Was wird aus dem Feuerwehrhaus?

+
Das Feuerwehrhaus in Harreshausen präsentiert sich als relativ frisch saniert. Als Treffpunkt für Vereine und alle Bürger käme es an Umbauten an einigen Stellen trotzdem nicht herum.

Harreshausen - Es gibt einen Schulungs- und einen Jugendraum, ein Büro, eine Küche, eine Werkstatt, eine große Garage sowie sanitäre Einrichtungen. Die Rede ist vom Feuerwehrhaus in Harreshausen. Von Michael Just

Nach dem einmaligen Fall vor wenigen Monaten, dass eine Feuerwehr aufgelöst wurde, weil sie keinen Wehrführer fand und auch sonst zu wenig Aktive zählte, steht nun die Frage über die Zukunft des in den Händen der Stadt befindlichen Gebäudes an.

Am Donnerstagabend waren dazu alle Bürger direkt an den Ort des Themas geladen, um Ideen und Wünsche vorzubringen. Rund 40 Personen nahmen in der ehemaligen Fahrzeughalle Platz, in der immer noch das große Rolltor und die spintähnlichen Ablageschränke für die Uniformen an die ehemalige Bestimmung des Hauses erinnern. An einer Stellwand schrieb Bürgermeisterin Gabi Coutandin, die mit Christian Heinemann vom Eigenbetrieb Immobilien gekommen war, die möglichen Optionen auf: Die sind weitreichend und könnten auch einen Verkauf oder eine Verpachtung als gewerbliche Immobilie beinhalten. „Dafür spricht der große abgeschlossene Hof als auch die Fahrzeughalle, die eine gute Werkstatt wäre“, sagte Coutandin. Nicht infrage käme laut der Bürgermeisterin die Nutzung als Wohnhaus: Hier stünden zu viele Umbauten und Kosten mit einem sechsstelligen Betrag an.

Die Frage, was mit dem ungenutzten Feuerwehrhaus passieren soll, wurde am Donnerstag bei einem Bürgergespräch diskutiert.

Das sind aber nur Gedankenspiele, die Möglichkeit, die alle Beteiligten eigentlich vor Augen haben, ist die Nutzung als Bürgertreff. Der sei nötig: „Was haben wir hier? Eigentlich nix!“, machte ein Besucher deutlich, dass Harreshausen zwar liebenswert ist, aber weder über eine Gaststätte noch einen anderen Ort der Zusammenkunft verfügt. „Uns schwebt ein Haus für alle Vereine und Dorfbewohner vor“, führte Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht im Namen des Ortsbeirats an. Mit einem anderen Boden könne hier Seniorensport betrieben werden, so dass die ältere Generation im Winter nicht mehr so weit zur Mehrzweckhalle laufen müsse. Dazu bräuchte es ein Quartier für die Jugend im Ort. Des Weiteren ließen sich die Räume für private Festlichkeiten vermieten.

Zukunftsträchtigeres Gebäude

Einer der wichtigsten Fragen des Abends, wer das Haus denn alles nutzen würde, brachte erstaunlich viele Hände nach oben: Da wäre der Gesangverein, der derzeit im alten Rathaus singt. Da hier Treppensteigen ansteht und es keine Barrierefreiheit gibt, würde man gerne ins Feuerwehrhaus umziehen. Des Weiteren wäre der Kindergarten, der derzeit über keinen Bewegungsraum verfügt. Interesse besteht auch beim Turnverein, der Überschneidungen bei der Nutzung der Mehrzweckhalle kennt. Nicht zu vergessen sind der Feuerwehrverein mit seiner Alters- und Ehrenabteilung, der Carneval-Club, die Jagdgenossenschaft, der Ortsbeirat mit seinen Sitzungen, die lokalen Parteien und die evangelische Kirche, die ein bis zweimal im Jahr einen größeren Ort zum Feiern sucht. Für ihre Gottesdienste, die derzeit bei Bethesda stattfinden, sieht sie hier ebenfalls eine Option. Sogar aus Nachbarorten besteht Interesse, Räumlichkeiten anzumieten.

Wie Bürgermeisterin Gabi Coutandin sagte, könne die Stadt nur eine Immobilie halten, so dass mit der Nutzung des Feuerwehrhaus der Verkauf des alten Rathauses einhergehe. Laut Koch-Vollbracht spreche hierfür nichts dagegen, da das Feuerwehrhaus das zukunftsträchtigere Gebäude sei. Mit der großen Nachfrage sind auch diverse Umbauten und damit Investitionen, vor allem für neue Böden oder die Heizung, realistisch. Einige Bürger wollen sogar einen Durchbruch zur benachbarten Kita. Über Umbauten und Investitionen muss zu gegebener Zeit die Stadtverordnetenversammlung entscheiden.

„Das ist eine einmalige Chance“

Die Gretchenfrage des Abends stand am Ende an, wer sich um die Abläufe und die Unterhaltung kümmert. „Ein Treffpunkt funktioniert nur, wenn die Bürger Verantwortung übernehmen. Das kann die Stadt nicht machen“, unterstrich die Bürgermeisterin. Den Harreshäusern obliegt nun, einen Trägerverein zu gründen oder ein Gremium zu bilden. Für die zukünftigen Nutzer zeigen sich die Aufgaben als vielfältig, was Verwaltung und Organisation angeht: Ob feste Ansprechpartner, Fragen zur Reinigung, das Schließen von Verträgen mit privaten Nutzern oder der Bezahlung der Nebenkosten inklusive Versicherungen – alle Punkte ergeben eine lange Liste.

Als Vorbild fiel immer wieder der Name des Hergershäuser Vereins Herigar, der sich dort um die alte Schule kümmert. Sein Ruf für ein außerordentliches Bürgerengagement eilt ihm bereits voraus. Genau dieses Engagement wird künftig auch der entscheidende Punkt in Harreshausen sein, einen Kreis umtriebiger und aktiver Bürger zu finden. So übernimmt Herigar beispielsweise die Reinigung, pflegt die Außenanlage, zahlt Reparaturen bis zu 250 Euro selbst oder macht die Belegungspläne. Eine Miete an die Stadt muss nicht entrichtet werden.

„Nicht nur die Belegungspläne sind keine leichte Aufgabe“, mahnte Coutandin an, die diversen Verpflichtungen nicht zu unterschätzen. Den anwesenden Bürgern war anzusehen, dass sie die möglichen Herausforderungen erstmal auf sich wirken lassen müssen.

Ortsvorsteherin Heidrun Koch-Vollbracht zeigte sich indes optimistisch: „Das ist eine einmalige Chance. Das müssten wir doch hinkriegen. Schließlich tun wir das für uns und nicht für andere.“ Die nächste Runde zur Zukunft des Feuerwehrhauses soll schon in wenigen Wochen zusammenkommen. Im kleinen Kreis, bei dem jeweils ein Vertreter der Gruppen und Vereine zugegen ist, die für die Nutzung Interesse haben, möchte man sich dann bei einem Herigar-Vertreter informieren, wie der Verein die Trägerschaft der alten Schule in Hergershausen im Detail meistert.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare