Festnahme wie in einem Film

Darmstadt/Babenhausen - Andreas D. bleibt hinter Gittern. Vorerst zumindest. Die Staatsanwaltschaft reagierte auf den von den Verteidigern am Ende des vorangegangenen Verhandlungstags vorgelegten Haftprüfungsantrag mit einer schriftlichen Stellungnahme. Von Veronika Szeherova

Darin heißt es, dass weiterhin dringender Tatverdacht gegen den Angeklagten im Babenhäuser Doppelmordprozess bestehe. An den Indizien werde festgehalten, nur D. komme als Täter infrage. Verlesen wurde das Schreiben nicht – es bedürfe keiner Erläuterung in der Hauptverhandlung.

Und so ging der elfte Prozesstag vor dem Darmstädter Landgericht seinen gewohnten Gang. Wieder waren Mitarbeiter der Firma als Zeugen geladen, in der Andreas D. bis zu seiner Inhaftierung tätig war. Und wieder fiel ein Satz öfter als alle anderen: „Ich weiß es nicht mehr, es ist schon so lange her.“ Einer wollte sich nicht einmal daran erinnern, wie bei einer Sitzung die Firmenleitung mitteilte, dass die Polizei zum Spiegeln der Computerfestplatten komme. Geschweige denn daran, was konkret im Kollegenkreis über die Tat geredet worden sei.

„So ein Mord passiert doch nicht alle Tage“

„Dass man neugierig ist und miteinander darüber spricht, ist doch nur allzu menschlich – so ein Mord passiert doch nicht alle Tage“, ermutigte der Vorsitzende Richter Volker Wagner die Zeugen. Alle sagten aus, mit ihrem Kollegen Andreas D. in den Tagen und Wochen nach der Tat gesprochen zu haben. In seinem Verhalten hätten sie dabei nie etwas Auffälliges bemerkt. Er sei immer ein besonnener, ruhiger und zuverlässiger Mensch gewesen. Auch als er bereits verdächtigt wurde, habe er offen davon gesprochen. „Er hat erzählt, wie er auf dem Weg zur Arbeit wie in einem Film von der Polizei angehalten, auf den Boden geworfen und festgenommen wurde“, erinnerte sich ein Kollege. „Er sagte damals, hoffentlich finden sie bald den Richtigen, damit er wieder seine Ruhe haben kann.“

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Von den Lärmbelästigungen durch die Nachbarn wussten die meisten Kollegen ebenfalls aus seinen früheren Erzählungen. Eine Mitarbeiterin von der Chefetage erinnerte sich an ein längeres Gespräch mit Andreas D. kurz nach der Tat: „Er war sehr ruhig, zeigte sich nicht geschockt. Ich dagegen wäre vermutlich sehr aufgewühlt gewesen, wenn in meiner direkten Nachbarschaft so etwas passiert wäre.“ Vielmehr habe er ihr geschildert, dass die Familie „in sich kaputt“ gewesen sei. Aber sie räumte ein, dass jeder mit einer solchen Situation anders umgehe. Wie alle anderen Mitarbeiter der Firma könne sie sich nicht vorstellen, dass er die Tat begangen habe.

Zeuge habe Andreas D. mit blauen Müllsack hantieren sehen

Ein bereits pensionierter Kollege aus der Werkstatt sagte aus, er habe am Montag nach der Tat Andreas D. mit einem halb gefüllten blauen Müllsack hantieren sehen. Damals habe er sich nichts dabei gedacht. „Doch dieses Bild tauchte wieder in mir auf, nachdem ich zum Prozessauftakt als Zuschauer hier gewesen bin. Es hat in mir gewühlt, und deshalb muss ich es jetzt erzählen, um mein Gewissen zu erleichtern“, sagte der 63-Jährige. Auch habe er etwa zwei Wochen nach der Tat gesehen, wie Andreas D. „am offenen Computergehäuse auf seinem Schreibtisch etwas macht.“ Danach wurde bekanntermaßen sein Rechner ausgetauscht. Die Staatsanwaltschaft stellte jedoch keine vertiefenden Fragen zu diesen Beobachtungen. Die Verteidigung hielt sie geradezu für lächerlich.

Verteidiger zufrieden mit der Entwicklung im Prozess

Obwohl die Haft nicht ausgesetzt wird und weiterhin dringender Tatverdacht bestehe, zeigte sich Verteidiger Christoph Lang zufrieden mit der Entwicklung im Prozess. Zwar sei ein Teil des Haftprüfungsantrags hinfällig, da die fehlenden DNA-Spuren einem der Ermittler zugeordnet werden konnten, aber die anderen Punkte hätten Bestand. „Die Internetspur ist nicht ausreichend, das muss das Gericht anerkennen“, so Lang im Pressegespräch. „Dieses Indiz entbehrt jeder Logik, wie sich gezeigt hat.“

Auch die Schmauchspuren auf der Bundeswehrhose seien nicht aussagekräftig. „Da keinerlei Hautschüppchen am Tatort gefunden worden sind, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Täter eine Art Ganzkörperkondom getragen haben muss. Das steht im Widerspruch zu den Spuren auf der Hose.“

Am 27. April wird der Prozess fortgesetzt.

Quelle: op-online.de

Rubriklistenbild: © Michael Grabscheit/pixelio.de

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