Fitness zu alten Schlagern

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Vor 49 Jahren haben Marie Thierolf und Karola Fendt die Frauengymnastik ins Leben gerufen. Heute sind sie mit ihren 86 und 90 Jahren immer noch aktiv dabei.

Babenhausen ‐ „Wir treten alle auf der Stelle und ziehen die Knie möglichst weit nach oben“, ruft Übungsleiterin Alice Sauer, während im Hintergrund der betagte Schlager „Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen“ läuft. Von Michael Just

„Ihr müsst es am Bizeps merken“, sagt Sauer bei der nächsten Übung, bei der die CD bereits zu Gitte Haennings „Ich will nen´ Cowboy als Mann“ weitergelaufen ist.

Es ist Dienstagabend, 20.40 Uhr, in der TV-Halle: Die Frauengymnastik ist zu ihrer wöchentlichen Übungsstunde zusammen gekommen. Die Gruppe ist gleich mehrfach ungewöhnlich: Zum einen besteht sie im nächsten Jahr seit 50 Jahren, zum anderen gehört sie eigentlich ins Guiness-Buch der Rekorde. Der Grund: Mit 92, 90 und 86 Jahren sind die drei Gründerinnen Annemarie Fendt, Karola Fendt und Marie Thierolf immer noch dabei, zwei von ihnen turnen sogar noch aktiv mit. Alle drei sind Urgesteine des TV Babenhausen.

 „Seit meinem sechsten Lebensjahr bin ich beim TV, das macht 80 Jahre Zugehörigkeit“, lacht Thierolf. Dabei spiegelt sich neben Stolz auch ein wenig Unglaube in ihren Augen - so als könne sie diesen langen Zeitraum selbst kaum fassen.

Geselligkeit wird gepflegt

Der Frauengymnastik stand Thierolf selbst 30 lange Jahre als Übungsleiterin vor, bevor sie mit sage und schreibe 78 Jahren 2002 die Regie abgab. Das löste in der eingeschworenen Truppe einen Schock aus: „Dann kommen wir nicht mehr“, war der Tenor. Mit Alice Sauer fand sich dann doch eine adäquate Nachfolgerin.

Die 57-jährige Krankenpflegerin hatte schnell raus, wie sie mit den Damen umgehen muss. Sie bewundert ihre Schützlinge: „Viele machen Sachen, die ich nicht kann, obwohl einige meine Mutter sein könnten. Ich kam erst mit 30 Jahren zum Turnen, da merkt man den Unterschied zu denen, die schon von Kindesbeinen an dabei waren.“

Derzeit umfasst die Frauengymnastik rund 30 Mitglieder von 55 bis 90 Jahren. „Früher haben wir noch an den großen Geräten geturnt“, wirft Karola Fendt ein. Barren und ähnliches werden heute nicht mehr aus der Garage gefahren, ein Spaziergang ist die Turnstunde trotzdem nicht. Aerobic-Elemente zum Aufwärmen gehören ebenso dazu wie Gymnastik für Bauch, Beine oder die Wirbelsäule.

Auch wegen der Geselligkeit ist für viele die Frauengymnastik ein Muss. So gibt es an Fastnacht eine närrische Turnstunde, eine Weihnachtsfeier, einen Jahresausflug oder Radtouren. Dazu wird jeder runde Geburtstag groß gefeiert.

Quelle: op-online.de

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