Neues Hubrettungsfahrzeug das modernste im Kreis

Höher, stärker, prozessorgesteuert

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Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg wagte sich in den Rettungskorb und stieg in luftige Höhen auf.

Babenhausen - Mit der offiziellen Übergabe des neuen Hubrettungsfahrzeugs mit der Bezeichnung „Metz Teleskop-Gelenkmast (TGM 32)“ an die Babenhäuser Feuerwehr ist die Stadt sicherer geworden. Von Petra Grimm

Ob die städtische Investition von 571.000 Euro in das Fahrzeug in Zeiten knapper Kassen sinnvoll war, fragte Bürgermeisterin Gabi Coutandin bei der von den Kleestädter Feuerwehrmusikanten umrahmten Feierstunde am Samstagnachmittag: „Brauchen wir es wirklich?“ Mit Blick auf die zahlreichen mehrgeschossigen Wohnungen und Gebäude wie das Altenwohnheim in Harreshausen sieht sie auf jeden Fall einen Bedarf.

„Die schnelle Rettungsmöglichkeit ist nötig. Das Fahrzeug wird außerdem auch den anderen Feuerwehren im Landkreis zur Verfügung gestellt, wenn sie es brauchen“, sagte Coutandin.

Neuanschaffung schon lange vorgesehen

Im Bedarfs- und Entwicklungsplan der Freiwilligen Feuerwehren der Stadt war eine Neubeschaffung bereits seit 2009 vorgesehen. Der bisherige Gelenkmast, Baujahr 1996, entsprach nicht den Richtlinien als Hubrettungsfahrzeug und war wegen verschiedener technischer Mängel nur noch sehr bedingt einsatzfähig. Er wird auch weiterhin beim Bauhof genutzt werden.

Aber zur Menschenrettung wird jetzt „das modernste Hubrettungsfahrzeug im Landkreis“ ausrücken, wie Kreisbrandinspektor Ralph Stühling betonte. Er nannte auch das breite Spektrum an technischen Hilfeleistungen, die der neue Gelenkmast abdeckt. So wird er sicher bei Sturmschäden von Nutzen sein, ebenso bei der Patientenrettung in Gebäuden mit engen Treppenhäusern.

„Das neue Hubrettungsfahrzeug ist für die Bürger, nicht für die Feuerwehr“, sagte Wehrführer Florian Sawallich, der aus den Händen der Bürgermeisterin die Schlüssel offiziell entgegen nahm. Er erläuterte einige technische Details des mit einem 340 PS starken Motor ausgestatteten Fahrzeugs, das aus einem MAN-Fahrgestell und Metz-Aufbau besteht. Die feuerwehrtechnische Beladung des alten Gelenkmastes wurde zu großen Teilen übernommen.

850 Stunden Ausbildung und Schichtbetrieb

Im November 2012 hatte der Magistrat dem Vorhaben zugestimmt. Eine umfangreiche Planungsphase unter der Leitung von Stadtbrandinspektor Mario Wörner hatte bereits im Jahr 2010 begonnen. Seit Anfang September ist das neue Hightech-Fahrzeug im Stützpunkt, wo sofort eine umfangreiche Einweisung der Feuerwehrleute begann.

„Wir haben bereits 850 Stunden Ausbildung im Schichtbetrieb absolviert. Jeder Maschinist muss 30 Stunden leisten“, sagte Sawallich. Bereits 34 Feuerwehrleute des Stützpunktes wurden an dem neuen Fahrzeug ausgebildet, das mit einem auf 32 Meter Höhe ausfahrbaren Rettungskorb für sechs Personen ausgerüstet ist. Beim Vorgängerfahrzeug kam man nur in 22 Meter Höhe.

Neu ist jetzt auch, dass neben dem Arm noch zusätzlich eine Leiter hochfährt, wodurch mehr Feuerwehrleute hoch beziehungsweise Menschen, die gerettet werden müssen, mit nach unten gehen können. „Die zugelassene Korblast ist jetzt 600 Kilogramm, vorher waren es 270 Kilogramm“, sagte der Wehrführer. Zudem kann eine Krankentragehalterung mit 250 Kilogramm Traglast genutzt werden. Während der alte Gelenkmast eher mechanisch arbeitete, was auch seine Vorteile hat, überwiegt beim neuen die Elektronik. „Es gibt 17 Computerprozessoren, die den Betrieb überwachen“, sagte Sawallich.

Zur Vorführung und wurde das Fahrzeug nach den Ansprachen aus der Halle in den Hof gefahren. Stadtverordnetenvorsteher Wulf Heintzenberg betonte, dass die Stadtverordneten dieser rein städtischen Investition – Zuschüsse des Landes zu diesem Fahrzeugtyp gibt es nicht – einstimmig zugestimmt hätten. Er äußerte den Wunsch, dass die technischen Einsätze die Rettungseinsätze überwiegen.

Als Flieger und Vorsitzender des Babenhäuser Luftsportclubs hatte er keine Probleme damit, eine „kleine Fahrt“ mit dem Rettungskorb in luftige Höhen zu unternehmen. Im Gegensatz zur Bürgermeisterin, die aus gut nachvollziehbaren Gründen dankend ablehnte und lieber auf dem Boden blieb.

Ein ganz besonderes Geschenk hatte Bäckermeister Heinz Lautenschläger zur Fahrzeugübergabe angefertigt: Die Torte mit dem Stadtwappen und der Abbildung des neuen Fahrzeugs wurde vom Wehrführer, dem Stadtverordnetenvorsteher und der Bürgermeisterin gemeinsam angeschnitten und an die Gäste verteilt.

Quelle: op-online.de

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