Übung der Feuerwehr

Pyrotechnik simuliert den Ernstfall

+
Bei der Waldbrandübung wurde der Einsatz täuschend echt nachgestellt. Auch beim Löschen war dabei Vorsicht geboten.

Babenhausen - Rauchwolken wehten über den Waldboden und aus einem Lautsprecher dröhnte lautes Knistern und Krachen – Geräusche, die bei einem Waldbrand entstehen. Von Petra Grimm 

Achim Frankenberger und Kevin Altwasser vom Pyrotechnik-Team der Babenhäuser Feuerwehr legten sich am Samstagvormittag ins Zeug, um für die Feuerwehrleute bei der großen Katastrophenschutzübung im Babenhäuser Wald die tatsächliche Atmosphäre eines solchen Brandeinsatzes zumindest ein bisschen zu simulieren.

Insgesamt 142 Feuerwehrleute aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Offenbach und Aschaffenburg trainierten mit 31 Löschfahrzeugen das Waldbrandszenario unter der Leitung des Babenhäuser Feuerwehrmanns René Beck. Neben allen Babenhäuser Stadtteilwehren waren die Feuerwehren aus Schaafheim, Münster, Eppertshausen, Dieburg, Rodgau, Groß-Ostheim und Stockstadt im Einsatz.

Die angenommene Situation war eine brennende, dicht bewaldete Fläche von 600 auf 800 Meter nordwestlich von Sickenhofen. „Hier wachsen vor allem Kiefern. Begünstigt wird die Brandausbreitung durch Altholz und Sträucher, sowie üppige Bodenvegetation“, erklärte Pressesprecher Werner Flechsenhar. Nach der Erkundungsphase durch die Babenhäuser Feuerwehr wurde sofort klar, dass weder die Wasservorräte noch die Zahl der Einsatzkräfte ausreichten, um der Lage Herr zu werden. So wurden sogar Feuerwehrleute über die Kreis- und Landesgrenze hinaus alarmiert. Das DRK aus Münster war eingebunden und der Babenhäuser Luftsportclub half mit einem Flugzeug, das „Feuer“ von oben zu beobachten. Benötigt wurden vor allem weitere Tanklöschfahrzeuge, um im Pendelverkehr das Löschwasser an die Einsatzstelle zu transportieren.

Fluchtweg immer freihalten

Darauf lag bei dieser Übung ein Hauptaugenmerk, wie auch Kreisbrandinspektor Ralph Stühling, der als Beobachter vor Ort war, bestätigte. „Wir machen jedes Jahr 15 kreisweite Übungen, darunter sind immer zwei Waldbrandsimulationen, eine im Ost- und eine im Westkreis. Die Schwerpunktaufgabe in den letzten Jahren war dabei immer die Wasserbeförderung über lange Strecken“, sagte Stühling. Es galt also, lange Schlauchleitungen zu legen und mit den Fahrzeugen einen Pendelverkehr aufzubauen.

Um dieses Kernproblem – das Wasser zum Feuer zu bringen – zu bewältigen, nutzten die Babenhäuser auch einen großen Tankbehälter, den Ralf Geißler zur Verfügung stellte und einen kleineren Wasserbehälter vom Bauhof. Die beiden Wassertanks können auch im Ernstfall immer wieder befüllt und als Puffer genutzt werden. Die zahlreichen Tanklöschfahrzeuge mit maximal 5000 Liter Kapazität hatten die Aufgabe, Wasser aus den Hydranten und einem Fischteich zu transportieren. Was gut geplant und koordiniert werden muss. Denn es gibt in den Wäldern zwar ein gutes Wegenetz, aber für Schwerlastverkehr ist es eher nicht ausgerichtet. „Es muss darauf geachtet werden, dass bestimmte Wege, wie in einer Art Kreisverkehr um die Brandstelle, nur in eine Richtung befahren werden“, sagte ein Feuerwehrmann. Denn Feuerwehrfahrzeuge, die sich auf den Waldwegen entgegen kommen, haben ein Problem: Sie kommen nicht aneinander vorbei. Auch ein Fluchtweg muss immer frei gehalten werden, dass die Einsatzkräfte im Ernstfall, wenn der Wind dreht, nicht plötzlich vom Feuer eingeschlossen werden.

Letzter Waldbrand liegt etwa sechs Jahre zurück

Die Langstädter Brandschützer, die direkt an der Brandstelle in Aktion zu beobachten waren, hatten ihr Tanklöschfahrzeug auf einem Weg abgestellt und pumpten das Wasser von einem Hydranten in ihr Fahrzeug, aus dem es dann in die Schläuche schoss. Revierförster Lothar Seipp war im Wald dabei, denn die Ortskenntnisse der Förster sind bei einem solchen Einsatz unverzichtbar. „Früher war bei Waldbränden der Revierförster sogar der Einsatzleiter. Das hat sich inzwischen geändert, denn die Technik der Feuerwehr ist so komplex geworden, dass die Forstamtsmitarbeiter da nicht mehr genug Kenntnisse haben“, sagte Seipp, der auf Brandschutzstreifen in Form von Roteichen hinwies: „Diese schmalen Laubholzstreifen neben den großen, schnell brennenden Kieferkulturen, verhindern ein Ausbreiten des Feuers. Denn unter dem dichten Laubdach ist es so dunkel, dass kaum Gras wächst. So kann sich das Feuer am Boden nicht weiter ausbreiten und ein Überspringen wird verhindert“. Große Waldbrände, wie in den USA oder Australien, sind bei uns zum Glück eher selten. In Babenhausen liegt der letzte etwa sechs Jahre zurück. „Da brannte es an der Grenze zu Stockstadt“, erinnerten sich Lothar Seipp und Werner Flechsenhar, nach dessen Informationen im vergangenen Jahr in ganz Hessen 35 Waldbrände registriert wurden. „Betroffen war eine Gesamtfläche von neun Hektar, von denen zwei Hektar komplett abgebrannt sind“, so der Pressesprecher.

Zeitgleich zur Übung hatte auch die Küchencrew der Babenhäuser Feuerwehr einen umfangreichen Einsatz. Denn sie kochte in ihrer Feldküche Gulasch mit Klößen und Rotkraut für alle Teilnehmer zur anschließenden Stärkung.

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz (2013)

Feuerwehr und Katastrophenschutz im Einsatz 

Quelle: op-online.de

Kommentare