Feuerwehr muss aufrüsten

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Der Umgang mit dem Satz neuer Rettungsgeräte, die vor allem bei Pkw-Unfällen benötigt werde, wurde am Stützpunkt trainiert.

Babenhausen - Die Sicherheitstechnik in Autos wird immer besser. Das bedeutet für die Feuerwehr, die von außen in Unfallautos eindringt, um Menschen zu befreien, dass sie aufrüsten muss. Von Petra Grimm

Der Umgang mit einem neuen Satz stärkerer Rettungsgeräte – Spreizer, Schere und Universalschneider – gehörte deshalb zum Programm der Tagesübung der Babenhäuser Feuerwehr am Samstag.

„Die gesamte Fahrgastzelle ist stabiler geworden. Es gibt heute hochfeste Materialien. Mit unseren alten Geräten stoßen wir da schnell an die Grenzen. Die sind nicht mehr in der Lage, Türholme zu schneiden oder die Scharniere der Türen zu öffnen“, sagte der Feuerwehrmann Klaus Rühl. „Gerade am gestrigen Freitag hatten wir einen Verkehrsunfall, bei dem ein neuer Corsa seitlich gegen einen Mercedes-Transporter gefahren ist. Trotz des versetzten Aufpralls, was extrem für die Autos ist, ist die Fahrgastzelle stabil geblieben. Der Fahrer konnte über den Beifahrersitz herausklettern. In einem anderen Fall wäre da Rettungsgerät nötig gewesen“, sagte Klaus Rühl, der bei der Übung gemeinsam mit Bernd Wagner als Ausbilder die erste Station auf dem Stützpunkt betreute. Hier öffneten die Feuerwehrleute mit den neuen Rettungsgeräten ein Autowrack.

Rund 30 Feuerwehrleute durchliefen am Vormittag in zwei Gruppen aufgeteilt insgesamt zwei Stationen und trainierten am Nachmittag dann noch gemeinsam einen Brandangriff mit Menschenrettung. Technische Hilfeleistungen überwiegen gegenüber den Brandeinsätzen seit Jahren. „Wir hatten in diesem Jahr bisher 84 Einsätze, vor allem viele Ölspuren zu beseitigen“, sagte Wehrführer Florian Sawallich, der gemeinsam mit Christoph Hiemenz als Ausbilder die zweite Station auf dem von der Stadt angekauften Grundstück neben der Kita Ludwigstraße betreute. Auf diesem Gelände mit einer alten Scheune und Wohnhaus übten die Feuerwehrleute das Zusammenbauen und Aufstellen verschiedener Leitern und frischten ihre Kenntnisse über Knoten auf. „Acht unterschiedliche Knoten gehören zum Standard der Feuerwehr. Das ist Handwerkszeug, das wir beherrschen müssen. Es gehört eigentlich zum Programm der Jugendfeuerwehr und muss ab und zu aufgefrischt werden. Im Einsatz kommt es nicht so oft dran, aber wenn man es braucht, muss es sitzen“, sagte Sawallich.

Das Hantieren beispielsweise mit der dreiteiligen Schiebeleiter mit zwölf Metern Einsatzlänge in einem engen Hof ist kein Kinderspiel und muss trainiert werden. Denn gerade in der Altstadt oder engen Hinterhöfen kann der Gelenkmast nicht immer benutzt werden, so dass die Rettung von Menschen oder auch der Brandangriff über Leitern gehen muss. Wie der Aufstellwinkel sein muss, der Untergrund befestigt oder die Leiter gesichert wird, wurde besprochen, ehe es praktisch zur Sache ging.

„Heute üben wir zum ersten Mal mit der Leiter eine schiefe Ebene zu bauen, um einen Verletzten zu retten. Das habe ich ganz neu von einem Lehrgang mitgebracht“, sagte Florian Sawallich. „Wir stellen uns bei der Übung vor, dass ein Bauer mit Herzinfarkt auf dem Zwischenboden der Scheune liegt und runtergeholt werden muss. Auf einer Krankentrage lassen wir ihn dann die schief angelegte Leiter herunterrutschen.“

Quelle: op-online.de

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