für sie: Angelina hat sich um die anderen Kinder gekümmert und geholfen wo sie nur kann, damit das mit der Rolle klappt“, erzählt Bürli anerkennend. Mit ihrem Auftreten und dem Ritt auf dem Einhorn wird die Sechsjährige an diesem Abend stellvertretend für die Träume und die Fantasie aller Kinder stehen.

Träume an die Wirklichkeit heran

Dabei ist es auch ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die „echte“ Sternenkönigin auf die Erde kommt. Der Anblick von Angelina, die an diesem Abend wie das glücklichste Kind der Welt wirkt, stimmt Bürli froh: „Ich suche immer wieder diese erwartungsvollen Gesichter, in denen noch nicht alles passiert ist.“ Deshalb sei es besonders wichtig, dass Träume und Fantasie der Kinder wahr werden – und wenn es nur im Spiel ist.

Für Bürli ist die Sternenkönigin mehr als nur ein Fantasiegebilde: „Diese Figur hat eine allgemeine Gültigkeit, weil dieser Stern, nach dem alle Kinder greifen wollen, ganz wichtig für ihre Entwicklung ist.“ Auch wenn man das Greifen nach den Sternen laut dem Künstler nur spielen könne, verbindet der Österreicher damit mehr als eine kindliche oder gar nur lustige Sache: „Je ernster wir an die Sache rangehen, umso mehr rücken wir mit unserer Fantasie und unseren Träumen an die Wirklichkeit heran.“

Und siehe da, wenig später kam die große Sternenkönigin tatsächlich vom Himmel auf die Erde herunter. Im Wasserhäuschen auf der Empore schlief ein junges Mädchen, das ebenfalls in ein helles Kostüm gekleidet war und dessen Körper von vielen, kleinen, gelb leuchtenden Lichtlein überzogen war, die an das Funkeln der Sterne erinnerten.

Süße Überraschung

Auf wunderbare Weise stellte die 16-jährige Harpertshäuserin Jana Timmerhaus mit einem melancholisch verklärten Blick die „echte“ Sternenkönigin dar. Nachdem sie geweckt worden war, nahm sie jedes Kind einzeln auf den Schoß und fragte mit ruhiger Stimme nach Träumen, Hobbys und Wünschen für das nahe Weihnachtsfest. Natürlich hatte sie auch eine süße Überraschung in Form eines kleinen Geschenks parat. Und so verschmolzen plötzlich Traum und Wirklichkeit am Wasserhäuschen mit der Botschaft, dass fast alles wahr werden kann, wenn man nur fest daran glaubt.

Quelle: op-online.de

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