Freie Sitzplätze sind Mangelware

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Unter der 112 fühlen sie sich wohl: Der Strohballenberg, den die Jugendwehr für die Kleinsten aufgebaut hatte, wurde offensichtlich angenommen.

Babenhausen - Welche Gläser sind größer: unsere oder deren? Das war im letzten Jahr die große Frage, als die Freunde der Feuerwehr aus dem bayerischen Babenhausen zu Gast auf dem Sommernachtsfest ihrer hessischen Kollegen waren. Von Michael Just

Bei Maßkrügen und „Halben“ (0,5 Liter), die in der Weißwurst-Region in die Höhe gestemmt werden, haben es die Blauröcke von der Gersprenz schwer. Zumindest lässt sich ein wenig mit frisch gezapftem Weizenbier dagegenhalten, was ebenfalls in Halbe-Liter-Gläsern daherkommt.

Das gab es auch am Samstag. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Freunde aus der Marktgemeinde nicht mitfeiern konnten. „Das klappt aus Zeitgründen nicht immer, beim Altstadtfest dürften sie aber wieder dabeisein“, sagte Heinrich Siebenschuh vom Vorstand des Feuerwehrvereins.

Aber auch ohne den liebgewonnenen Besuch aus dem Süden tat das dem Feuerwehrfest keinen Abbruch. Selbst das mittelalterliche Spektakel nur wenige hundert Meter weiter schien dem Fest keinen einzigen Besucher zu kosten: Regelrecht in Massen strömten die Menschen zum Stützpunkt und ließen freie Eckchen zur Mangelware werden – trotz mehrerer hundert Sitzplätze auf den Festzeltgarnituren.

Lange Schlangen vor dem Essen

Vor der Essensausgabe bildeten sich lange Schlangen in Fünferreihen, so dass ein wenig Geduld für ganz hungrige Mägen erforderlich war. Am Ende wurde aber jeder satt. Dafür sorgten rund 70 Helfer, darunter viele passive Mitglieder.

Über die Bewirtung in der Küche, die bei der Wehr einen ausgezeichneten Ruf genießt, gab es Neuigkeiten zu vermelden: Der Hackbraten wurde gegen diverse Schnitzelvariationen eingetauscht. „Das war einfach mal nötig“, brachte es Pressesprecher Werner Flechsenhar auf den Punkt, dass Abwechslung auf einen guten Speiseplan gehört.

In der Bar hatten die Biermixgetränke ausgedient, dafür fand Spritz Aperol den Einzug. Mit diesem Modegetränk zeigten sich die Verantwortlichen nah am Zahn der Zeit. Keine Änderung gab es bei den „Caipis“ und damit den Caipirinhas, die in die Feuerwehr-Bar gehören wie das Wasser zur Brandbekämpfung.

In direkter Nachbarschaft zum Weizenbierstand gab es noch ein Wein- und Sektausschank in einem kleinen Pavillon, so dass wirklich alle Vorlieben bedient wurden.

Babenhäuser identifizieren sich mit der Feuerwehr

Neben der bekannten Fahrzeugschau lief vor allem die Jugendfeuerwehr zur Hochform auf. Hinter dem Feuerwehrhaus bot sie eine kleine Rallye mit sechs Stationen an. Größter Beliebtheit bei den Kleinen erfreute sich der Berg aus Strohballen: Auf denen ließ sich mehrere Meter hoch klettern und Heu von oben runterschmeißen.

Für den großen Ansturm an der Bouxwiller Straße war auch das Wetter mitverantwortlich. Gegen 16 Uhr hörte es auf zu regnen, was die Männer und Frauen im Stützpunkt aufatmen ließ. So wurde zu den Klängen der Gruppe Metronom das Sommernachtsfest zum Sommernachtstraum.

Zum Sommernachtsfest schaltete die Feuerwehr auch ihren neuen Internetauftrittfrei.

Schaute man auf die Massen an Besuchern, zeigte das Fest vor allem eines: Die Integration der Feuerwehr in die Stadt. Selbst junge Menschen, die sonst nichts mit Feuerwehr zu tun haben, offenbarten sich zum Teil als passive Mitglieder. Das sind junge Männer, die nicht in der Einsatzabteilung aktiv und keine Feuerwehrmänner sind, aber als förderndes Mitglied Beitrag zahlen. „Es könnte ja auch mal bei mir brennen“, hört man nicht nur aus einem Mund.

Alt und Jung feiern zusammen

„Es ist offensichtlich: Die Babenhäuser unterstützen dieses Fest“, sagen Martin Lauer und Bernd Meinl. Für die beiden 43-Jährigen ist es mit die schönste Veranstaltung in der Stadt.

Meterweise Bier und andere Köstlichkeiten servierten die fleißigen Helfer beim Feuerwehrfest.

„Alle Babenhäuser sind da und man ist ein wenig unter sich.“ Das sei ein beliebter Unterschied zum Altstadtfest, bei dem sehr viele Leute aus der Umgebung kämen, die man nicht kenne. „Zudem feiern Alt und Jung zusammen und bilden eine geschlossene Einheit“, ergänzen sie. Auch das sei in dieser Weise einzigartig und lasse sich kaum auf anderen Festen finden.

Quelle: op-online.de

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