Aus Trümmern in Schleifkorbtrage

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An der Übungsstation auf dem Stützpunkt ging es um den Umgang mit Gefahrgut nach einem Unfall.

Babenhausen - Da musste jeder einzelne gut überlegen, welchen Stein er wo wegnimmt. Denn wenn es der falsche ist, rutschen im schlimmsten Fall Geröll und große Gesteinsbrocken nach, die den Verschütteten oder auch die Feuerwehrleute, die ihn retten wollen, verletzen. Von Petra Grimm

Am Samstagvormittag ging alles gut, als die Babenhäuser Feuerwehr dieses Szenario auf einem großen Trümmerberg auf dem Firmengelände Hardt übte. Nach einer Gasexplosion oder einem Erdbeben sieht man solche Berge aus Stein- und Betonbrocken, in denen Helfer nach Verschütteten suchen. „Hier könnte auch ein Kind eingeklemmt sein, das auf dem Geröllhaufen gespielt hat“, sagte der Ausbilder Bernd Wagner, der gemeinsam mit Achim Frankenberger diese nicht einfache Station der zweitägigen Übung vorbereitet hatte. „Bei unserer Übung hier schauen der Kopf und ein Arm des Verletzten heraus. Das macht die Sache leichter. Im Ernstfall ist es jedoch oft so, dass man bei einem eingestürzten Haus beispielsweise gar nicht weiß, wo die verschütteten Menschen genau sind, an welcher Stelle man mit der Suche beginnen muss. Da werden dann die Rettungshunde oder das Technische Hilfswerk zur Hilfe geholt, um die Vermissten zu orten“, erklärte Wagner, während seine Kameraden, die über Leitern den Geröllberg hochkletterten, große Steine mit Holzstücken abstützten, um die wackelige und rutschige Angelegenheit zu stabilisieren.

Transportunfall mit Gefahrgut

Dass es vorher geregnet hat und der Betonstaub auf den Steinbrocken ziemlich schmierig war, erschwerte die Rettungsaktion. Aber nach einigen Diskussionen und Herumprobieren gelang es schließlich, den Verschütteten zu befreien und ihn mit der Schleifkorbtrage, die am Gelenkmast herübergereicht wurde, in Sicherheit zu bringen. Im Ernstfall übernimmt jetzt der Notarzt den Geborgenen, der auch während der Befreiungsaktion dabei wäre, um den gesundheitlichen Zustand des Verschütteten zu überwachen. „Bei manchen Einsätzen ist viel mit Technik zu machen. Das hier war jetzt hauptsächlich Handarbeit. Sie haben das Problem gut gelöst“, zeigte sich Ausbilder Bernd Wagner zufrieden.

In ihren Chemikalienschutzanzügen waren die Feuerwehrleute bei der zweiten Übungsstation, die René Beck und Michael Rüd auf dem Stützpunkt vorbereitet hatten, unterwegs. Hier mussten die Einsatzkräfte zeigen, dass sie nach einem Transportunfall mit Gefahrgut umgehen können. Aus einem undichten Fass auslaufende Salzsäure wurde gebunden und der undichte Behälter leer gepumpt. Vorsichtig mussten die auf dem LKW umgefallenen Fässer mit der Säure entladen werden. Auch hier wurden Lösungsmöglichkeiten ausführlich besprochen. Denn das war beiden Trainingssituationen gemeinsam, dass die erfahrenen Feuerwehrleute den jüngeren, darunter auch Mitglieder der Jugendfeuerwehr, nicht vorgaben, was zu tun ist. Sie hielten sich - anders als es beim Ernstfall wäre – mit Ratschlägen eher zurück. „Es ist gewollt, dass die Leute sich Gedanken machen und gemeinsam Lösungen finden. Bei den Einsätzen, wenn es schneller gehen muss, werden natürlich mehr Befehle gegeben und weniger diskutiert“, sagte Wehrführer Florian Sawallich, der die große Übung gemeinsam mit seinem Stellvertreter Siegfried Kinz leitete.

Von Freitagnachmittag bis Samstagmittag trainierten die rund 40 Feuerwehrleute der Kernstadt in zwei Gruppen wechselnd die beiden Szenarien. Am Samstag nach dem Mittagessen war außerdem ein Fahrtraining mit den verschiedenen Fahrzeugen, einschließlich Boot, angesagt. Auch dafür durften die Feuerwehrleute das Gelände der Kiesgrube nutzen, das sich wegen der Steigungen und dem losen Untergrund gut für diese Ausbildung eignet. „Wir sind der Firma Hardt sehr dankbar, dass wir das Gelände immer wieder für unsere Übungen nutzen dürfen“, sagte der Wehrführer. Eigentlich sind diese aufwändigen, zweitägigen Übungen fester Bestandteil der Ausbildung bei den Babenhäuser Brandschützern. „Aber seit 2009 ist das die erste Zweitagesübung, die wir durchführen. Wir hatten die letzten beiden Jahre wegen der vielen Feste und des Kreisjugendfeuerwehrtages, den wir im vergangenen Jahr ausrichteten haben, gar keine Zeit dafür“.

Quelle: op-online.de

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