Feuerwehr-Übung: Auto trifft frontal auf Pflug

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Die martialisch anmutenden Pflugscheren verheißen nichts Gutes: Wer hier mit seinem Pkw kollidiert, muss meist herausgeschnitten werden.

Babenhausen - Die Decke über dem Kopf des Eingeklemmten, der in diesem Fall zum Glück nur ein Dummy ist, verheißt nichts Gutes. Es scheint, als habe der Kamerad den Unfall, bei dem er mit seinem Auto frontal in den hochgestellten Pflug eines Traktors fuhr, nicht überlebt. Von Michael Just

„Nein, diese Annahme ist falsch. Die Decke ist dazu da, ihn vor Verletzungen durch umherfliegende Glas-, Metall- oder Kunststoffsplitter zu schützen, die beim Einsetzen der Rettungsschere oder dem Spreizer entstehen“, erklärt Feuerwehrmann Rene Beck. Die Einsatzkräfte seien verpflichtet, bei „Verformungsarbeiten“ mit heruntergelassenem Visier zu arbeiten.

Am Mittwochabend traten rund 40 Brandschützer zu einer Übung in der Ziegelhüttenstraße an. Auf dem Reiterhof von Ralf Geissler, der ebenfalls der Feuerwehr angehört, hieß das Thema technische Hilfeleistung in der Landwirtschaft. Pressesprecher Werner Flechsenhar betrachtet die Übung als außergewöhnlich: „Wir dürfen heute alles nutzen inklusive der Landmaschinen“, sagt er. In den letzten Jahren hätte man das nur einmal gehabt. Zu den seltenen Übungsobjekten gehört ein Mähdrescher oder ein Schlepper mit großem Pfluggerät, so dass mit zwei Szenarien agiert werden konnte.

Einblicke in ein eher unbekanntes Feld

In einem Fall geriet ein Rollerfahrer in das Walzwerk eines Mähdreschers, im anderen stieß ein Autofahrer in den aufgestellten Pflug eines entgegenkommenden Traktors. „Er hat diverse Zacken abgekriegt und muss nun herausgeschnitten werden,“ beschreibt ein Übungsteilnehmer die Situation. Dass er einmal von „bergen“ und dann wieder von „retten“ spricht, klärt Flechsenhar auf: „Ist die Person am Leben, heißt es retten, ist sie tot bergen.“ Letzteres Schicksal hat den Rollerfahrer ereilt. „Wir haben ihn im Verlauf der Übung sterben lassen“, weiß der Pressesprecher über diesen unschönen, aber realistischen Werdegang, bei dem die Szenenbauer der Feuerwehr den Roller mit viel Mühe weit unter den Boden des Mähdreschers eingeklemmt haben.

Vor allem die landwirtschaftliche Beratung von Ralf und Wolfgang Geissler ermöglichte den Kameraden Einblicke in ein eher unbekanntes Feld. „Wie lässt sich die Spindel eines Mähdreschers heben?“, war dabei nur eine Frage. „Der Nutzen für uns ist deutlich. Sonst geht’s immer nur um normale Pkw“, bilanziert Flechsenhar mit Blick auf die Größe und Hydraulik landwirtschaftlicher Fahrzeuge.

Stützpunktfeuerwehr will weiterbilden

Für ihn zeigt die Übung, dass sich die Stützpunktfeuerwehr weiterbilden will und muss. Gerade bei technischer Hilfeleistung würde das Einsatzfeld immer größer, wie jüngst die Übung an einer Biogasanlage mit explodiertem Tank offenbarte. Mit den erneuerbaren Energien rückt laut dem Pressesprecher ein weiteres Thema ins Blickfeld, deren Hauptgefahren einer Auseinandersetzung bedürfen. Dazu gehörten Unfälle an Windrädern ebenso wie brennende Solaranlagen. Nicht zu vergessen seien die ständig wachsende Zahl an Elektroautos und Hybrid-Fahrzeugen. „Hier gibt es Unterschiede im Aufbau und in der Spannung. Das verlangt im Rettungsfall eine neue und differenzierte Vorgehensweise“, so Flechsenhar.

Quelle: op-online.de

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