Feinmotorik im Schutzanzug

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Gar nicht so einfach: im Chemikalienschutzanzug und mit dicken Handschuhen eine Schraube aufdrehen.

Babenhausen - (pg) Gar nicht so einfach im Chemikalienschutzanzug mit eingeschränkter Sicht und zwei Paar Handschuhen übereinander eine Schraube aufzudrehen. „Manchmal werfen wir auch einen Cent auf den Boden und die Männer müssen ihn aufheben. Die Fingerfertigkeit ist nämlich sehr eingeschränkt.

Dafür sollen sie ein Gefühl bekommen“, erklärte Kreisbrandmeister Uwe Reimund aus Ober-Ramstadt.

Er leitete - unterstützt von den beiden Ausbildern Klaus Weber und Florian Sawallich - den Lehrgang für Träger von Chemikalienschutzanzügen auf dem Babenhäuser Feuerwehrstützpunkt, an dem mehrere Tage lang 15 Feuerwehrleute aus Langstadt, Harpertshausen, Sickenhofen und Hergershausen mit Erfolg teilnahmen.

Die Feinmotorikübung im Schutzanzug wurde noch dadurch erschwert, dass auf die Männer Wasser nieder prasselte. „Das ist im Ernstfall ja oft auch so, dass die Chemikalie auf uns herunter rieselt. Die Männer sollen damit vertraut gemacht werden, wie es sich anfühlt, wenn der Anzug dadurch langsam kalt wird“, erklärte Stadtbrandinspektor Mario Wörner. Und dieses Training, dem zwei Tage Büffeln von Theorie vorausgegangen war, hatte es in sich. Dafür sorgten nicht nur die Saunatemperaturen im Inneren des Anzugs, der die Männer komplett von der Außenwelt abschließt. Die „Verpackung“ in Atemmaske und Schutzanzug, aus dem man ohne die Hilfe eines Kameraden nicht mehr alleine raus kommt, ist an sich schon eine körperliche und psychische Belastung. Aber dann in voller Montur auch noch durch eine Röhre kriechen oder über einen Balken balancieren, ist eine echte Herausforderung.

Nur 30 Minuten dürfen Rettungskräfte die Atemmaske tragen

Maximal 30 Minuten dürfen die Rettungskräfte im Schutzanzug mit Atemmaske sein. Länger reicht die Luft nicht. „Reine Arbeitszeit ist 20 Minuten. Die restlichen zehn Minuten benötigen wir für die Dekontamination“, erklärte der Stadtbrandinspektor, während im mobilen Dekontaminationszelt mit der Reinigung begonnen wurde. „Wenn der Einsatz aber auf einer Autobahn stattfindet und es sehr heiß ist, so dass der Asphalt auch noch Hitze abgibt, können wir normalerweise gar nicht so lange im Anzug arbeiten“, so Wörner.

Ernstfälle mit Chemieunfällen sind zum Glück in unserem Land eher selten. Aber im Fall der Fälle sind sie eine nicht unerhebliche Gefahr auch für die Rettungskräfte. Bei einem Unfall mit einem Gefahrguttransporter beispielsweise - so geschehen am Montag zwischen Babenhausen und Langstadt - gilt es so schnell wie möglich herauszufinden, um welche Substanz es sich handelt.

Wenn der Fahrer keine Angaben mehr machen kann, müssen die Feuerwehrleute in den Begleitpapieren nachsehen, die in jedem Fahrzeug liegen müssen. „Wenn der Stoff identifiziert ist, müssen wir recherchieren, wie er zu bekämpfen und zu beseitigen ist und wie lange der Anzug ihm stand hält“, erklärte der Stadtbrandinspektor, der froh ist, dass sich unter seinen freiwilligen Feuerwehrleuten, Aktive finden, die diesen Lehrgang absolvieren.

Auch Bürgermeisterin Gabi Coutandin kam noch vorbei, um sich bei den Teilnehmern für ihr Engagement zu bedanken.

Quelle: op-online.de

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